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Urban Legends: A-Blogger Aggro sei gut für den eigenen Traffic

„Aggro ziehen“ ist ein spezieller Ausdruck im Onlinegame World of Warcraft. Aggro bedeutet sowas wie Aufmerksamkeit. Wessen Aufmerksamkeit? Die Aufmerksamkeit der fiesen Monster. Auf wen? Auf den Spieler, der die meiste Aggro erzeugt. Das ist idR ganz übel, rein taktisch gesehen. Denn kaum ein Spieler hält die Angriffe von Monsterhorden allzu lange aus. Nur der Krieger ist mit seiner dicken Panzerung dazu vorgesehen, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ein Lockvogel also, damit andere Spieler die Monster in Ruhe plätten könnnen, während der Krieger die Monster beschäftigt, ja, wütend macht. Der Krieger bringt sich sozusagen als Opfer für die Gemeinschaft ein. Das Aggro ziehen stellt durchaus eine wichtige „soziale“ Funktion im Spiel dar, kriegerisch zwar, aber immerhin.

Eine Parabel? Yep 🙂 Im Artikel „Das Geheimnis erfolgreichen Bloggings – so wird man über Nacht zum Blogstar!“ versucht Frank, diese Urban Legend zu zeichnen, dass es durchaus nicht nur eine Ultima Ratio ist, sich mit bekannteren Bloggern – A-Bloggern in seiner Definition – anzulegen. Er betrachtet das als probates Mittel. Zu welchem Zweck?

Ein, zwei provokante Aktionen und schon laufen sie alle zusammen. Das ist eure Chance, die Leser zu gewinnen und auf den Schild gehoben zu werden. Dann könnt ihr immer noch alle relevanten US-RSS-Feeds abonnieren und wild drauflosschreiben oder euch ein möglichst Blog-relevantes Thema suchen und euren Starkult pflegen.

Nun, ich nehme mal an, dass es mehr funny als ernst gemeint ist. Dennoch, dieses Argument taucht immer wieder in Kommentaren auf, sobald sich mal wieder Blogger untereinander prügeln. Von wegen „der sucht nur Aufmerksamkeit“. Diese Urban Legend hält sich schon seit jeher.

Die Wahrheit? Es bringt nüscht, null, nada. Man erzeugt kurzfristig Aufmerksamkeit. Ja, aber mehr im Sinne eines kurzweiligen Leservegnügens. Wenn sich der Staub gelegt hat, zählt letzten Endes nur noch eine Sache: Inhalt. Und wenn der nicht stimmt, kann man auch x-mal in der Blogosphere erneut Kneipenschlägereien anfangen. Es führt zu keinem organischen Wachstum.

Was aber, wenn der Content stimmig ist? Könnte das funktionieren, sich die Schlagringe überzuziehen und ein A-Opfer zu suchen? Sagen wir es mal so: Wer sich gerne prügelt, bringt meistens nicht die dialgischen Fähigkeiten mit, vernünftigen Content zu stemmen. Es ist ein Widerspruch in sich also. Oder andersherum gesagt: Man stellt sich selbst via Kommentardiskussionen ein Bein.

Machen wir den Lackmustest:
Blogscout
Das o.g. Blog wies gestern 127 Besucher und 229 Pageimpressions aus. Dafür, dass der Blogger vor 2-3 Wochen in hunderten von Kommentarscharmützeln Aufmerksamkeit genoss, ist das nun genau das dürftige Ergebnis einer solchen bewussten oder unbewussten Strategie.

Ergo: Finger weg, es bringt nullinger.


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

26 Kommentare

  • Na ja, ich habe die zitierte Aussage ja auch nicht auf mich bezogen. Denn wie richtig festgestellt wird, war ich mal kurz auf Top 22 und bin dann wieder runter. Daher kann mein Erfolgsrezept nicht auf mich selbst bezogen werden (ein Apotheker probiert ja auch nicht jede wirksame Arznei). Doch zum Thema: Was ist vernünftiger Content? Ich denke die Mischung macht es. Und denn Leuten, das bieten, was Sie wollen. Da sich 70% der User gegen Werbung aussprechen, wollen Sie keinen Media-Blog lesen. Aber so ein bißchen über Games, US-Blogger, deutschen Blog-Talk und vieles mehr zu berichten, das kommt an. Nur will ich das nicht machen – aus guten Gründen. Aber die Funktionsprinzipien habe ich wenigstens aufgezeigt …

  • na gut, 30% ist eine Riesenberg, anyway. Was meinst Du mit „Funktionsprinzipien aufzeigen“? Diese Urban Legend, dass es sich lohnt, mit fremden Bloggern anzulegen, da all news good trafficnews sind? Gehen wir zurück zum Los, dort steht meine Meinung, dass es völlig ineffizient ist, weil das ein Strohfeuer ist.

  • so unrecht mit den Verstrickungen hat er da nicht. Ein wenig von dem von ihm erzählten kann ich nur bestätigen, aus eigenen Erfahrungen.

  • Verstrickungen klingt so negativ mafiös. Für mich ist ein anderer Blogger entweder ein publizierender User im Netz bis hin zu einem gutem Freund. Verstrickung ist für mich mehr kartellmäßig zu verstehen. Lose oder enge Freundschaften pflege ich persönlich etwas anders zu definieren 🙂

    Aber klar, worauf Du hinauswillst, Kartell, Zunft, Mauern, Barrieren, Schotten… konnte ich bisher nicht beobachten, dass man ein gutes Blog totschweigt. Im Gegenteil.

  • Warum denken immer alle so negativ? Ich würde die Verstrickungen als Beziehungsnetzwerke bezeichnen. Und besonders die A-Blogger sind sich doch alle bekannt, telefonieren miteinander und besprechen sich halt hier und da mal. Ist ja nix Schlimmes. Man kennt sich, man hilft sich. Robert hat mir auch schon geholfen. Und viele andere Blogger auch. Das ist es, was ich meine. In der Schule haben wir mal in Gemeinschaftskunde ein (anonymes) Soziogramm der Klasse gezeichnet – nix anderes existiert auch bei A-Bloggern. Und da die alle nicht blöd sind, nutzen die ihr Vitamin B halt. That’s life – oder, Robert?

  • die Annahme, dass sich Blogger mit hohem Traffic und/oder hohr Verlinkungsdichte kennen und regelmäßig austauschen ist Theorie. Nicht, dass mein Herz daran hängt, dass dies nun gut oder schlecht ist. Ich zB kenne von den Top 100 aus den deutschen Blogcharts wohl gerade mal 5%, wenns hochkommt. Und mit kennen meine ich persönlich kennen. Telefoniert habe ich wohl mit 5%? Lesen tue ich aus dieser „Liste“ möglicherweise an die 10%? Ich könnte mir denken, dass es umgekehrt nicht viel anders aussieht. Insofern ist „Alle“ leicht übertrieben 🙂 Aber wie gesagt, es ist imho bedeutungslos, dass man 100% oder 1% kennt.

    Das einzige Vitamin, das hilft Frank, nennt sich Vitamin C für Content und Vitamin S für soziale Intelligenz 🙂

  • Naja wenn ein bisher noch unbekanntes Blog auf sich aufmerksam machen will kann man so eine Aktion schon ganz gut als Startrampe benutzen, wenn danach natürlich die von dir erwähnte Qualität kommt. Wenn ich irgendwann mein Blog starten würde und dir gehörig ans Bein pissen würde, danach einige interessante Artikel verfassen würde, das bringt sicher was 😛

    Denn es gibt genügend Blogs die gute Artikel habe und einfach nicht gelesen werden weil Sie nicht richtig in der Blogosphäre stehen oder was weiss ich wieso.

  • Das Erfolgsprinzip ist m.E. eine Mix-Strategie.
    Dieter ist halt gerne das bad a**, ABER er produziert auch Hits. Beides zusammen macht es. Und ich finde auch immer wieder Blogperlen – schade, dass die niemand liest. Eigentlich ein Blog-Thema für sich… Nur die A-Blogger werden sicher nicht auf Entdeckerreise gehen, denn da gibt es sicher Verharrungstendenzen und Angst um den eigenen Status…

  • Ob die A-Blogger gerne auf (Blog-)Entdeckungsreise gehen und darüber schreiben oder nicht, kann und möchte ich nicht beurteilen.

    Mir fällt aber generell auf, dass Blogger sehr fix im Gebrauch der Copy/Paste-Tasten sind, hingegen nur selten auf gute und/oder neue Blogs hinweisen. Ich versuche im Moment gerade, mit gutem Beispiel voran zu gehen () und interessante Blogs meines „Fachgebietes“ vorzustellen, mit nachvollziehbaren Kriterien zu rezensieren. Ob es den gewünschten Effekt hat, weniger bekannte Blogs bekannter zu machen, das wird die Zeit zeigen…

  • was noch schlimmer ist: wenn man vorwiegend durch destruktive beiträge auf sich aufmerksam macht, wird einem das nie vergessen. es gibt nämlich sowas wie ein bloggedächtnis und da sind dann leute wie schoggo, huber & co von vornherein auf den miß- bzw. kurzlebigen bashingerfolg abonniert …

  • im fall des medienhuber fand ichs auch nicht wirklich lustig. habe ja auch mit dem manne telefoniert. und er erzählte was von tollen werbemöglichkeiten etc die er sich auszudenken gedachte. statt dem taten folgen zu lassen profiliert er sich als krawallblogger und vermeintlicher blogberater. damit hat er in meinen augen als potenzieller geschäftspartner komplett verloren.

  • Ich find‘ den gesamten Ansatz, per Pöbelei Blogmerksamkeit zu erlangen, nicht nur unsinnig, sondern auch höchst bedenklich. In Zeiten, in denen Personal-Chefs (oder potentielle Kunden) vor einem Gesprächstermin mal gerne eine kurze Web-Suche nach dem Namen des Bewerbers bzw. Gesprächspartners starten, sollte man sich vorher über die möglichen Folgen bewusst sein. Oder sich paralell mit dem Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen beschäftigen.

  • Hört, hört – so funktioniert erfolgreiches Bloggen!…

    Ich blogge jetzt mal sehr prägnant, schreibe nur mit Link und nehme es mit einem anderen Blogger auf. Ist zwar kein A-Blogger, aber könnte auch klappen. Jetzt will ich aber auch Erfolge sehen!

    Schwachsinn… irgendwie…

    Basic Thinking hat da g…

  • Ein wahrer Kommentar-Hool besitzt keine eigene Agenda. Er steht über profanen, irdischen Zielen wie „Verkehr auf seine Seite zu lenken“. Er ist einfach nur stets bemüht durch ein paar Hinweise hier und ein paar Erklärungen dort, die Qualität der Blogosphäre ein wenig zu heben. Und vor allem auch das schwierige Verhältnis der Realitätswahrnehmung des Bloggers und der Realität wie sie nun einmal ist ein wenig zu versöhnen 🙂

  • Oh mann, bloggt doch einfach jeder was er will. Wenn einer damit viel Geld verdient, schön, wenn ers nur fürs Geld tut, auch schön, weil nicht so schön für ihn. Ist doch egal wie jemand bloggen auffasst. Wenns irgendwem nicht passt muss er ihn ja nicht lesen. Ganz einfache Domokratie. Hier ziehen echt ne ganze Menge Neidwolken vorbei in dieser Diskussion.

  • Ich hab was viel Besseres: Du musst nur Leser haben, die in einem Kommentar bei dir Mr. Spreeblog angreifen und schon kommt er zu dir und ein paar andere auch.

    Und ich bin fein raus und versuche zu schlichten. Super Konzept, oder? Nur dass ich das so eigentlich gar nicht geplant hatte.

  • @Henning: wieder was gelernt. Wie nennt man diese Strategie? „Kleinen Kinder Steine in die Hand geben und zum Werfen animieren-Strategie“ 🙂 …? @Sven: Was für eine Autorität da spricht. Seriös. Wichtig. Aber irgendwie fehl am Platz: denn hier geht’s um Humor. Und wer den nicht hat, der muss draussen bleiben:-)…

  • […] Thema der Woche in Deutschlands Weblog-Welt ist – wieder einmal – das Alphabloggertum. Alphablogger sind sowas wie die Leithammel – Tiere! Leit-Tiere! – der Weblog-Welt. Im Gegensatz zur US-amerikanischen Weblog-Szene, in der man einfache Kriterien wie 100.000 Leser am Tag festlegen kann um seine Leitkultur zu untermauern, fehlen in Deutschland solche innoffiziellen “Richtlinien”, weil Blogs von derlei Zahlen nur träumen können. Und was sind schon 2.000 Leser am Tag, wenn es um “Meinungsmacher” geht? Selbst beim bekanntesten Weblog Deutschland streitet die Szene bisweilen noch immer über den Blogstatus, während Spiegel Online-Chef Mathias Müller von Blumencron für des Deutschen liebste Nachrichten-Website bereits vor einiger Zeit den Weblog-Status annektiert hatte (und für herzliches Gelächter sorgte). Jetzt schafft Andreas Hallerbach endlich Abhilfe, denn auf seinem Weblog stellt der Ulmer den ersten “Psychotest” für deutsche Blogger online. Und der enthüllt den eigenen “Alpha-Blogger-Faktor”. So wichtig übrigens ist Alpha-Bloggertum nicht. Und falls Sie es doch für erstrebenswert halten, vielleicht hilft ja der kleine Leitfaden von Dr. Hubert … […]