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Basic Sunday: Die Zensur und ihre möglichen Auswirkungen

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01. Januar 2008: Das „Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen“ – kurz Vorratsdatenspeicherung genannt – tritt in Kraft. Zum Zweck der Strafverfolgung werden ab diesem Zeitpunkt Telekommunikationsanbieter und Internetprovider verpflichtet, die Verkehrsdaten jeglicher Telekommunikation für sechs Monate „auf Vorrat“ zu speichern. Telefonverbindungen, Internet-Verbindungsdaten, E-Mail-Details, IP-Adressen und viele weitere Informationen werden ab diesem Zeitpunkt auf Dauer gespeichert und für die Behörden bereit gehalten.

18. Juni 2009: Durch einen Vorstoß der Familienministerin Ursula von der Leyen gerät das Thema Kinderpornografie immer mehr in den Vordergrund. Durch eine groß angelegte Informationskampagne rückt das Internet in das Zentrum des Interesses. Ein Stoppschild soll künftig vor strafrechtlich relevanten Seiten geschaltet werden, um den Zugriff auf diese Inhalte zu verhindern. Alle Daten von Personen, die aus welchem Grund auch immer auf diesen Seiten landen, werden gespeichert. In der aktuellen Fassung bleibt ein Zugriff auf diese Seiten strafrechtlich folgenlos. Die Daten dieser Nutzer werden nicht an das Bundeskriminalamt (BKA) weitergeleitet. Durch die Sperre soll der Zugriff auf diese Seiten verhindert werden. Den großen Volksparteien gelingt es innerhalb kürzester Zeit, einen Großteil der Bevölkerung hinter sich zu vereinigen. Mit den Stimmen von CDU und SPD wird das „Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornografischen Inhalten in Kommunikationsnetzen“ an diesem Tag schließlich genehmigt. 389 Abgeordnete stimmen für das Gesetz. 128 Parlamentarier stimmen dagegen, 18 enthalten sich.

15. September 2009: Der massive Wahlkampf im Vorfeld der Bundestagswahlen 2009 ist der härteste, der in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in den Medien ausgefochten wird. Zwar unterscheiden sich die Wahlversprechen nicht sonderlich von den Positionen der jeweiligen Parteien in der Vergangenheit, allerdings werden mehr und mehr grundlegende Rechte in diese Wahlversprechen mit eingebunden: Schutz vor Gewalt, Schutz vor Missbrauch, Schutz von Kindern, mehr Kontrolle über das Internet. Zwar finden auch die Kritiker in der Gesellschaft mehr Gehör und vereinzelte Politiker treten aus ihren Parteien aus, um sich dieser groß angelegten „Lügenkampagne“ nicht anzuschließen, werden jedoch von den großen Parteien weiterhin als Unterstützer von kriminellen Vereinigungen gebrandmarkt. Niemand habe vor, die neuen Medien einzugrenzen und für andere Zwecke zu missbrauchen.

27. September 2009: Die Wahlbeteiligung der diesjährigen Bundestagswahlen ist auf einen historischen Tiefstwert gesunken. Knapp unter 70% aller Wahlbeteiligten haben von ihrem verbrieften Recht Gebrauch gemacht und ihre Stimme abgegeben. Wie erwartet, haben die großen Volksparteien wieder die meisten Stimmen erhalten. Allerdings gab es Verluste zugunsten der kleineren Parteien. Grüne, FDP und Linke können Wahlgewinne verbuchen. Die Piratenpartei konnte ein historisch wichtiges Ergebnis erringen und schafft es mit ihren 2,7% zwar nicht in den Bundestag, hat aber aus dem Stand heraus bundesweiten Bekanntheitsgrad erreicht. Kurz nach der Wahl treten mehr und mehr Menschen in die kleineren Parteien ein.

10. Oktober 2009: Nach intensiver Beratung einigen sich SPD und CDU/CSU zur erneuten Bildung einer großen Koalition.

27. November 2009: In Remscheid findet ein Amoklauf eines Schülers statt. Er erschießt fünf Schülerinnen und Schüler, bevor er schließlich selber von der Polizei gerichtet wird. Die Ermittlungen ergeben, dass er sich mit „Killerspielen“ beschäftigt hat und in großen Mengen Musikstücke und Filme aus dem Internet geladen hat. In einer Eilsitzung trifft sich die große Koalition und beratschlagt die Maßnahmen, die nun getroffen werden müssen.

28. November 2009: Um zwei Uhr morgens treten die Vertreter der großen Koalition vor die Presse und verkünden einen Gesetzesvorschlag zum Verbot von „Killerspielen“ in Deutschland. Sämtliche Spiele, die den Angriff, die Verletzung oder Verleumdung von Menschen zum Sinn haben, sollen verboten werden.

20. Dezember 2009: Die Musik- und Filmindustrie startet die größte Kampagne gegen Raubkopierer in Deutschland, die je stattgefunden hat. Im Zuge dessen finden deutschlandweit Informationsaktionen statt, die schnell den größten Teil der Bevölkerung hinter sich vereinigen.

15. Januar 2010: Die große Koalition beschließt Internetsperren gegen Personen, die sich illegal Musik und Filme aus dem Internet beschaffen. Das neue Gesetz wurde in Rekordzeit entwickelt. Große Teile des Gesetzes beinhalten Vorlagen aus Frankreich. Neben kleineren Änderungen wurde die Sperrzeit verkürzt. Statt wie in Frankreich beim dritten, soll in Deutschland die Sperrung ab dem ersten Verstoß gelten.

25. Januar 2010: Das „Gesetz zum Schutz vor gewaltfördernden Medien sowie zur Regulierung des Urheberrechts“ tritt ab sofort in Kraft.

2. Februar 2010: Innerhalb der ersten Woche werden 957 Internetanschlüsse deutscher Bürgerinnen und Bürger gesperrt und Strafverfahren eingeleitet. Die Parteien FDP, Grüne, Linke und Piratenpartei verzeichnen einen massiven Mitgliederansturm. Zwei Demonstrationen gegen die Politik der großen Koalition eskalieren. Die Polizei löst die Versammlungen gewaltsam auf. Zahlreiche Beamte werden verletzt, 14 Demonstranten festgenommen.

18. Februar 2010: Die Piratenpartei wird durch den Verfassungsschutz beobachtet.

02. März 2010: Das „Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornografischen Inhalten in Kommunikationsnetzen“ wird in einer verschärften Fassung verabschiedet. Ab sofort werden sämtliche Zugriffe auf die gesperrten Seiten protokolliert und umgehend an das BKA weitergeleitet.

13. März 2010: Bei einer Hausdurchsuchung werden in den Zentralen der Grünen und der Piratenpartei als illegal eingestufte Inhalte gefunden. Kopierte Filme, heruntergeladene Spiele und verfassungsfeindliches Material belasten die Parteien schwer. Obwohl die Mitglieder beteuern, es habe sich nur um Recherchen gehandelt, wird eine öffentliche Hetzkampagne gegen die Parteien gestartet.

24. März 2010: Durch einen Aufruf im Internet findet ein massenweiser Hack von Parteirechnern statt. Auf zahlreichen Computern der großen Parteien findet man urheberrechtlich geschütztes Material. Zusätzlich werden auf Leitungsebene brisante Dokumente auf Wikileaks veröffentlicht, die belegen, dass zahlreiche ranghohe Politiker sich von der Industrie haben kaufen lassen.

28. März 2010: Eilantrag der großen Koalition. Wikileaks wird gesperrt.

14. April 2010: Aufgrund haufenweiser Proteste und der immer größeren Demonstrationen wird ein generelles Versammlungs- und Demonstrationsverbot erlassen. Die Aktionen gehen jedoch weiter und werden zu Anfang von der Polizei aufgelöst. Zahlreiche Menschen werden festgenommen.

21. April 2010: Das BKA veröffentlicht ihre Zahlen. Laut der offiziellen Pressemitteilung habe es seit Inkrafttreten des Gesetzes zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornografischen Inhalten in Kommunikationsnetzen rund 1721 Ermittlungen gegeben, die zu umfangreichen Untersuchungen geführt haben. 768 Wohnungen wurden durchsucht und zahlreiche Bürger vorübergehend festgenommen. Die Ermittlungen gegen einen Großteil der Verdächtigen wurden jedoch eingestellt nachdem sich herausgestellt hat, dass die protokollierten Dateien der Server aufgrund eines Programmierfehlers mit falschen Daten bestückt waren.

29. April 2010: Rund 5.000 Menschen demonstrieren unangemeldet am Brandenburger Tor. Die Polizei rückt an, greift jedoch nicht ein. Mehr und mehr Menschen in anderen Städten schließen sich diesen Demonstrationen an. Geschlossen fordern sie Neuwahlen.

01. Mai 2010: Der Bundesinnenminister tritt zurück. Ihm folgen der oberste Verfassungsrichter sowie zwei enge Berater der Bundeskanzlerin. Zuvor war bekannt geworden, dass diese Personen verfassungsfeindliche Intentionen hatten und dem Staat ihrer Rechtsstaatlichkeit berauben wollten. Immense Geldbeträge wurden auf diversen Konten gefunden. Wie weitere Ermittlungen ergeben, stammen Großteile davon aus der Medienindustrie und Herstellern von Überwachungssystemen.

15. Mai 2010: Die große Koalition hat ein Einsehen. Die erlassenen Gesetze werden jedoch nicht zurückgenommen. Stattdessen gibt es Neuwahlen.

26. September 2010: Vorgezogene Bundestagswahlen. Die Wahlbeteiligung liegt bei 72%. Der Gewinner ist… die große Koalition. Im Gegensatz zu den vorherigen Wahlen haben sie jeweils 2% (SPD) und 4% (CDU) verloren. Dennoch stellen sie noch immer die stärkste Gruppierung. Die Piratenpartei verpasst erneut den Sprung ins Parlament. Mit 3,7% bleibt sie hinter den Erwartungen zurück. Resignation und Zurückhaltung bestimmen das Bild der Bevölkerung. Keine Demonstrationen, keine Kritik. Die Menschen leben ihr Leben und überlassen es den Vordenkern und Intellektuellen, Protest auszuüben. Die große Welle ist vorüber… die Schlacht… sie wurde verloren.

Ist das unsere Zukunft? Wahrscheinlich nicht. Und doch sieht es so aus, als ob einige Teile meiner Geschichte gar nicht so abwegig wirken. Ob unsere Zukunft weiterhin von Menschen bestimmt wird, die noch nie im Internet waren und sich vor den neuen Medien fürchten wie der Teufel das Weihwasser bestimmt jeder einzelne von euch. Eure Stimme ist nicht egal, eure Meinung ist wichtig. Meldet euch zu Wort und gestaltet die politische Landschaft in Deutschland mit. Jeder auf seine Weise. Und mit jeder einzelnen Stimme, die zeigt, dass genau diese fiktive Zukunft nicht Realität werden darf, erhöht ihr die Chance, dass sich etwas ändert. Ich reiche euch die Hand und bin dabei… ihr auch?

(Alper Iseri / meetinx.de)


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Dieses Posting wurde von einem Blogger geschrieben, der nicht mehr für BASIC thinking aktiv ist.

38 Kommentare

  • 02. März 2010: Das “Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornografischen Inhalten in Kommunikationsnetzen” wird in einer verschärften Fassung verabschiedet. Ab sofort werden sämtliche Zugriffe auf die gesperrten Seiten protokolliert und umgehend an das BKA weitergeleitet.

    Das braucht nicht so lange. Wer an dem Stopschild landet, dessen Daten werden ans BKA weitergeleitet, das ist geplant und wird da das Gesetz verabschiedet ist, kommen.
    Das ist ja ein Punkt den die wenigsten verstehen. Auch wenn ich nur durch Unfall oder Zufall auf eine gesperrte Seite komme, werden meine Daten weitergegeben und ich gerate ins Interesse der Gesetzeshüter, denn die müssen hier untersuchen, sie sind dazu verpflichtet. Genauso wie ein Streifenpolizist bei der Verkehrskontrolle bei Verdacht eine Kontrolle durchführen muss (Ja, ich habe ein Glas Bier vor 4 Stunden getrunken->Verdacht->Kontrolle) erfolgt die Kontrolle bei Besuch einer gesperrten Seite. Es werden unglaublich viele durchs Raster fallen, Journalisten werden es wohl als erste Berufsgruppe merken, wenn Recherche gefährlich wird, und das in der BRD.

  • Verdammte Dystopie? Vieles erscheint zu wahrscheinlich, als das man den Ausblick hinnehmen kann ohne sich Sorgen zu machen. BTW: Falls irgendwas in Remscheid passiert, dann wird Basic Thinking wohl vom Staatsschutz beobachtet und dann auch gleich gesperrt werden. So schaut Internet-Logik für Politiker aus.

  • ab dem 01. mai 2010 (tag der arbeit?) wird die geschichte unrealistisch. sehr fiktiv, dass da jem. zurücktreten sollte.

    den rest kann ich mir genau so vorstellen.
    ebenfalls, dass die proteste dagegen sehr verhalten und nur vereinzelt sein werden.
    die politik lebt in der analogen welt. was im internet diskutiert, geschrieben oder gezeigt wird, bekommt sie nicht/kaum mit.
    fernsehnachrichten, gedruckte zeitungen, lobby-gespräche, parlamentarische abende und dergleichen: in dieser informationswelt leben die alten herrschaften.

    und ihr hier seid grösstenteils über 18. könntet also alle am 27. sept. wählen.

    wenn es gelingt, die wahlberechtigten jungwähler über das internet zu mobilisieren, wäre das sicher ein großer anteil derer, die sonst nicht wählen gingen. ob sie spd oder union wählen würden?

    obama-wahlkampf für wahlen ohne kanditaten 🙂

  • Hi, ja ich habe mir auch vor längerer Zeit ein paar Gedanken zu ungefähr dem Thema gemacht…

    „Auf einer Steilstrasse passiert mal wieder ein schwerer Autounfall und eine Familie von zwei Erwachsenen und zwei kleinen Kindern wird angefahren von einem Auto, welches mit ¨berhöter Geschwindigkeit gefahren ist.

    Das Auto der Familie ist noch auf der Strasse geblieben aber der Wagen des Mannes, welcher den Unfall verursacht hatte durchbrach die Begrenzung der Strasse und schoss den sanften Hügel hinunter, bis er an einem Baum zu stehen kam. Man ruft sofort den Notarzt und ein Rettungsteam welches helfen soll. Sie sind alle mit der modernsten Kommunikationstechnologie ausgerüstet um zu helfen. Fazit dieses Autounfalls: Die junge Familie wird mit einem Schock nur leicht verletzt geborgen und sofort in das nähste Krankenhaus gefahren. Innerhalb von drei Tagen sind alle wieder gesund, und auf ihren Beinen.

    Der Unfallverursacher stirbt noch im Laufe der nähsten Stunde an inneren Blutungen und einer tiefen Wunde an der Schläfe. Warum??? Weil die Äzte, welche mit der Kommunikationstechnologie ausgerüstet waren, ein Blick in die stets aktualisierten Akten der Unfallbeteiligten geworfen hatten und dabei feststellten das die Familie schnellstens zu retten war. Sie hatte sich unter anderem nie etwas zu schulden kommen lassen und ein Teil war ein führendes Mitglied einer Partei und hatte Einfluss.

    Ein ganz anderer Fall war aber der Mann, welcher diesen Unfall schuldhaft verursacht hatte. Er war ein ganz und gar „subversives Element“, welches mit Drogen handelte, mehrmals im Gefägnis gesessen hatte und sogar vor Vergewaltigung nicht zurückschreckte. Also entledigte man sich seiner einfach durch unterlassene Hilfeleistung, da er sowieso kein Geld [Das Auto war natürlich gestohlen] hatte um die Behandlung bezahlen zu können, fand man das dies das beste Mittel sei.

    Falls dieser Autofahrer auch alle diese Taten getan hatte, so war es schon verwerflich genug in den Augen der Menschenrechte! Aber durch einen sehr unglücklichen Zufall war der Mann in dem Auto gar nicht derselbe, zu dem diese „schwarze“ Akte passte. Es war einfach ein Hack der Staatsbürger-Identitätsakten durchgeführt worden, etwa so wie ein Kreditkarten-Hack! So hatte der Autofahrer nicht einmal bemerkt wie seine Identität an einen anderen gewandert war und mit keiner Chance auf Verteidigung übernahm man die „legislative, judikative, und exekutive“ in einem. Man handelte nach dem Recht des Stäkeren, entschied und führte es aus.

    Das war ein realitätsnahes Beispiel der Data-Warehousing Möglichkeiten in naher Zukunft.“

    Daher die FRAGE: Sind die Gesellschaften REIF für das Internet?

    Schönen Sonntag,
    AndreasP

  • Ich war anfangs ein wenig verwundert, bis ich dann verstanden habe, was du eigentlich beabsichtigt hast. Also ich sehe das im Grunde genauso wie du. Meiner Meinung nach wäre ein frischer Wind in Hinblick auf junge, internetaffine Menschen in der Politik bitter notwendig. Zensur ist doch nur ein Mittel zum Zweck, die Ursachen bzw. Wurzeln liegen doch in unserer Gesellschaft. Insbesondere heutzutage sollte doch klar sein, dass man durch Zensur dem eigentlichen Problem nur aus dem Weg geht, stattdessen es zu bekämpfen.

    Kinderpornografie ist meiner Meinung nach eine Akte für sich. Ich befürworte hier sogar eine „Zensur“. In Hinblick auf die Killerspiel-Debatte bin ich der Auffassung, dass die Politik hier gänzlich wenig Erfahrung hat und sich auf irgendwelche vollkommen abwegige Faktoren fixiert.

    Amokläufe sind doch nicht entstanden, weil auf einmal die Killerspiele da waren. Nein, sobald „Amokläufe“ zum festen Bestandteil der Fernsehmedien werden, so werden potenziell Gefährdete diesen Weg einschlagen. Die Medien sollten also zunehmend eine sozialisierende Rolle einnehmen und nicht andauernd auf den xten Quotenfang gehen.

  • @ 8

    Sehr interessantes Beispiel.
    Es ist schon erstaunlich wie die Politiker uns ihren Willen aufzwingen, mH eines Mediums welches sie nicht verstehen. Jedenfalls nicht in der Art und Weise wie wir es tun.

    Ich bin gespannt auf die Zukunft Deutschlands, bin jedoch nicht direkt davon betroffen. ( lu )

  • […] Vier Tag sind seit der Verabschiedung des Gesetzes zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornografischen Inhalten in Kommunikationsnetzen Internetzensur vergangen. Alper Iseri hat sich die Mühe gemacht, und ein mögliches Zukunftsszenario niedergeschrieben. Hierbei geht es um weiterreichende Sperrungen, die Wahl im Herbst aber auch um die Eskalation zwischen Gegnern und Befürwortern der “Zensur”. Wir alle dürften hoffen, dass sich seine Prophezeiungen nicht bewahrheiten.  Den Artikel findet ihr bei basicthinking.de. […]

  • Um den Realismusgrad zu steigern würde ich mal von ner FDP/CDU/CSU Regierung ausgehn nach der Wahl – großartig was ändern würd das aber zugegebenermaßen auch nix. 😉

  • Das ist ja noch fast ein Happy End, es wird wahrscheinlich noch viel schlimmer kommen.
    Ich finde es jedoch etwas unrealistisch, dass das ganze innerhalb eines Jahres passiert… Mindestens 1,5 Jahre, Politiker sind immer langsam.
    Und ich glaube kaum, dass unsere machthungrigen Politiker freiwillig auf ihre Ämter verzichten werden, die werden niemals freiwillig gehen.

  • Nette Vision, die nah an der Realität sein könnte.
    Vermutlich werden wirklich große Demos aber auch nächstes Jahr ausbleiben. Dazu gibt es in Deutschland einfach zu wenige internetaffine Menschen, die dafür dann auch auf die Straße gehen.

  • Interessantes Zukunfstszenarium, aber ich denke nicht, dass es jemals so extrem werden würde.
    Leider müssen Gesetze her, um den Frieden zu bewahren und den Bürger zu schützen. Um das System zu schützen, und im Moment ist dieses System in Ordnung (niemand wird auf der Straße gelassen, jeder hat die Chance etwas zu essen zu bekommen, zu lernen, in Sicherheit zu schlafen, medizinische Versorgung zu erhalten, alte Menschen werden nicht alleine gelassen etc. – in anderen Ländern sieht es ganz ganz anders aus – und um dieses System hier aufrecht zu erhalten, muss es geschützt werden).
    Das Problem ist immer, viele denken die Regierung ist böse und will den Bürger die Rechte klauen etc., doch das ist nicht so. Es gibt sehr viele Leute und Institutionen, die da sehr aufpassen und für das Wohl und die Würde des Menschen arbeiten.

    Ich finde das neue Gesetz richtig und gut, ein wichtiger Schritt gegen die Kinderpornografie.
    Die Piratenpartei würde ich nicht wählen, denn sie ist sozuagen eine Partei, die die Ampeln abschaffen wollen. Und was würde passieren, wenn man die Ampeln von den Straßen wegschaffen würden und jeden Menschen selbst überlassen würde, wie er fahren soll oder die Straße überqueren soll? Dann würde es Chaos herrschen, Menschen überfahren werden, Autounfälle nonstop etc.
    Wenn man die Denkweise der Piratenpartei umdreht (also, die gehen ja davon aus das dies der Anfang von totaler Staatskontrolle ist – Staatskontrolle gibt es aber seit es die Verfassung, Steuern und Personalausweise gibt – ), dann kann es so es aussehen:
    Piratenpartei setzt sich durch. Gewinnt Wahlen. Sie setzen das Urheberrecht ausser Kraft. Drogen werden legalisiert. Jeder ist für sich selbst verantwortlich… Bundeswehr abgeschafft. Polizei abgeschafft etc.
    Aber ist das das Ziel der Piratenpartei? Nein, genauso wenig ist es das Ziel der Regierung die Menschen unter totaler Meinungs/Handlungs Kontrolle zu setzen.
    So naiv ist das Leben und die Politik nicht.

    Ich sehe in der Piratenpartei eine größere Gefahr, die Bürger zu manipulieren und zu kontrollieren, als durch das neue Gesetz der Regierung. Denk man kann leicht die Piratenpartei Mitglieder für sich gewinnen, das wissen viele Politiker und Machtmenschen, wie z.B. Herr Tauss, deswegen wollen sie in die Piratenpartei, weil sie wissen, diese Partei ist eine populäre Partei, die schnell aktiv wird etc.
    Und solche Parteien sind sehr gefährlich, wie uns die Geschichte Deutschlands beigebracht hat…

  • @Millus: Es mag Dich wundern, aber die EU investiert gerade erhebliche Millionenbeträge in Projekte, wo der Verkehr ohne Ampeln und ohne Verkehrszeichen funktioniert. Einen Bericht kannst Du z.B. hier: http://www.n-tv.de/panorama/dossier/Strassenverkehr-ohne-Schilder-article297463.html finden. Bisher sind die Ergebnisse meiner Kenntnis nach überaus positiv, insbesondere gehen die Unfälle wohl zurück.

    Im Internet haben wahrscheinlich alle, die schon etwas länger dabei sind, ähnliche Erfahrungen gemacht. Auch ohne Staat fanden sich in Foren etc. Wege, um vernünftig miteinander umzugehen. Ein aktuelles Beispiel war z.B. die Aktion von Alvar Freude, KiPo Seiten per Abuse-Mail zu schließen. Was der Staat und das BKA nicht können, der vernünftige Bürger, der sich nicht nur hinsetzt und alle Verantwortung dem Staat delegieren will, kann mehr erreichen als der Staat.

    Man könnte daher sogar extrem anarchistische Positionen zum Netz einnehmen, aber es soll auch gleich gesagt sein, dass die Piratenpartei das gar nicht tut. Vielmehr geht es denen schon um einen tragfähigen Kompromiss für die gesamte Gesellschaft, wenn auch mit etwas anderen Gewichtungen.

  • Die Piratenpartei als Gefahr zu bezeichnen, finde ich schon etwas vermessen. Sie sind im Augenblick populär, weil die Politiker anderer Parteien, die sich in der Presse und vor dem Bundestag äußern, offensichtlich keinen blassen Dunst vom Geschehen und der Technik im Netz haben. Die Netzindianer fühlen sich missverstanden und verkannt, weshalb sie sich denjenigen zuwenden, von denen sie sich Verständnis erhoffen und bei denen sie Gleichgesinnte suchen. Allerdings beschäftigt sich im Augenblick nur ein kleiner Teil der Deutschen Bevölkerung mit dem Internet so sehr, dass sie die Probleme, die durch die Politik heraufbeschworen werden, überblicken können. Gefahr besteht in keinem Fall. Nächstes Jahr kann das nebenbei auch schon wieder alles Geschichte sein, Menschen vergessen schnell.

    Das Urheberrecht abschaffen zu wollen halte ich allerdings auch für ein falsches Signal. Jeder soll für seine Arbeit entlohnt werden, ob sie nun darin besteht Akten zu sortieren, Autos zu bauen oder künstlerische herzustellen. Aus diesem Grund kann ich auch die Angst vieler Künstler nachvollziehen, die ohnehin meist schon Existenzängste haben.

    Über das letzte Woche verabschiedete Gesetz brauchen wir nicht weiter diskutieren, die Argumente dagegen finden sich überall im Netz. Die Sperren sind Schwachsinn und dienen keinem einzigen Kind. Die Zweifel an den „wahren“ Gründen hinter den Sperren sind allein deshalb schon berechtigt.

  • Echt erschreckend wenn man einmal drüber nachdenkt wie es alles enden könnte. Also geht bitte wählen und lasst eure Meinung vertreten indem ihr die wählt die ihr auch wirklich für die richtigen haltet und nicht die, die nur nach Meinung der Wissenschaftlern eine chance haben in den Bundestag einzumaschieren. Wählt endlich die kleinen Partein, egal welche hauptsache ihr wählt!

  • Wir deutschen sind leider viel zu weich geworden wenn es darum geht, die eigenen Meinung zu sagen, zu kritisieren, Konflikte zu riskieren.
    Die Geschichte ist schon ganz gut: Ich befürchte, das es mit noch weniger Wiederstand über die Bühne gehen wird, allerdings auch in einem weiteren Zeitrahmen.
    Das Schleichende dabei ist das Gefährliche.
    Dadurch werden Bürger die etwas unternehmen wollen quasi zu einer (für die aktuelle Situation nicht angemessenen) Überreaktion gezwungen, die viele nicht verstehen, weil „es ja nun nicht wirklich so schlimm ist“. Leute OHNE Weitsicht können das nicht verstehen, und werden weiter den „Überwachungsparteien“ trauen, weil sie Angst vor den Aktionen der Aktiven haben, und diese nicht verstehen.

    Was hier passiert ist genau das Richtige und Notwendige:
    Die Information über diese Mißstände muss hochgehalten werden, sichtbar, fühlbar, anfassbar.
    Keiner sollte es jemals vergessen. Nur dann wird Veränderung mit einer breiten Basis möglich sein.

  • 9.1.2011
    Es wird bei Strafe verboten, Zahlen-Punkt-Kombinationen weiterzugeben, zu veröffentlichen oder sonstwie zugänglich zu machen.
    Besonders die bei Gymnasiasten beliebten T-Shirts mit Internetadressen werden verbannt. Bei Zuwiederhandlung erfolgt Schulverweis und Ausschluß von den Abi-Prüfungen. Schließlich kann unser Staat nicht dulden, daß Menschen, die mit unserem sozialen Menschenbild nicht übereinstimmen, auch noch auf unsere Kosten studieren.

  • Man kann nur hoffen daß die aktuelle Disskussion dazu führt daß sich auch Politiker etwas eingehender mit dem Internet befassen. Vielleicht war es gerade gut daß das Thema jetzt hochkocht und nicht erst in ein paar Jahren wenn das Internet immer mehr einzug in den Alltag hält.

  • Hey Alper,

    danke für deinen Basic Sunday Beitrag.
    Ich finde ihn zwar etwas überspitzt, aber der Fantasie darf und soll man ja schließlich ruhig einmal freien Lauf lassen.
    Etwas fand ich nicht so gut… die Passage mit dem Amoklauf. Der allein, wäre ja noch ok gewesen, doch hätte ich diesen nicht mit einem Stadtnamen verknüpft. Was wenn ein Irrer, eine Irre an diesem Tag nun wirklich dort einen Amoklauf hinlegt? Ich wüßte nicht, wie ich dann als Verfasser dieses Textes hier damit umgehen würde.
    Sonst aber gut, auch deine letzten Zeilen, da jede Stimme zählt.
    Für die, die Zeit haben… auf meiner Seite kann man seit geraumer Zeit auch bis zum 27.September abstimmen, welche Partei man wählt.
    Bin gespannt auf das Stimmungsbild, was sich dort bis dahin abzeichnen wird.
    Und ich bin wieder gespannt, was uns Alper nächsten Sonntag mal wieder hierhin zaubert.

    In fröhlicher Erwartung, Alex

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