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Twitter: Wo bleibt the big thing?

damals habe ich vorhergesagt, dass Twitter so ein großes thing wird, nachdem ich die Zeichen der Adler am Himmel gedeutet und das „I’m Feeling Lucky“-Orakel befragt hatte. Und? Na ja, die hyperbolische Kurve wie Second Life hats nicht ganz so gezeichnet, aber immer mehr User werden vom Twitter-Virus erfasst. Immer mehr? Wieviel ist denn immer mehr? Compete.com sagt, dass Twitter nahezu 1 Mio User letzten Monat genutzt haben:

habe zwecks Vergleich die Konkurrenten Jaiku und Pownce mit aufgeführt

Betrachtet man hingegen die Visits (gem. Compete-Definition = Anzahl eindeutiger Besucher je alle halbe Stunde)

ergeben sich rund 6.25 Mio Visits im Monat. Würde man von einer eher intensiven Nutzung über alle Nutzergruppen hinweg ausgehen -nehmen wir mal 6 Stunden tägl. – müssten sich 1 Mio x 30 Tage x 6 Stunden/0,5* = 360 Mio Visits ergeben und nicht 6 Mio. Umgekehrt gerechnet nutzen Twitter im Schnitt 200.000 User pro Tag (=6 Mio Visits). Das würde rein rechnerisch einer Re-Login-Quote von 1:5 entsprechen (jeder User klinkt sich alle 5 Tage einmal bei Twitter ein). Schwache Quote iHv 20%! Im Vergleich dazu: Bei Facebook oder StudiVZ sollen es fast 50% aller User sein, die täglich reinschauen.

Nun muss man noch bedenken, dass rund die Hälfte aller User Twitter indirekt nutzen und nicht direkt auf die Seite gehen, was Compete wohl so nicht erfassen kann. Also müssten wir von mind. 2 Mio Personen und 12 Mio Visits ausgehen. Dennoch, das ist eine exorbitant schlechte Quote, vergleicht man das bspw. mit den Daten von SchülerVZ+StudiVZ, wo rund 8 Mio User ungefähr 300 Mio Visits generiert haben. Die Quote Visits/User beträgt dort 37:1 vs. Twitters 6er Quote. Zugegeben, es ist schwierig, ein Social Network mit einem Dialogwerkzeug wie Twitter zu vergleichen. Es dient mir lediglich als Anhaltpunkt, wie intensiv sich User mit einem Werkzeug beschäftigen. Allzu hoch erscheint das also nicht zu sein. Zumal wir hier von Durchschnittsdaten ausgehen und eine typische power-law-Verteilung bei der Nutzungsintensität vorliegen dürfte (wenige generieren überproportional viel Aktivität), so dass auch bei Twitter nur wenige User das Werkzeug spürbar intensiv nutzen.

Da Twitter ungefähr seit November 06 erstmalig im Netz etwas bekannter wurde und bis Ende 2007 so gut wie jeder Blogger davon mitbekommen haben dürfte, finde ich die Nutzungszahlen recht schwach. Die User-Entwicklung von Plattformen wie Friendster, MySpace oder Facebook war da weitaus dramatischer. Ein Blick auf Alexa spuckt aus, dass Twitter in den USA den Trafficank 850 einnimmt. Und es ist durchaus berechtigt, was den Buzz angeht, Twitter mit Facebook zu vergleichen, denn Facebook genießt seit ungefähr Mitte 2006 eine immense Awareness in der Internetsphäre, aber auch in den Medien:

Der Unterschied ist recht extrem, oder?

Also? Ist Twitter doch auf einem guten Weg oder zeigt es sich, dass Twitter gegen Chat-Systeme einfach nicht anstinken kann? Denn nach wie vor ist Chat mit Abstand -neben eMail- das beliebteste Kommunikationswerkzeug schlechthin. Aber auch ein sehr altes und reifes Tool. Und es dürfte für keinen einzigen Chat-Anbieter ein echtes Problem darstellen, Funktionen wie Permalinking, Six Degress und RSS-Feeds einzubauen, wenn denn die User vermehrt danach schreien würden. Und wenn es um verschiedene Nutzungswege geht, ist das schon lange kein Thema mehr (zB Jabber).

Gut, jetzt könnte man ja sagen, Twitter sei momentan eben ein Tool für die frühen Jungs, die innovators/early adopters. Wenn wir annehmen, dass die rund 10% der Internetbevölkerung ausmachen und weiterhin annehmen, dass Twitter mehr ein Ding für die westliche Hemisphäre sei und das zudem auf Europa und Nordamerika beschränken, so macht das fast 60 Mio neugierige User aus [(Europa = 350 Mio + Nordamerika = 240 Mio)/10]. Und Twitter erreicht 1/60-2/60 von dieser Gruppe, wenn denn all diese Twitter-Nutzer innovators/early adopters seien. Das sind 2%-3%. Das ist gar nix!

*warum 0,5: 1 Visit = ein aktiver User innerhalb einer halben Stunde


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

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