kurze Gedanken zum Krieg in Georgien

Robert Basic

ich denke nicht, dass ich einer Seite die Schuld geben möchte, die Sache der anderen Seite in Schutz nehmen will. Einer übergreifenden Schuldzuschieberei á la „die haben doch und deswegen…“ habe ich angesichts menschlicher Opfer noch nie etwas abgewinnen können. Natürlich hat der Militärapparatschik der Georgier Gewalt angewendet. Natürlich haben die Russen von den Plänen der Georgier vorher gewusst, auf die Gelegenheit gewartet und dann zugeschlagen, als die Georgier in die Falle gelaufen sind. Machtpolitik as usual seit tausenden von Jahren auf dem Rücken von Menschen.

Was mich eher juckt: Wer steckt die Putins, Medvedevs und Saakaschwilis in den Knast, nachdem sich der Rauch gelegt hat? Wer erhebt Anklage gegen die Spitzenverantwortlichen im Staat, nicht alles getan zu haben, um Menschenleben zu schonen? Wer wird die Soldaten verfolgen und vor Gericht bringen, die womöglich Zivilisten verletzt oder gar ermordet haben? Jeder Mörder wir gesellschaftlich gebrandmarkt, aber nur nicht im Krieg. Jeder Mensch, der in einem zivilisierten Staat einem anderen schadet, muss sich vor Gericht verantworten. Ausnahmslos. Als gälte dieser Grundsatz auf einmal nicht mehr, weil Krieg eben Krieg ist. Wie schnell wird einem Polizisten ein Verfahren an den Hals gehängt, wenn er die Waffe gegen eine Person gerichtet und geschossen hat? Soldaten nicht? Wieso, sind das Ubermenschen außerhalb des Gesetzes? Setzt Krieg Gesetze außer Kraft? Muss sich der Einzelne etwa nicht verantworten? Muss er erst 1000 Menschen in ein KZ stecken und umbringen, um auf die Anklagebank zu kommen? Welcher Soldat meldet, auf wen er welche Kugel wo abgefeuert hat? Warum nicht? Weil wir Tiere oder Menschen sind?

Sollte Stalins Zitat tatsächlich wahr sein? „Der Tod eines einzelnen Mannes ist eine Tragödie, aber der Tod von Millionen nur eine Statistik„?

Was mich aber meisten frustet, wird nicht die erneute Tatsache sein, dass die verantwortlichen Schweine (anders kann ich es nicht sagen, sorry) davonkommen, die Menschenleben auf dem Gewissen haben, sondern die Tatsache, dass man den Tod auf beiden Seiten nicht betrauern wird. Welche Mutter in Russland wird den Tod eines georgischen Sohnes betrauern? Und welche Mutter in Georgien wird das für russische Söhne tun? Keine? Nahezu keine? Welcher Repräsentant seines Volkes wird sich beim anderen Volk für das Schicksal der Verstorbenen entschuldigen? Wann wird jemals ein Kroate vor einem Serben das Knie beugen? Wann umgekehrt? Wann wird das ein Amerikaner vor einem Iraker tun? Wann umgekehrt? Willy Brandt hats getan und damit einen Hoffnungsschimmer aufgezeigt. Aber Brandt war eine spezielle Person. Wie kann man stolz auf seine Geschichte und sein Land sein, wenn man militärische Gewalt hinnimmt? Ist das die Nächstenliebe, die man Menschen seit der Idee des Christentums und des Islam einzuimpfen versucht?

UPDATE Newsletter BASIC thinking

Du willst nicht abgehängt werden, wenn es um KI, Green Tech und die Tech-Themen von Morgen geht? Über 12.000 Vordenker bekommen jeden Tag die wichtigsten News direkt in die Inbox und sichern sich ihren Vorsprung.

Nur für kurze Zeit: Anmelden und mit etwas Glück 50€ Amazon-Guthaben gewinnen!

Mit deiner Anmeldung bestätigst du unsere Datenschutzerklärung. Beim Gewinnspiel gelten die AGB.

Dieses gesellschaftliche Verhalten, Kriege als gegeben hinzunehmen und das Geschehene einfach so zu übergehen, ist völlig inakzeptabel für mich. Wann werden die Schafe eines Tages wie ein Mann aufstehen und Nein zu einem drohenden Krieg sagen? Der bloße Gedanke an einen Krieg als Alternative muss gesellschaftlich gesehen schlimmer als ein geplanter Kindermord erscheinen. Tut es aber nicht. Dass wir zugleich Wölfe sind, mag sein und ist auch richtig. Das heißt aber noch lange nicht, dass dies hinzunehmen ist. Wenn wir die Repräsentanten eines Staates nicht zwingen, stellvertretend für alle Bürger eines Landes bedauernde Worte gegenüber dem „gefallenem Feind“ zu äußern und das Knie zu beugen, ist das Land verdammt, gesamtheitlich ein Verbrechen begangen zu haben. Das wird niemals in Russland passieren, auch nicht in anderen Ländern. Niemals?

Mich werden wohl diese merkwürdigen Diskrepanzen im gesellschaftlichen Moralgefüge aller Kulturen dieser Welt nie loslassen. Man regt sich mehr über die Busenippel einer Jackson auf denn über den erneuten Tod eines Kindes im Irak. Man regt sich mehr über Serienmörder denn über den andauernden Tod in irgendeinem Kriegsgebiet auf.

Ich weiß, dass ich ins Wasser furze, wir sind so, wie wir sind. Karma:)

Du möchtest nicht abgehängt werden, wenn es um KI, Green Tech und die Tech-Themen von Morgen geht? Über 12.000 smarte Leser bekommen jeden Tag UPDATE, unser Tech-Briefing mit den wichtigsten News des Tages – und sichern sich damit ihren Vorsprung. Hier kannst du dich kostenlos anmelden.

STELLENANZEIGEN
Openstack Engineer (m/f/d)
CompuGroup Medical SE & Co. KGaA in Koblenz
Praktikum Social Media Marketing und PR
Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG in Waldenburg
Online Marketing Specialist (m/w/d)
Andreas Hettich GmbH in Tuttlingen
Werkstudent Influencer & Content Creator ...
Synformulas GmbH in Gräfelfing
Senior Marketing Consultant – Digital M...
SYZYGY Performance Marketing GmbH in Hamburg, München
Social Media Manager/in (m/w/d)
Lappe Schrap GbR HLS-Werbung in Neuburg
Marketing Manager (m/w/d) – Schwerpunkt Socia...
GO! Express & Logistics Deutschland GmbH in Bonn
Social Media Manager International (m/w/d)
Vitakraft pet care GmbH & Co. KG in Bremen
Teile diesen Artikel
Folgen:
Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.