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Yaggs: die Krux mit dem Egouser

Yaggs.de geht frisch an den Start (siehe Golem + Heise) und will eine redaktionell gefütterte Suchmaschine sein, die sich nur auf die „wichtigsten Suchbegriffe“ fokussiert. Klingt nach Jason Calacanis Mahalo (siehe Videointerview mit Loic/Calacanis), die sich mit dem Label „Human Powered Search“ schmückt.

Eine Trefferseite sieht bspw. so aus: BMW. Findet das System nix, werden die Trefferlisten aus Googles und Yahoos Suchindex bedient. Das ist momentan noch zu 99.999999999% aller Suchanfragen der Fall, da der Index winzig klein ist.

Kernproblem ist aber nicht der momentan subatomare Suchindex, sondern folgendes Vorgehensmodell:
Zur Zeit werden Einträge auf Yaggs ausschliesslich von einem kleinen Redaktionsteam erstellt. Hierzu gibt es eine spezielle Redaktionsoberfläche, die es ermöglichen soll, schnell und effizient hochwertige Ergebnisseiten zu erstellen. Zu einem späteren Zeitpunkt soll eine überarbeitete Version dieser Oberfläche auch den Nutzern von Yaggs zur Verfügung stehen, so dass diese aktiv daran mitarbeiten können, die Site zu verbessern…. Yaggs liefert für die wichtigsten Begriffe Ergebnisse, die besser als automatisch erstellte Suchergebnisse sein sollten. Sucht jemand nach populären Dingen, so wird er oft auf Yaggs besser fündig werden. Jemand, der sehr spezielle Dinge sucht, ist dagegen bei Google, Yahoo oder MSN besser aufgehoben.
Suche ist imho ein low involvement Ding: schnell rein und schneller wieder raus. Nicht groß nachdenken, nix mit Mitmachen. Wozu soll ich, wenn ich nix finde, Yaggs mitteilen, wo man nun die geeigneten Seiten findet, die ich doch suche? Wozu soll ich zuerst Yaggs auf suchen und dann erst zu Google wechseln? Wenn ich doch von vornherein weiß, dass meine Chance, auf Yaggs was zu finden, gen Null tendieren. Denn, was populär ist, weiß ich doch nicht. Für mich ist Schneckenzucht populär, für Yaggs wohl nicht. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Kommen wir zu den Befüllern. Yaggs wird einen schweren Stand haben, wenn sie es nicht schaffen, einen eleganten Weg zu finden, User einzufangen. Nur mit dem Argument, dass man doch gemeinsam einen großartigen Suchindex für die wichtigsten Dinge des Netzes aufbauen kann, wird man keinen Blumentopf gewinnen. Yaggs Problem mache ich nicht zu meinem, erst me, dann die.

Ego Finding mit Social Searching kombinieren
Ich kann aber einen Suchindex viel besser aufbauen: indem ich die User social bookmarken lasse. Also das, was del.icio.us, StumbleUpon und Mr Wong schon längst ziemlich erfolgreich tun. Sie werden momentan nicht als Suchmaschine wahrgenommen, sie bieten aber dieses Feature schon längst an. Wenn man so will, basieren diese Dienste zunächst auf dem Egoismus der User, ihre Bookmarks einigermaßen elegant und im Vorbeigehen online zu speichern. Low involvement. Dann erst kommt ein genialer Schuss high involvement dazu, den del.icio.us populär gemacht hat, indem man die Ergebnisse miteinander in Beziehung setzt, aber vaD auch die „Bookmarker“ miteinander vernetzt. Aus Ego Finding wird Social Searching. Ohne, dass der User großartig aktiv werden müsste. Das wiederum schafft eine Art von perpetuum mobile. Ich bookmarke für mich, entdecke dabei fremde, an meinen Interessenstopics angelehnte Bookmarks und Bookmarker. Ich übernehme Teile derer Linverweise, die übernehmen Teile meiner Linkverweise. Diese Kopplung aus aktivem Ego Finding und mehr oder minder passivem Social Networking und Social Searching ergibt langfristig einen verdammt guten Suchindex. Der einerseits auf kleinsten Interessensgruppen basierend LongTail-Ergebnisse liefert, andererseits für beliebte Topics mehrheitlich abgestimmte ShortTail-Listings erzeugt.

Das Problem von del.icio.us und Konsorten: man nimmt diese Dienste nicht als Suchmaschinen wahr. Sie werden als Bookmarking-Dienste verstanden. Eigentlich kommt das Gleiche raus, doch der Weg dahin ist anders. So vergleicht man StumbleUpon eben nicht mit Google, was im Grunde genommen richtiger wäre. Dieses Wahrnehmungsproblem aber ist für die Dienste fatal: es limitiert eine umfänglichere Nutzung durch passive User, die eben die klassischen Suchmaschinennutzerschaft darstellen. Ratsam wäre es wohl für del.icio.us, ein neues Label aufzuziehen, das sich aus dem Bookmarking-Index bedient, aber als Suchmaschine darstellt. Gut, del.icio.us gehört zu Yahoo, da werden sicherlich Ergebnislistings aufgebessert bereits.

Ergo?
Wenn Yaggs sich also als Suchmaschine platziert und Social Bookmarking-Funktionen als sekundäre Hilfsmittel eingeführt werden, dann könnte das der einzige Weg sein, „Userredakteure“ zu finden und damit die Indexmaschinerie zu vergrößern.

Und lassen wir zum Abschluss Thomas Frütel, den Gründer selbst zu Wort kommen: Human Powered Search mit Yaggs.de


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

10 Kommentare

  • Einträge von einem Redaktionsteam erstellt? Ich will nicht wissen, wielange das dauert. Muss ja ganz schön „alpha“ sein das Projekt.

    Ich sehe da nur eine „zukunft“ wenn die User den Inhalt „bestimmen“ können….

    Ich warte noch auf einen DE Service wie attendi.com oder chacha.com 😉

  • Rein von der Oberfläche sehen sich yaggs und mahalo verdammt ähnlich. Nur der Logostyle ist etwas anders. Allerdings denke ich nicht, dass Yaggs eine Anziehungskraft und Qualität wie mahalo entwickeln wird.

  • google nutzt doch schon längst die ganzen bookmark-Dienste, um seine Suchergebnisse zu verbessern. Ein Platz auf der digg-Startseite bringt mehr Suchmaschinenbesucher

  • Nichts für den deutschen Markt und mit dem bisherigen Ansatz nicht stemmbar ohne ein riesen Redaktionsteam . Daher mein Urteil: Totgeburt!

  • Sehe das ähnlich wie Du Robert. Dienste wie yigg.de und mister-wong z.B. haben eine riesen potenzial Suchmaschinen zu ersetzen, wenn sie denn als solche wahrgenommen würden.

    Aber auch Google bezieht Meldungen von Mister-Wong und yigg mit in den Serps ein. Nicht umsonst sind die Yigg Meldungen oft in den Top 10. bei Google.

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