Sonstiges

Google muss Kunden ans Messer liefern?

im Rechtsfall Viacom gegen Google (die wegen Urheberrechtsverletzungen auf YouTube Google auf 1 Mrd. USD verklagt haben) bewegt der jüngste Richterentscheid die Gemüter: Google muss die gesamten Aktionsprotokolle der User rausrücken, die auf YouTube Videos hochgeladen haben, welche sie sich angeschaut haben und welche Videos Google gelöscht hat. Viacom darf allerdings nur die Daten verwenden, die rechtlich gesehen das Eigentum von Viacom betreffen (ihre Videos eben). Und nicht etwa als Generalschlüssel für alles und nix. Ich gehe nicht davon aus, dass die User dafür bluten müssen -wie man es im Netz an vielen Orten lesen kann-, sondern Viacom möchte wohl gerne den Beweis antreten, dass Google wissentlich und bewusst gegen das Hosting dieser Videos nichts unternommen hat, im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Damit am Ende Google seine Milliarde an Viacom überweisen darf. Denn darum geht es ja, nicht um die User, da kann bei Weitem nicht so viel rausholen, wozu auch, wenn Googles Schatztruhe weitaus mehr Goldmünzen rauszuholen verspricht. So oder so ist die Sache ziemlich unangenehm für Google, aber natürlich auch für die User selbst. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Google den Richterspruch einfach so akzeptieren wird, da wird noch viel Wasser den Hudson River runterfließen. Und wenn das durchgeht, wird das all die Anbieter durchschütteln, die ebenfalls mit user generated content arbeiten. Die Kunden als User sowieso. Es wird dann spannend zu beobachten sein, wie sich das auf die Useraktivität auswirken wird.

Update: Viacom hat sich zu Wort gemeldet und klargestellt, dass man die User nicht verfolgen will. Es geht also alleine um die Beweisführung, dass Google Mist gebaut hat und zahlen soll. Danke, Bernhard.


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

8 Kommentare

  • Ich glaub ich hab grad ein Napster Dejavue.

    Ich denke schon, dass Viacom sich auch Geld von den usern holen will. Gar nicht mal des Geldes wegen sondern rein um Zeichen zu setzen.

  • Nicht davon auszugehen, dass das einer Prüfung standhalten würde – das verstößt ziemlich sicher gegen Privatsphäre-Gesetze, die es auch in den USA gibt. 🙂

    Die nächste Instanz wird das Urteil korrigieren, Google wird vielleicht für bestimmte Videos Zahlen liefern müssen, aber sicher nicht alles, schon gar nicht die Daten der BenutzerInnen.

  • Der Machinist schreibt, daß ein Viacom Rep sich gemeldet hat und beteuert, daß nur externe Anwälte und das Gericht die Logs sehen werden und das sie – möglicherweise – sogar anonymisiert werden sollen.

    http://machinist.salon.com/blog/2008/07/03/youtube_privacy/index.html

    „Under this agreement, no one at Viacom will get to see these YouTube logs — only Viacom’s outside lawyers and experts, as well as court personnel, will have access to the data. The agreement also restricts the data to this case alone, which would seem to prevent the company from using the logs to sue users individually.

    Die Entwicklung genauer zu beobachten scheint spannend zu werden.

  • Na ich will doch stark hoffen, dass die User nicht zur Kasse gebeten werden! Habe mir gerade mit Muehe so etwas wie eine Mikroexistenz im Bloggerkosmos aufgebaut und nutze YouTube-Videos und-links schonmal, um meine Seite etwas aufzupeppen (und – ich gebe es zu – manchmal zu kaschieren, dass mir nicht viel Sinnvolles einfaellt :-)).

  • Weil Viacom selbst nichts auf die Reihe bekommt und eigene Videos nicht vermarkten kann (den Namen hab ich vorher nie gehört), zapfen sie jetzt die Quelle Google an. Ist ja auch einfacher.

  • @Joshi: Viacom gehören MTV, Comedy Central und Nick. Allerdings finde ich es auch verwerflich wie sie mit dem Phänomen Youtube umgehen. Anstatt das Videportal als weitere Publikationsform zu benutzen um sich zu promoten, wollen sie verklagen. Lächerlich, wenn man sich an sieht, dass die NBA zum Beispiel einen eigenen Youtube Channel vor einiger Zeit gestartet hat.

    Das sind alles Dinge, die immer absurder werden. Beispielsweise hat die UEFA streng kontrolliert damit auch ja kein Schnipsel eines Fußballspiels im Internet auftaucht.

  • @blickblog, ah ok wieder was gelernt. Entweder ist es ne clevere Strategie, weil sie somit von Google Geld erpressen und zusätzlich noch umsonst Werbung bekommen, oder ein weiteres Zeichen, dass die Musik/Film Industrie immer noch nicht das Potential vom Internet erkannt hat. Anstatt mit ihren Produkten von selbst dahin zu gehen wo sich die User aufhalten, um diese für sich zu gewinnen, schottet man sich ab und bietet als einzigste Anlaufstelle die eigene Webseite + Onlineshop.

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