Sonstiges

Digg: Communitymarketing für DAUs

Thomas und einige andere fragen sich wegen der aktuellen Digg-Story und dem „Nachgeben“ von Kevin Rose:

Es wird spannend werden in diesem Kampf, das ist klar. Er beweist aber eben, dass Geschäftsmodelle, die sich von einer Community leben, auch in der Hand dieser Gemeinschaft sind. Und wenn die Gemeinde an der steilen Klippe sagt „Spring“, dann heißt es springen. Oder die Community – und damit die Geschäftsgrundlage – sind weg.

Das ist eine Warnung für all die Großunternehmen, die wieder einmal glauben, das sei alles so leicht mit den Communities. Im Gegenteil: Es ist schwerer als alles andere. Denn je größer eine Gemeinschaft, desto schwerer ist mit ihr reden und Kirschen essen.

Und werfen wir nur einmal einen Blick auf die Digg-Kopisten auf dieser Seite des Atlantik. Zum Beispiel Webnews, das zum Reich unserer Muttergesellschaft Holtzbrinck gehört: Ein Medienkonzern kann es sich nicht leisten, „kämpfend unterzugehen“. Er würde den Link löschen – auf die Gefahr, die Community zu verlieren.

Das ist eben der Unterschied zwischen einem Macher einer großer Newsplattform und rätselratenden Reportern, deren Talent im Schreiben, weniger im Machen liegt. Das, was Kevin gemacht hat, ist Marketing-Aikido im höchsten Dan. Er und sein Digg werden als Che Guevara des Webs ein fantastisches Branding bekommen. Eine bessere Möglichkeit, als vor dem IT affinen Userpublikum stellvertretend für sie gegen die Mächtigen der Welt zu kämpfen, hätte sich Digg nach dem Paris Hilton-Fall nicht wünschen können. Und Kevin kann nur inständig hoffen, dass die „Bösen“ sich auf dieses Spiel einlassen (wäre mir da leider nicht so sicher). Richard Branson wusste stets, die Großen zu ärgern, um mächtig Publicity zu bekommen. Es gibt nichts besseres, als auf den David vs Goliath Effekt zu setzen. No risk no fun, und das Risiko für Digg ist wunderbar kalkulierbar. Wäre ich der Investor, würde ich liebend gerne den Scheck für die Gerichtskosten ausstellen. Also, schreibt mal weiter am Handelsblättchen herum und mögen sich die Webnews-Verantwortlichen niemals am Rat eines Reporters ausrichten;)

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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

13 Kommentare

  • Denn je größer eine Gemeinschaft, desto schwerer ist mit ihr reden und Kirschen essen.

    Dem würde ich so nicht zustimmen. Es gibt da das etwas unrühmliche Beispiel von DeviantART, einer großen Kunst-Community (vgl. deviantART im Aufruhr). Eines Tages wurde einer der Mitbegründer gefeuert. Die Community war stinksauer, es gab eine riesige Protestwelle inklusive Protesttagen, die die Community Berichten zufolge „gelb färbten“ (die Avatar-Farbe des gefeuerten Gründers).

    Gebracht hat es im Wesentlichen garnichts, soweit ich weiß.

    Ich glaube, auch die Digg-Verantwortlichen hätten ihre „harte Linie“ ohne langfristigen Folgen durchziehen können.

    Respekt dafür, dass sie es nicht getan haben. 🙂

  • Hmm, ich habe Knüwers Text eigentlich Recht gerne gelesen – und damit bestätige ich jetzt natürlich Dein Argument (Deine Polemik): “ rätselratenden Reportern, deren Talent im Schreiben, weniger im Machen liegt“. Darüber hinaus, war mir das, was Knüwer sagt, aber durchaus schlüssig.

    Du hingegeben schreibst hier, dass es sich um Marketing handelt. Ich bin mir da nicht sicher. Mir fehlt leider die Erfahrung in der Blogosphäre, um jetzt einfach mal auf Deine Interpretation (oder hat Dich „Kevin“ eingeweiht?) zu vertrauen.

    However: Ich bin gespannt, wer am Ende Recht hat.

  • Dass das pures Marketing ist glaube ich nicht, wobei es natürlich einen grandiosen Marketing – Märtyrer-Effekt hat. Daran kein Zweifel. Allerdings meine ich auch, dass ein großteil der Entscheidung von Kevin auf dem Druck durch die Community beruht.

  • —————————–
    Respekt dafür, dass sie es nicht getan haben. 🙂
    —————————–
    Kalifornier waren schon immer etwas anderes drauf. Aber mal ehrlich: Kevin kann es gelassen nehmen. Es gibt genug Firmen, die den Laden „retten“ werden, sofern dies noetig ist (was ich stark bezweifle).

    Sein Diggbeitrag dient dem Studentenvolk den Mund zu halten und ein absoluter geschickter Medienstunt. Auf die BBC Homepage kommt man nicht alle Tage.

  • Gut, es ist ja auch dort ein kampf gegen Windmühlen. Was allerdings auch für das mangelnde Rechtsbewusstsein der User spricht, andauernd und wiederholt illegales material zu posten…

  • Da war jemand schon so schlau, und hat sich den Code als Domainnamen gesichert:

    09f911029d74e35bd84156c5635688c0.com TAKEN
    09f911029d74e35bd84156c5635688c0.org TAKEN
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  • […] Der David-Golitah-Effekt 3. Mai 2007 Posted by Daniel Kömpel in Journalismus / Neue Medien, Aktuelles. trackback Ein junger Informatik-Student aus Ecuador veröffentlicht in seinem Blog den Code zum Knacken des Kopierschutzes von HD-DVDs und Blu-Ray-Discs. Wie er behauptet, um die Silberlinge auch auf seinem Linux-Rechner ansehen zu können. Die Story reicht er auf der Community-News-Seite digg.com ein und löst damit einen Lösch-Repost-Kleinkrieg zwischen den Betreibern von digg.com und seiner Community aus (detailliert hier nachzulesen). Infolgedessen knickt der Gründer Kevin Rose ein und gibt ob der genialen Guerillia-PR triumphierend resigniert bekannt, dass der Code aufgrund der Macht der Community ab sofort nicht mehr gelöscht wird. “We hear you, and effective immediately we won’t delete stories or comments containing the code and will deal with whatever the consequences might be. If we lose, then what the hell, at least we died trying.” Kevin Rose […]

  • […] 3. Mai 2007 Posted by Daniel Kömpel in Journalismus / Neue Medien, Aktuelles. trackback Ein junger Informatik-Student aus Ecuador veröffentlicht in seinem Blog den Code zum Knacken desKopierschutzes von HD-DVDs und Blu-Ray-Discs. Wie er behauptet, um die Silberlinge auch auf seinem Linux-Rechner ansehen zu können. Die Story reicht er auf der Community-News-Seite digg.com ein und löst damit einen Lösch-Repost-Kleinkrieg zwischen den Betreibern von digg.com und seiner Community aus (detailliert hier nachzulesen). Infolgedessen knickt der Gründer Kevin Rose ein und gibt ob der genialen Guerillia-PR triumphierend resigniert bekannt, dass der Code aufgrund der Macht der Community ab sofort nicht mehr gelöscht wird: “We hear you, and effective immediately we won’t delete stories or comments containing the code and will deal with whatever the consequences might be. If we lose, then what the hell, at least we died trying.” Kevin Rose […]

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