Sonstiges

lokale Verbreitung von Webangeboten

gestern hatte ich bzgl. den Lokalisten das Phänomen angesprochen, dass trotzdem das Netz global tickt, dieses globale Netz lokal agiert. So stellen zahlreiche Internetanbieter fest, dass ihr Angebot lokal geballt wahrgenommen wird. Aktuell ist das beste Beispiel Wer Kennt Wen, die ungemein stark in Rheinland-Pfalz und in Teilen von Hessen vertreten sind, in anderen Bundesländern nur sehr sporadisch. Die Macher kommen aus der Uni Koblenz und von dort aus hat sich via analoger Mundpropaganda die Seite herumgesprochen. Spannend ist es allemal zu beobachten, wie quasi von einem „eroberten“ Ort die Seite zu einem anderen Ort überspringt. Manchmal jedoch je nach persönlicher RL-Vernetzung der User die regionale Verbreitung zum Erliegen kommt. So ist mein Ort (Usingen/Hessen) schon mehr oder minder erobert (ungemein viele User aus Usingen), jedoch nicht der ganze Taunus (so nennt man das Gebiet nördlich von Frankfurt mit rund 200.000 Einwohnern, wozu auch Usingen gehört). Wäre mal faszinierend zu sehen, wie sich eine Seite wie WKW regional im Zeitverlauf ausbreitet und wo überregionale Brückenbildungen entstehen. Ob WKW sowas zur Verfügung stellen würde? Wollte ja eh schon längst mit den Machern telefonieren.

Gerhard hat gestern dazu kommentiert, finde ich sehr aufschlussreich, welche Faktoren er identifiziert:

Das Phänomen, dass sich Community regional unterschiedlich entwickeln, genauer: sich in einer Region zuerst entwickeln, ist auch bei anderen Websites zu beobachten, z.B. Online-Job-Börsen oder Online-Pacht-Börsen.

Ursachen:
– Die Börse/die Website/das Portal wird von einem Printmedium betrieben mit einem historisch bedingten regionalen Verbreitungsschwerpunkt. Beispiel: Gastro-Pacht-Börse des Gastronomie-Report.de mit Sitz in München.
– Bei reinen Internetprojekten sind die ersten Mitglieder/Nutzer Freunde und Bekannte der Betreiber und die wohnen in der Regel eher am Standort.
– Werden von den Betreibern Kunden (teilnehmende Betriebe usw.) direkt angesprochen, geschieht dies auch meist bevorzugt am Standort und in der Region. Beispiel: Qype (Hamburg), Kwick (Baden-Württemberg)
– Es gibt auch Communities, deren Nutzerverteilung mit der Distribution einer bestimmten Marke korrespondiert, z.B. http://www.vplusfriends.de/
eine Community der Brauerei Veltins rund um die Biermixgetränkemarke Vplus.

Geschickt hat es StudiVZ gemacht. Man hat außerhalb des Standorts der Gründer (St. Gallen, Berlin) an einigen Universitäten „Scouts“ eingesetzt, die Mundpropaganda vor Ort gemacht haben, etwa in den Mensen Leute angehauen haben. Deshalb hat sich StudiVZ parallel in einigen Universitätsstädten außerhalb des Standorts der Betreiber, so auch in Bamberg, schnell gut entwickelt und konnte sich anschliessend autonom flächendeckend verdichten.


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

19 Kommentare

  • Robert, Du solltest Dir mal überlegen eine neue Farbe für die Zitate auszuwählen. Das Hellgrau ließt sich sehr schwer und unangenehm. Ich wäre für Blau.

    Nein, eigentlich wäre ich für Blau als Hauptfarbe für Deine Beiträge, denn das sich Blau auf weißen Hintergrund am besten einprägt und an angenehmsten lesen lässt, hat die Psychologie schon lange bewiesen. Sei mutig und probiere es aus, es ist ungewohnt, aber sehr angenehm. Dann kannst Du schwarz für die Zitate nehmen.

  • Die Campus Captain Aktion war der tragende Erfolgsfaktor für StudiVZ. Wenn ich mich recht erinnere lief die Verbreitung von StudiVZ lokal ab einer Nutzerzahl von 150 von alleine.

    Jedoch darf man meiner Meinung nach nicht vergessen, dass immer das gewisse Gimmick dazugehört die Scouts zu motivieren die Idee zu kommunizieren. Sicherlich kann aber auch den einen oder anderen mit Merchandising zur Kommunikation bewegen.

    In unserem Fall stellen wir genau die gleichen Überlegungen an.

    Ich würde daher von euch einmal wissen. Lasst ihr euch dazu bewegen eine Webseite weiterzuempfehlen oder aus eigenem Antrieb heraus viral im Marketing zu unterstützen, wenn man euch sagt „wir treten mit unserer Webseite eBay in den Hintern“ „das Monopol von eBay kann man brechen“

    Was sagt meint ihr??

  • Das Thema werkenntwen scheint, dich ähnlich zu faszinieren und zu beschäftigen wie mich.

    Ich komme auch so ungefähr aus deiner Gegend (noch ein bisschen tiefer in den Wald rein 😉 ) und kann nur bestätigen, dass wkw dort eine ungemeine Verbreitung hat. Da habe ich Menschen (wieder-)getroffen, denen ich gelinde gesagt noch nicht mal zugetraut hätte, dass sie eine einige Mail-Adresse haben. Und in meiner neuen Heimat hier im Stuttgarter Raum, nutzt wkw kaum einer.

    Aber ich hab auch das Gefühl, dass die Ausbreitung von wkw wirklich von Region zu Region stattfindet.

  • Geht mir ähnlich, einmal bei wkw aus Neugier drinnen hänge ich jetzt im Orbit, bis meine Bekanntschaftsregionen erschlossen sind. Erinnert mich irgendwie an das alte Spielchen/die Simulation „Life“, falls das noch jemand kennt.

  • @Matthias: Du hast mich vermutlich missverstanden. Ich finde keine meiner Bekannten, da meine Spielplätze der Vergangenheit noch nicht erschlossen sind 🙂

  • Das ist bei allen Communitys so. In deinem letzten Artikel über Lokalisten.de wurde auch kurz SchuelerVZ.net erwähnt. Diese Community wird in meiner Stadt kaum genutzt, dafür ist aber fast jeder bei Schueler.cc…
    Es liegt wohl auch daran, welche Seite in einem Ort zuerst etwas Erfolg hatte. Diese wird dann natürlich schnell beliebt und es gibt keinen Grund mehr, sich bei den anderen Seiten anzumelden. Denn es ist ja eh schon jeder bei der einen Seite angemeldet.

  • Es gibt immer einen lokalen Faktor beim Aufbau eines Social Networks, das ist die logische Konsequenz dessen das wir mehr Freunde in unserer Nähe haben als irgendwo anders.
    Der Faktor lässt sich aber kontrollieren nutzen oder mindern, z.B. durch das bewusste setzen von lokalen Startpunkten (Campus Captains ) oder wenn das Network ein Social Object hat ( Flickr z.B. Fotos ) über SEO und anderes.

    Ich denke das es noch genug Raum für lokale und regionale Social Networks geben würde.

  • Habt ihr die Alexa-Zahlen gesehn. Die sind ja größer als die Lokalisten. Nicht schlecht. Habe aus sicherer Quelle gehört das rtl die Plattform letztes Jahr übernommen hat. Das erklärt die großen Zahlen. Mal sehen wann die Fernsehwerbung starten wird. Dann werden wir live einen Kampf zwischen köln und münchen erleben. Robert: Dann geht es auch nicht mehr um eine Region

  • @Webber: Genau das hab ich auch gehört!

    Wobei die TV Werbung Lokalisten auch nicht wirklich geholfen hat, aus München und Umgebung rauszukommen.

  • Das o.a. Prinzip trifft auch auf http://www.gesichterparty.de zu. Eine unglaublich erfolgreiche Party Community, die ihren Ursprung im kleinen Saarland hat.
    Leider zaehlt sie meines Erachtens auch zu den haesslichsten und userunfreundlichsten Websites in Deutschland 😉 Aber da sieht man mal wieder, dass das Design nicht immer wichtig ist…

  • @paulinepauline Meines Wissens nicht, sie sind in Harvard gestartet haben da einen gewissen Sättigungsgrad erreicht sich dann auf die anderen Ivy League Unis ausgedehnt und dann immer mehr Unis hinzugefügt…

    Man muss natürlich sagen das die Anfangszielgruppe von Facebook ähnlich wie StudiVZ sehr eng vernetzt ist und auch viele landesweite Kontakte hat, bei anderen Netzwerken die nicht aus Studenten bestehen wird eine landesweite Vernetzung viel schwieriger.

  • Ich kenne das ähnlich von Magazinen hier aus der Region – hier buhlen mehrere Plattformen um User, und bezeichnenderweise sind es die lokalen Größen, die die meisten Nutzer locken. kwick.de im Raum Stuttgart, team-ulm.de in der Region Ulm, timeshot.de in Augsburg (wobei die ursprünglich aus einer in Ulm ansässigen Community entstanden sind). Dagegen gibt es einige „überregionale“ Größen, die aber selbst insgesamt gesehen nicht einmal annähernd an die regionalen Seiten herankommen.

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