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Blog-Tour: Selma-Projekt

wie bereits besprochen, startet die Blog-Tour mit Stefanie Kloß (Silbermond), die am Selma-Projekt als Künstlerin beteiligt ist. In Interviewform, wenn auch leider nicht so interaktiv, wie ich es mir wünschen würde, um auf den Interviewpartner dediziert eingehen zu können. Immerhin kenne ich Stefanie als Person null. Ein persönliches Zusammenkommen kam zeitlich gesehen nicht in Frage, sie in Berlin, ich in Frankfurt… Daher das Interview „nur“ in Textform per Mail. Auf der eigens eingerichteten Selma-Website findet Ihr Background-Infos zum Projekt vom schweizer Komponisten David Klein, der die Gedichte des jüdischen Mädchens Selma Meerbaum-Eisinger vertont hat und zahlreiche Künstler dafür gewinnen konnte. Diese Woche gibt es dazu eine Blog-Tour, auf verschiedenen Blogs werden verschiedene Künstler vorgestellt, die zum Projekt beigetragen haben. Morgen ist beim Bernd Röthlingshöfer David Klein dran, der Vater des Ganzen.

Here we go:
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stefanie kloss interview1. Hallo Stefanie, Zu Deiner Person: magst Du Dich kurz vorstellen? Wer Du bist, was Du machst, wo Du herkommst?

Stefanie: Dafür, dass ich erst 22 bin, schätze ich mich sehr glücklich, dass ich mit SILBERMOND schon so viel erleben durfte. Wir vier haben uns 1998 in unserer kleinen Heimatstadt Bautzen kennen gelernt und seitdem machen wir zusammen Musik und das unheimlich gerne und mit viel Leidenschaft. Noch vor ein paar Jahren habe ich nicht gedacht, dass ich wirklich einmal Sängerin werden könnte. Es macht sehr viel Spaß viel herum zu reisen, auf Tour zu sein und viele neue Menschen kennen zu lernen. Ob das Leute sind, die unsere Konzerte besuchen oder auch zum Beispiel David Klein, der das Selmaprojekt ja ins Leben gerufen hat.

2. Du machst ja bei dem CD-Projekt Selma mit. Kannst Du uns mehr dazu verraten, um was es da geht? Wer Selma ist, warum Du persönlich als Stefanie Kloß (nicht als Silbermond die Gruppe) dabei mitgemacht hast? Oder wars eben einfach nur ein Deal, Silbermond bekommt bisschen Kohle und singt halt eben dafür?

Stefanie: Selma war ein junges, jüdisches Mädchen, die bereits mit 15 angefangen hat, Gedichte zu schreiben. Über ihre erste Liebe und ihr Leben…ein Leben in Verfolgung und Konzentrationslagern. Mit nur 18 Jahren starb sie 1942 und hinterließ Gedichte, die jahrelang verschollen galten und eines Tages wieder auftauchten. Eines Tages klingelte bei uns das Telefon. Ein junger Mann erzählte von einem Projekt, von einem Mädchen, von Gedichten, von Musik. Er hatte einen schweizer Dialekt und nach einer Weile kamen wir ins Gespräch. David Klein heißt der junge Mann, dem die Gedichte von Selma in die Hände gefallen sind und der zu ausgewählten Texten von Selma einfach Musik schrieb. Musik, die Selmas Worte, meiner Meinung nach, wieder etwas aufleben lassen. Dafür suchte er Stimmen. Deswegen rief er an. Und weil ich selten jemanden mit so viel Leidenschaft erlebt habe, wie David und weil die Geschichte von Selma einfach unglaublich ergreifend ist, habe ich mitgemacht.

Warum nur ich von Silbermond nun dabei bin? Die CD ist ja keine Compilation von verschiedenen Bands, sondern von Einzelinterpretinnen und Interpreten. Es machen ja auch keine anderen BANDS mit. Aber wir als Silbermond engagieren uns für viele Projekte, die uns am Herzen liegen. Diese Geschichte hat mich einfach gepackt und Thomas, Johannes und Andreas hätten das auch sofort gemacht, nur sind sie eben keine Sänger. Sie stehen genauso hinter dem Projekt und waren auch bei dem Konzert in der Berliner Synagoge dabei.

Wir haben auch selbst mit unseren Fans ein Projekt ins Leben gerufen, dass sich „€œFans helfen“€? nennt (www.fanshelfen.de). Hier setzen wir uns intensiv für Projekte ein, die auch langfristig laufen. Schon lange arbeiten wir da auch mit „€œLaut gegen Nazis“€? und der „€œAmadeo Antonio Stiftung“€? zusammen und hier floss auch das Geld hin, welches ich für das Einsingen des Liedes „Ja“ auf Selma bekommen habe. Es soll Opfern rechtsradikaler und fremdenfeindlicher Übergriffe helfen.

3. Auf der CD singst Du eines der 12 Gedichte… es nennt sich „Ja“ und fängt mit dem Text an…. [weißt Du was, magst Du uns die ersten Takte stante pede vorsingen, pur, ohne Musikbegleitung? = das ging leider nicht, da es eben kein Videointerview wurde]. War die Auswahl des Gedichts Zufall oder hast Du Dir das ausgesucht? Gefällt Dir persönlich das Gedicht und was drückt es aus in Deinen Augen?

Stefanie: Ich fand die Geschichte von Selma von Anfang an sehr beeindruckend und auch traurig. Aber ich war mir nicht sicher, ob ich das Lied, das vertonte Gedicht, was David mir vorgeschlagen hatte, auch rüber bringen könnte, denn es ist musikalisch etwas komplett anderes, als wir als Silbermond machen. Traumhaft schön, aber für mich eben neu. Er redete mir gut zu und ich versuchte es einfach. Wir waren zusammen im Studio…und mit jedem neuen Track habe ich die Worte mehr und mehr verinnerlicht. Es ist das wohl kürzeste Gedicht auf der ganzen Platte, aber genau darin liegt die Magie. Jeder kann das sicher für sich selbst interpretieren, aber für mich schreibt sie da von etwas, was sie nicht hat, was unendlich weit weg scheint, wie ein Stern, aber wovon sie so stark träumt, auch mit Wehmut, dass es irgendwie trotzdem scheint, als wäre es ganz in der Nähe. Das kann die Liebe sein, die Freiheit, Frieden. Vielleicht der Traum davon, dass dies alles wieder kommen könnte.
Ich mag dieses Gedicht sehr!

4. Ich habe gesehen, dass das Selma-Projekt im Rahmen der Intitiative Step 21 auch an die Schulen getragen wird, die CD wird dabei mit verwendet. Ist das nicht bisserl zu viel des Guten mit den Werbemaßnahmen? Als Vater finde ich es wunderbar, wenn sich Kinder mit Gedichten und der Geschichte von Selma befassen, doch wozu dann gleich die CD quasi als Werbekäsestückchen mitsenden? Hast Du dazu eine Meinung, die Du offen aussprechen darfst?

Stefanie: Die CD ist die Grundlage des Schulprojektes, weil sich Jugendliche eher mit den Gedichten befassen, wenn ihre Idole das auch tun. David Klein hat 4 Jahre gebraucht, bis das Schulprojekt stand und er arbeitet unentgeltlich dafür. Es geht ihm dabei ausschließlich darum, dass in der Vergangenheit begangene Fehler nicht wiederholt werden. Mit Werbemassnahmen hat das nichts zu tun.

5. Zu der Blogtour…., schon jemals auf Blogtour gewesen? Auf Konzerttour, das kennt man als Musiker, aber auf Blogtour? Weißt Du, was ein Blog ist und wenn ja, was sind Blogs für Dich? Wenn nein, warum machst Du dann bei einer Blogtour mit ohne zu wissen, wie die Bloghallen aussehen? ;))

Stefanie: Eine Blogtour ist für mich was neues und genau darum mach ich auch mit, neue Erfahrungen zu sammeln ist für mich die Grundlage für persönliche und kreative Weiterentwicklung.

6. Etwas ganz Persönliches zum Abschluss: hat Dich das ganze Drumherum um Deine Person verändert? Immerhin warst Du vorher ein völlig normaler, unbekannter Mensch wie jeder andere auch, heute kannst Du kaum noch auf die Straße, ohne wiedererkannt und angequatscht zu werden. Ich stelle mir das eher unangenehm vor. Jeder will etwas von einem. Willst Du Dein altes Leben nicht zurückhaben?

Stefanie: Wir sind immer noch „€œganz normale Menschen“€?! Wir schaffen unseren Müll runter, gehen einkaufen, fahren Bahn…wie jeder andere auch. Aber klar prägt einen immer das, was man macht und erlebt. Wir sind viel unterwegs, selten zu Hause und ja, ein paar Leute kennen uns jetzt etwas mehr, als noch vor 5 Jahren. Aber wir freuen uns sehr, dass die Leute unsere Musik mögen und den Spaß an der Musik auf den Konzerten mit uns teilen! Und nein, ich möchte es nicht missen, jeden Tag das zu machen, was meine Leidenschaft ist: nämlich Musik!

7. Stefanie, dankeschön für die offene Beantwortung der Fragen. Nun eine Frage an Dich: was würdest Du uns fragen? Als Leser und Betrachter dieses Videointerviews?

Stefanie: Ich bedanke mich bei euch, dass ihr euch diesem Thema widmet. Und mich würde interessieren, was diese vertonten Gedichte bei euch auslösen? Wirken sie bei euch nachhaltig? Bringen sie euch zum Nachdenken? Erreichen sie euer Herz? Ich glaube David und uns Sängern/Sängerinnen würde euer Feedback sehr viel bedeuten, um daraus für nächste Projekte zu schöpfen.

Liebste Grüße

Stefanie
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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

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