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Kann das Weblog helfen, eine Existenz aufzubauen?

gestern mit einer guten Freundin über das Thema unterhalten. Warum muss nun unbedingt ein Weblog dazu herhalten, eine Existenz aufzubauen? Das liegt sicherlich am Blog-Hype (ist eben nun einmal eines der heissen Themen im Web), der immer mehr Leute darauf aufmerksam macht. Man hat möglicherweise das Gefühl, dass es mittels der Weblog-Systemik einfacher wird, (als Gesamtgebilde betrachtet) seinen Weg zu machen.

Doch unabhängig davon, ob Weblogs jetzt per se einen Vorteil bieten, zunächst einmal die grundlegenden Dinge, um „seinen Weg zu machen“. Eventuell hilft mir das Runterschreiben, mir das selbst klarer zu machen, bevor ich jemanden darüber direkt berate. Schauen wir mal:

1. Wissen, was das Ziel ist und davon nicht mehr loslassen. Nicht mal 1 Jahr und 4.000 Arbeitsstunden später. Nicht einmal 3 Jahre und 12.000 Arbeitsstunden später. Der eine ist geil auf die grünen Scheine (der Weg ist Mittel zum Zweck), der andere liebt das, was er macht wie die Hölle und motiviert sich primär aus der Beschäftigung damit (der Weg ist das Ziel). Das, was sich so esotherisch und blabla anhören mag, ist mE dennoch unglaublich wichtig. Unglaublich wichtig der Motivation und der Ausdauer wegen. Wer das Schnelle Geld mit einem Weblog einsacken will, hat in D… will nicht sagen, keine Chance. Das ist Quatsch. Aber höchst unwahrscheinlich, dass man diesen Lottotreffer landet. Womöglich noch mit wenig Arbeit… na, es gibt Glückspilze, es wird die, mit dem goldenen Händchen immer irgendwo irgendwann irgendwie geben, aber wer in drei Gottes Namen vertraut realistischerweise schon darauf? Ebenso könnte man seine Lebensplanung nach dem 6er im Lotto ausrichten und träumend sterben. Wer sich nicht von vornherein klarmacht, was seine echten Ziele sind, kann auch nicht definieren, ob er sein Ziel jemals erreichen kann. Man braucht Austiegspunkte. Punkte, an denen man eine Zwischenrechnung (nicht im math. Sinne) erstellt. Und festsellt, ob man näher gekommen ist oder nicht. Wie sonst will man sich motivieren und die Ausdauer mitbringen? Es bringt umgekehrt nix, wenn man sich was vormacht. Träumen, den Traum leben, ja auf jeden Fall, aber auf dem Teppich bleiben und wenn es drauf ankommt, klar sehen! Und aussteigen, wenn es sein muss, so schwer es auch fällt.

2. Ohne Biss geht es nicht. Ich habe oben eine Zahl in den Raum geschmissen: 4.000 Arbeitsstunden. 80 Stunden die Woche. Das sind ca. 11 Stunden am Tag. 356 Tage lang. Das ist noch wenig für das Arbeitspensum eines positiv Verrückten, der seine sichere Existenz (via Arbeitsplatz) aufgibt und doppelt und dreifach schafft, für weniger Geld, mit viel mehr Ärger. Aber er lebt den Traum. Ok. Das kann nicht jeder. Will sagen: Das können die wenigsten. Die Chance ist gut, dass man aufgeben wird. Weil man zu faul und zu undiszpliniert ist. Weil man keinen Biss und kein Stehvermögen hat. Wer die Grundeigenschaften Ausdauer + Disziplin nicht besitzt, sich dazu selbst motivieren und in den Arsch treten zu können, wird schätze ich mal mit einer Wahrscheinlichkeit von 100% keine Chance haben, sein Ziel zu erfüllen.

3. Passion. Auch wenn man diesen Musiker vielleicht vom Stil her nicht magt, er atmet seine Musik mit jeder Faser seines Körpers. Und die Fans lieben ihn dafür. Würde er die Musik nur wegen der Kohle machen, würde er heute nicht da oben im Olymp thronen. Wenn man in der Lage ist, Tag und Nacht, egal wann und zu welcher Uhrzeit sein Topic nach vorne zu treiben – weil man das Herzblut besitzt – macht das viele Dinge einfacher. Wenn es um die Ausdauer und Motivation geht. Man lebt seinen Traum bereits.

4. Kreativität, Einfühlungsvermögen und Kalkül: Schön, wenn man seine Webseite XYZ ins Web schmeisst, Herzblut reinsteckt, 100 Arbeitsstunden die Woche und nix bei rumkommt. Man sollte vorher wissen, wo das Publikum ist. Wie viele es sind. Und ob es sich dafür überhaupt interessiert. Durch Passion kommt idR eine ungemeine Ausstrahlkraft herüber, die das Publikum berühren wird. Aber, manch einer kann das, was er liebt, viel besser „tun“ als darüber schreiben. Wer sein Thema nicht vermitteln kann, wer nicht weiss, seine Leserschaft wie auch immer zu fesseln und aufs Neue zu überraschen, wird einen schweren Stand haben. Das kann man lernen, keine Bange, aber manche schaffen das nie und müssen sich dann eben selbst eingestehen, dass sie keine guten Vermittler, sondern eher Macher sind. Beispiel: Du kannst Menschen unglaublich gut beraten, aber nicht via Web, sondern im Vier-Augen Gespräch. Weil Du situativ gesehen einmalige Antennen hast. Wie willst Du dieses zwischenmenschliche Gespräch im Web vermitteln? Manch ein anderer wiederum ist ne Null in der Praxis, aber ein Gott beim Vermitteln via Web, auch ok. Das ist Einfühlungsvermögen. Kreativität spiegelt sich darin wieder, wie man das Thema angeht, mit der Zeit Neuerungen einführt, wie man damit spielt und umgeht. Und Kalkül ist die Ratio: Glaube ja nicht, dass Dir zB andere Blogger helfen werden, Dein Ding zu machen. Die interessieren sich einen Scheiss für Dein Ding. Die wollen Inhalte sehen. Glaube nicht, dass Blogger eine Community sind. Sie sind Blogger, weil sie ein Blog haben, thats it. Das explizit, weil mich darauf immer wieder Dritte ansprechen, ob sich denn die Blogger gegenseitig helfen, gemeinsam was hochzuziehen. Zum Kalkül gehört es auch, auf 10% der Leser zu verzichten, selbst wenn es 10% abkotzende Stammleser sind, sobald mal ein Banner auf der Seite kreist. Sich nach der schreienden Minderheit zu richten ist Dummheit.

5. Fokus: Ich denke, dazu muss man nicht mehr viel sagen. Wer breit herumlabert so wie ich auf meinem Weblog, macht sich unnötig einen schweren Weg, sein Ziel zu erfüllen. Stay on Topic, stay on topic, stay on topic. Labert man über die Katze der nackten Nachbarin, interessiert das die Leser einen Bullshit. Pornoseiten nackter „Nachbarinnen“ gibt es überall.

Ok, und speziell Weblogs jetzt? Was soll es da speziell zu sagen geben? Alles andere ist Makulatur, auch der Weg via Weblog, wenn man sich nicht über das Ziel klar ist, keine Ausdauer besitzt, keine Passion mitbringt, kein Einfühlungsvermögen für die Leser hat und sich zu schnell weichkochen lässt. Hey, so what, ein ganz kleiner Teil packt es, mehr als nur ein Brotkrumen am Ende zu verdienen, der große Rest bleibt auf der Strecke. Karma.

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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

17 Kommentare

  • Super Beitrag, vielen Dank! Bin hundert pro mit Dir einverstanden – ausser, dass ich die Passion an 1. Stelle setzen würde 🙂 Denn wenn wirklich viel Passion vorhanden ist, ergibt sich daraus alles andere wie Ziele, Biss, etc…

  • die Reihenfolge finde ich immer wieder verblüffend:
    Existenz, Gründung, Weblog, Technik, Aufmerksamkeit, Zugriffe usw. und irgendwo kommt dann vielleicht noch mal welche Leistung für XY da erstellt werden soll.
    wenn es sich nur um Planspiele an der Uni handeln würde; schöne Übung.
    Aber manchmal habe ich tatsächlich den Eindruck es gibt tatsächlich Leute die meinen mit Gewerbeanmeldung und Webseite die wesentlichen Schritte für ihre Zukunft geleistet zu haben.
    Aber der Verdacht ist vielleicht nur Spinne wg. Hitze…

  • ich denke, dass derjenige sicher Ahnung von seinem Bereich hat, nur muss ich mir überlegen, was ich ihm sagen soll, ob er auch gewisse Voraussetzungen mitbringt und – was nicht oben nebst vielen anderen Dingen nicht enthalten ist – wie er seine Zeitbudgets einteilen soll. Ich kann lediglich versuchen, ihm bei den ersten Steps zu helfen, aber das Machen muss er selbst. Und Realist … ja, das ist gegeben, schon alleine der Backgrounds wegen 🙂 Doch in der Tat finde ich, dass es manchmal doch Kandidaten gibt, die quasi den 10 Schhritt vor dem ersten als gegeben hinnehmen. Da muss man schon etwas schonungslos offen sein und die Realitäten aufzeigen, ohne den Traum zu zerpdeppern gleich.

  • […] Da ich auch schon öfter danach gefragt worden bin, möchte ich an dieser Stelle auf den Artikel “Kann das Weblog helfen, eine Existenz aufzubauen?” im Basic Thinking Blog hinweisen. Die ersten drei Punkte sind für alle interessant, die sich mit dem Gedanken tragen in die Selbstständigkeit zu wechseln. Nicht nur in Verbindung mit Weblogs. […]

  • Ich finde, du malst etwas schwarz und weiß. Man kann ja auch mit Herzblut in der Sache stecken und trotzdem versuchen damit Geld zu verdienen. Eine Existenzgründung geht ja nicht immer von heute auf morgen. Ich kann ja auch erstmal beginnen zu bloggen und abwarten, wie viel bei reinkommt. Wenn es genug ist, kann ich’s dann zum Hauptberuf machen und wenn nicht, dann blogge ich halt auf dem Niveau weiter und hab ein kleines Nebeneinkommen. Vielleicht lässt man’s dann auch ganz.

  • Denkst du wirklich, das Punkt 5 richtig ist? Ich habe hier in der Bloggosphere eher die Erfahrung gemacht, ab und zu weg vom Thema, hin zu den „heißen“ spricht Sex und Co. macht den Blog besonders Buzzig. Wenn man wirklich nur zu seinem Thema schreibt, es sei denn es ist ein wirklich allgemein interessantes, dann bleibt der Blog doch relativ unbeachtet. Du wirst es besser wissen, aber was hällst du von diesem Einwandt?

  • die Leser scheinen eher abgenervt zu sein, wenn man mal was zu weit weg vom Blogzentrum anbloggt. Ich selber mische ja ständig, aber für ein Themenblog finde ich das ungesund. Hängt halt ab, wie weit die Randthemen farblich zum Zentralthema passen. Beispiel: Mal ein Joke hier und da ist ja kein Act, aber wer ständig über Flugzeugpropeller bloggt und dann auf einmal über was über die Untiefen der Assembler-Programmierung, wird wohl auf wenig Gegenliebe stoßen.

  • J so ausgedrückt stimme ich dir zu, aber was ich gemeint habe, denkst du nicht, dass dein Blog auch deshalb so erfolgreich ist, weil du eben son großes Themespektrum hast? Dabei will ich natürlich nicht sexsells unterstellen, habe nur dein Beispiel aus dem Artikel aufgenommen.

  • erfolgreich ist relativ. Ich kann mich mit anderen super unterhalten. Doch beim obigen Thema geht es vielmehr um diejenigen, die das Weblog als Ausgangspunkt aufbauen wollen, um sich davon direkt oder indirekt zu ernähren. Was ich also quasi aus Spaß betreibe, unbekümmert Themenwechsel betreibe, dürfte man sich wohl bei einem Profi-Blog wohl nicht mehr erlauben schätze ich mal. Sonst machste ja alle kirre. Dazu noch die Postingfrequenz ohne saubere Themenabgrenzung auch visuell bzw. navigationstechnisch dürfte ein Killer sein.

  • @Robert: Hilf einem alten Mann mal auf die Sprünge. Wenn ich die den Titel als Grundlage bzw. Grundsatzfrage nehme, kann ich dies nur bejahen. Es gibt etliche Argumente und Beispiele, die dafür sprechen. Du berichtest selbst des öfteren davon 😉
    Der Content bezieht sich aber hauptsächlich auf Weblogs als Existenzgrundlage. Wat denn nun?
    Ich denke, das eine schliesst das andere nicht aus.
    Z.B. meine Planung, meinen künftigen Shopaufbau mit einem dazu passenden thematischen Weblog eine Basis zu verschaffen, sollte eine deutlich e Hilfe sein (Du kennst den Sachverhalt). Die Zukunft wird es zeigen….
    Ich könnte mir sehr gut vorstellen, das sich das für alle möglichen Branchen umsetzen lässt.
    Was spricht dagegen, wenn ein Tischlermeister vor dem Aufbau/Übernahme eines Betriebes in einem Weblog von seinen Plänen, Ideen, Umsetzungen berichtet und sich damit schon ein Kundenpotenzial verschafft.

  • Hi,
    im Großen und Ganzen ein absolut lesenswerter Artikel. Speziell, was Arbeitseinsatz, Durchhaltevermögen und Erwartungen angeht. In diesen Punkten kann ich Dir 100% zustimmen.
    Wo ich Dir nicht zustimmen kann, ist dieser „Stay on Topic“ Imperativ. Das kann richtig sein, muß aber nicht. Etwas ausführlicher habe ich mich dazu in meinem eigenen Blog ausgelassen.

  • Naja. Nach all diesen Blut, Schweiss und Arbeits-Worten wünsche ich der Jugend, dass sie n.i.c.h.t. auf Biegen & Brechen versucht, eigenen content zu generieren. Im Internet ist schon genug unfreiwillig komisches Zeugs 🙂 .
    Schaut euch ruhig auch mal andere Sachen an, nimmt das ganze nicht so ernst und greift lieber zum Buch als zum Internet Explorer.

  • Ich glaube, dass ein blog wenn man eine breite Masse ansprechen möchte zu arbeitsaufwendig ist. Würde mich mal interessieren, wie lange Du für diesen Beitrag benötigt hast.