Sonstiges

Tempodome

Silke beschreibt eine junge (?*) Plattform namens Tempodome, die nicht nur Musikkonzerte live streamt, sondern zusätzlich Webusern die Möglichkeit bietet, sich gemeinsam das Konzert anzuschauen. Der gesamte Lösungsansatz ist hierbei hochspannend, passt er doch auch wunderbar zum Objekt, um das es sich dreht.

Mich faszinieren solche Ansätze, da ich eine Synchronisierung von Ereignissen als einen gewichtigen Faktor erachte, wenn man Webanwendungen baut. Immer dann, wenn es sozialer Software gelingt, RL-Synchronität in einer Gruppe ansatzweise zu simulieren, entsteht weitaus mehr, als es übliche Tools zu leisten vermögen. So sind die allermeisten Social Networks von ihrem Entwicklungsstand als momentan modernste Vertreter der Gattung „wir simulieren menschliche Interaktionen“ auf der Stufe „alleine gemeinsam“. Das Gemeinsam dort gestaltet sich meistens asynchron, was aber einem echten Gruppengefühl im RL weit, weit hinterherhinkt. Wenn man so will, ist Twitter -das man ebenfalls als Social Network bezeichnen kann, wenn man sich den Kern anschaut- bereits auf der nächsten Stufe angekommen, obwohl sich die Interaktionsmöglichkeiten lediglich auf den Austausch von Textnachrichten beschränken, was aber reicht, eine Gruppe synchron einzustimmen, sprich ein Gruppengefühl zu vermitteln. Obwohl bei Twitter das Objekt im Vorfeld recht undefiniert ist („what are you doing„), über das man sich austauschen soll/kann. Es geht also auch ohne exakte Zielausrichtung, im Gegensatz zu Tempodome, wo ja explizit Live-Events im Vordergrund stehen.

Sollten demnach Social Networks egal welcher Couleur auch mal darüber nachdenken, RL-Ereignisse virtuell zu synchronisieren? Ja, imho ein guter Gedanke!

*lt. Silke wurde Tempodome Anfang April gelauncht.

Jobs in der IT-Branche


Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

12 Kommentare

  • Tja, aus meiner Sicht bist du gerade dabei, einen wesentlichen VORTEIL internet-gestützter Interaktion und Kommunikation zu einem Nachteil umzudefinieren:

    Es ist ja gerade das Schöne, dass der Mitmensch mir übers Netz nicht ins Real Life brettert, wenn’s ihm danach ist, sondern dass er „Mitmensch on demand“ bleibt, dem ich mich zum selbst gewählten Zeitpunkt zuwende – ohne ihn meinerseits zu brüskieren, denn er hält es ja genauso!

    Sehr angenehm finde ich es auch, bei EREIGNISSEN von der Dominanz der Echtzeit befreit zu sein, wenn ich z.B. eine TV-Sendung als Stream auf der Seite des Senders ansehen kann, wann es mir passt – oder die Videos von der Re:Publica zwei Tage nach dem „großen Ereignis“ am heimischen Monitor genießen.

    Was ist denn an „Gleichzeitigkeit“ so toll? Wird etwas irgendwie besser, wenn ich weiß, das gucken grad‘ noch weitere zehn oder 100 andere Leute an?

    In den Social Networks empfiehlt es sich, seinen Online-Status „zu verstecken“, habe ich auch lernen müssen. Wenn ich das nämlich NICHT tue, beschweren sich auf einmal wildfremde Menschen, dass ich ihnen nicht geantwortet habe, OBWOHL ICH DOCH ON war – nervig!

    Das aus deiner Sicht lobenswerte „Instrument der Synchronisierung“ transportiert also sozialen Kommunikations- und Resonanz-Zwang.
    Nicht jeder mag das. 🙂

  • Robert, darf ich dann ganz uneigennützig (auch Ligx ist ein Kunde) mal auf Ligx.de hinweisen, die etwas sehr ähnliches ebenfalls und schon etwas länger anbieten. Schaus dir mal an.

  • @claudia es muss ja auch nicht jeder das internet mögen. 😉 und robert will es ja auch nicht umdefinieren. er meint lediglich, dass es eine option ist, wie man das netz nutzen kann.
    um bei dem beispiel live-konzert zu bleiben: ich fand es sehr toll, gleichzeitig mit anderen menschen dieses konzert gesehen zu haben und mit ihnen quatschen zu können. das ist was ganz anderes, als zeitversetzt im nachhinein in einem forum darüber zu reden. was man natürlich AUCH machen kann. zum glück gibts ja viele möglichkeiten. 😉

Kommentieren