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Detlef Guertler: Tribun und Blogexperte

wtf ist Detlef Guertler? Irgendein TAZ-Journalist, dem man das Blogrecht noch nicht enzogen hat. So kommen dann auch Sätze zu Stande wie:

Und wenn Siemens-Chef Klaus Kleinfeld seit seinem Amtsantritt vor 18 Monaten ein CEO-Blog im Intranet führt, dann will er damit den Kulturwandel (Scheiß auf Deutschland, her mit der Rendite) und den neuen Führungsstil (Leistungsdruck und Prangersystem) transportieren. Für dieses Bezugssystem ist das auch nichts anderes als vor siebzig Jahren eine via Volksempfänger übertragene Führerrede.
Für so etwas darf das Wort Blog nicht herhalten. Das muss anders genannt werden, und zwar unabhängig davon, ob es inhaltlich ordentlich oder unordentlich gemacht wird. Deshalb hier gleich ein paar Vorschläge zur Neubewortung von CEO-Blog, mal mehr, mal weniger neutral gehalten. – Leaderbuch – Ceo-Bibel – Blopaganda

Und was ist ein Tribun?

Geschichtlich am bedeutsamsten waren die Volkstribunen (tribuni plebis). Der genaue Zeitpunkt der Einsetzung dieser Institution, der Umfang ihrer Macht, der ursprüngliche Wahlmodus sowie die anfängliche Anzahl der Volkstribunen ist ungewiss. Ab 471 v. Chr. wurden die Volkstribunen von der Versammlung der Plebejer (concilium plebis) gewählt, über die sie den Vorsitz hatten. 457 v. Chr. wurde ihre Zahl auf zehn erhöht. Ihre Amtszeit dauerte ein Jahr. Die Volkstribunen wurden ursprünglich eingesetzt, um Plebejer gegen den Missbrauch der Amtsgewalt von Seiten der damals ausschließlich patrizischen Konsuln Schutz zu gewähren. Zu diesen Zweck wurden sie unter besonderen religiösen Feierlichkeiten für unverletzlich (sacrosancti) erklärt. Anfangs beschränkte sich ihre Macht auf den Einspruch (intercessio) zu Gunsten einzelner von Maßregeln der Magistrate bedrohter Plebejer, die ihnen übrigens auch nur in der Stadt und innerhalb einer römischen Meile im Umkreis derselben zustand. Sie dehnten dieselbe indessen, auf ihre Unverletzlichkeit gestützt, immer weiter aus. Sie richteten ihre hindernde Einsprache gegen Amtshandlungen jeder Art, sie luden selbst Patrizier vor das Gericht der Tributkomitien, sie wohnten den Sitzungen des Senats bei und verhinderten Beschlüsse desselben durch ihr Verbot (veto). Als die Tributkomitien 449 v. Chr. das Recht erlangt hatten, das ganze Volk bindende Beschlüsse zu fassen, benutzten sie dieselben, um in ihnen Gesetze im Interesse der Plebejer zu beantragen und durchzusetzen. Dagegen stand den Patriziern nur das einzige Mittel zu Verfügung, das Veto eines Tribuns gegen seine Kollegen zu gewinnen, da dadurch das Vorgehen der übrigen verhindert werden konnte.

Nun, ich gebe zu, dass Detlef G. mangels Fähigkeiten einen schlechten Volkstribun abgeben würde, aber es wäre ein interessantes Experiment, ihm Zugang zum Siemens Intranet zu geben. Bei den Kommentarschlachten (oder auch Löschorgien) wäre ich gerne mit dabei, um das zu beobachten. Kommentarschlachten? Aber die kann es doch per definitione in Konzernen eh nicht geben, man kritisiert doch seinen Laden/Chef nicht offen. Und schon gar nicht bei einem Laden wie Siemens. Also doch ein Propaganda-Blog? Jo mei, sehen wirs ganz einfach: Wenn sich Mitarbeiter in einem Unternehmen die Butter vom Brot nehmen lassen, stattdessen die Ja-Sager das Ruder übernehmen, kannste den Laden gleich dichtmachen. Die Wahrheit liegt bei den meisten Großunternehmen irgendwo dazwischen. So dark, wie es Blogexperte D.G. zeichnet, ist es aber lächerlich. Und wer dazu noch denkt, dass Vorstände einen Laden dieser Dimension wirklich top-down lenken können, ist ungefähr so ahnungslos wie ein Brot.

via PR Blogger

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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

5 Kommentare

  • zufälligerweise arbeite ich in der selben firma wie herr kleinfeld und kann sagen, dass es da keine kommentarschlachten gibt, wohl aber recht viele kommentare. leider hat unsere netzadmin noch keinen feedreader installiert, so dass man herrn kleinfeld nur per blogbesuch lesen kann.

  • „ist ungefähr so ahnungslos wie ein Brot.“

    Hey, bitte keine Beleidigungen gegen Bernd!

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    (…das Brot)
    *g*

  • Aber nein, Kollege Basic, ich würde niemals denken, dass man einen Laden wie Siemens nur top-down lenken kann. Genau deswegen bin ich ja bei CEO-Blogs so skeptisch: Wegen der sehr hässlichen Folgen, die eine unternehmens-öffentliche Kritik am obersten Boss für jeden haben kann, der sie äußert, ist der von unten nach oben führende Kommunkationskanal zwar theoretisch offen, faktisch aber verstopft. Folglich funktioniert nur der Kanal von oben nach unten. Ziemlich genau so funktionierte auch das demokratischer Zentralismus genannte Kommandosystem kommunistischer Parteien.
    Und da mich das Thema schon zu einer Zeit beschäftigte, als es noch gar keine CEO-Blogs gab, hier noch ein kleiner Literaturhinweis dazu:
    http://www.die-humane-revolution.de/Debatten/Sozialismus/Sozialismus_Grundtext.html