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Jung von Matt zur Sixt-Kampagne: "Die Seitenzugriffe haben sich verdreifacht."

schmidt_sixtDieters Statement war ja damals mein Lieblingskommentar: „Dauerwerbung auf eurem Blog. Man was ist nur aus BT geworden.“ Was wohl niemand wusste: Wir hatten uns vorher ordentlich Gedanken darüber gemacht, wie – und ob überhaupt – wir die Story über „Super-Ingos“ Rückkehr veröffentlichen. Die Infos über die neue RWE-Kampagne, die nun in den Medien besprochen wird, fielen uns schon vor rund fünf Wochen durch einen… sagen wir… Zufall in die Hände. Während auf dem Blog uns noch einige Leute bezahlte und kaum kaschierte Werbe-Postings vorwarfen, schellte mein Telefon und ich hatte die Rechtsabteilung der ausführenden Agentur Jung von Matt am Ohr. Wie ihr am heutigen Zustand des Artikels seht, haben wir uns ganz gut geeinigt und die wichtigsten Informationen retten können. Übrigens – und das so ganz nebenbei für die Kritiker – seit dem Kauf im Januar wird Basic Thinking, abgesehen von drei, vier Test-Anzeigen, die auch als Anzeige gekennzeichnet sind, in keiner Form vermarktet.

Wie das Leben so spielt, haben wir in diesen Tagen erneut Kontakt zu Jung von Matt. Grund ist die jüngste Sixt-Werbeaktion, die im Fahrwasser der Dienstwagen-Affäre von Ulla Schmidt für allerlei Stimmung gesorgt hat und über die wir bekanntermaßen auch berichtet haben. „Na?“, hieß es daraufhin aus Hamburg. „Lust auf ein Interview?“ Das ließen wir uns nicht zwei Mal fragen und haben den Verantwortlichen für die Kampagne zu Wort gebeten. Lauscht im Folgenden den Worten von Sascha Hanke, dem Geschäftsführer Kreation von Jung von Matt (Elb-Filiale), der uns ein wenig über Sixt, Ulla Schmidt und unfreiwillige Testimonials erzählt:

Wie lange dauerte es von der Nachricht („Ulla Schmidts Dienstwagen wurde geklaut.“) bis zum Werbe-Gedanken („Hey, da lässt ja etwas draus machen!“)?

Das ist ganz unterschiedlich. Die Idee, eine Nachricht werblich zu nutzen kann einem sehr schnell in den Sinn kommen. Dann aber geht das Denken erst los, denn es muss ja auch eine entsprechend gute Idee her. Die wiederum muss der Kunde auch noch gut finden. Im schlimmsten Fall können da einige Tage ins Land ziehen. Zu unserem Kunden Sixt haben wir einen sehr engen und direkten Draht und es herrscht blinde Übereinstimmung, was und wie die Marke Sixt kommunizieren soll.

Das macht’s natürlich einfacher. Anfang vergangener Woche zum Beispiel hatten Erich Sixt und ich eine regelrechte „telefonische Standleitung“: Wir haben in Windeseile die Köpfe zusammengesteckt, die besten Ideen ausgesucht und eins der Motive innerhalb weniger Minuten auf sixt.de platziert.

Würden solche Spontan-Kampagnen auch offline funktionieren?

Hätten wir das erste Motiv nicht bereits am Montagvormittag online, sondern in aller Ruhe offline platziert, wäre es frühestens Dienstag erschienen, zum Beispiel als Anzeige. In dieser Zeit hätte ein Konkurrent schneller sein können, was wir nicht riskieren wollten. Trotzdem haben wir sofort nach der Motiv-Platzierung auf sixt.de prominente Anzeigenplätze in der SZ, der FAZ und im Handelsblatt gebucht. Wir wollten sicherstellen, dass möglichst viele über diese Satire lachen können.

Was hat Sixt zu der Aktion gesagt?

Sixt ist – wie wir – begeistert von der breiten Resonanz auf die Kampagne. Sixt war wieder einmal in aller Munde. Die Berichterstattung war über alle Medien hinweg gigantisch. Die Zugriffe auf die Sixt-Internetseite haben sich verdreifacht.

Gab es auch negative Reaktionen – etwa aus dem Gesundheitsministerium?

Nein, das Ministerium hat sich bei uns noch nicht gemeldet. Natürlich gab es neben den Tausenden positiven Stimmen auch einige wenige negative. Aber damit muss man leben.

Gab es schon einmal konkrete Beschwerden mit unfreiwilligen Testimonials?

Das kam schon vor. Meistens aber reagieren die Testimonials cool und entspannt. Angela Merkel beispielsweise ist sehr souverän mit unserem damaligen Cabrio-Motiv umgegangen und hat sich später sogar noch mit Erich Sixt in einem Cabrio fotografieren lassen.

Als Außenstehender würde man vermuten, dass Frau Schmidt ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sehen könnte. Was sagt der Insider?

Ein werblicher, satirischer Umgang mit tagespolitischen Ereignissen ist in Deutschland erlaubt. Im Übrigen ist Sixt politisch neutral, da bekommt jeder mal sein Fett weg.

In der Sixt-Werbung erscheinen häufiger unfreiwillige Testimonials aus der politischen Szene. Können wir in diesem Wahljahr noch öfters mit derlei Aktionen rechnen?

Das hängt einzig und allein von den Aktionen unser Politiker in Berlin ab! Ich bin mir sicher: Da gibt´s auch in den kommenden Wochen noch einiges zu lachen… Nicht vergessen: Sixt is watching you!

(André Vatter)


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Über den Autor

André Vatter

André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.

14 Kommentare

  • Sehr sympathisch der Chef 🙂 Weiter so!

    Trotzdem will ich anmerken, dass die Verdreifachung der Seitenzugriffe für Sixt an sich vielleicht gar nicht so wertvoll war. Ich war immerhin auch auf der Seite, als ich gehört hab, dass es was lustiges zu sehen gibt – habe aber kein Auto gemietet. Wenn die Werbung jedoch kommerziell was gebracht hat an anderen Stellen, dann herzlichen Glückwunsch.

  • Also ich finde die Werbung von Sixt immer klasse und es absolut in Ordnung die hier zu zeigen, denn dank Werbeblocker hätte ich sonst nichts davon mitbekommen.
    In der PM war mal ein Artikel über Klimaschutz und mittendrin eine Sixt-Werbung, dass man doch einen BMW X5 (SUV) mieten solle. Da musste ich auch schmunzeln, auch wenn es wahrscheinlich eher Zufall war. 🙂

    @1
    Das muss man natürlich auch auf lange Sicht sehen. Normalerweise mietet man nicht „einfach mal so“ einen Wagen, sondern irgendwann wenn der eigene mal kaputt ist etc.. Wenn man sich dann zuerst an Sixt erinnert war die Werbung schon ein Erfolg.

  • Die kompensatorische Wirkung von Ullas Dienstwagenaffäre für die Psyche des deutschen Michel (sozusagen ein Pyrrhus-Sieg der Schadenfreude) ist ja gut und schön. Nu isses aber langsam auch gut mit dem Schenkelklopfen über die lustige Ulla-Werbung. Im Gesundheitsministerium gibt’s wahrlich schlimmere Hämmer, einer davon heißt Schweinegrippeimpfung und wird uns alle (denn dass es finanziell irgendwie auf uns umgelegt wird, ist wohl klar, oder?) in diesem Herbst mindestens 600 Mio. kosten, eher mehr. Ich kann dieses läppische Aufgegeile an 10.000 Euro langsam nicht mehr hören. Man lacht ja gern mal mit, und die Anzeigen sind auch o.k. Aber bitte mal ein wenig die Relationen bewahren und zu „wichtigen“ Themen zurückfinden.

  • Sixt hat Super Werbung. Kann mich noch Jahre danach immer noch an eine Flughafenwerbung erinnern die mir sehr gut gefiel… Es war halt in groß orange sixt Mietwagen… wie eine Tor oder Brücke zum durchgehen aufgebaut… und drüber war ein fetter Pfeil Richtung Bankautomat… und es stand geschrieben „Hier gehts vorher zum Bankautomaten falls Sie die Konkurrenz in Anspruch nehmen wollen“… 😀

  • Die Werbung ist echt toll… Kleines Manko: Die ursprüngliche und erste Version auf der Website kam nicht von Jung von Matt, sondern intern von Sixt… Naja, aber man kann ja mal so tun als ob… Die Folge-Motive kamen ja dann von JvM…

  • Gibt es eignetlich irgendwo Hintergrundinformationen z.b. Rechtliches zu dem werblichen, satirischen Umgang mit tagespolitischen Ereignissen in Deutschland?

  • seeeehr cool! fand die Angela Merkel Werbung damals schon klasse – aber gegen diese hier kann unsere werte Regierung nun wirklich nix sagen 🙂 Pech gehabt

  • Jung von matt ist einfach die geilste agentur im land. sensationell, leute!! RESPECT!!!!!!!!! @sascha, mach doch mal was mit steinmeier 🙂

  • Noch ne Frage hinterher geschoben.

    Wie lange hat es gedauert, bis Jung von Matt von seinem Auftraggeber RWE aufgefordert wurde die unangenehme Persiflage auf die RWE-Kampagne mit der alten NDW-Band Trio abzumahnen?

    Hintergrund der Frage:

    Das NGO http://www.ausgestrahlt.de hatte die Kampagne genommen und mit kritischen Kommentaren versehen. Und weil das ja die unfeine Web2.0-Art ist, nämlich seine eigene Meinung zu äußern und dann auch noch im Look n Feel der ursprünglichen Jubel-Kampagne zu machen.

    Und weil man aber nicht als Meinungsunterdrücker da stehen will, ruft man die Agentur an, dessen Chef Matt ja bereits über die Blogs gesagt hatte, sie wären die Klowände des Internets – der Typ wisse sicher, was man da macht.

    Und ja wusste er, da holt man das Totschlag-Argument Urheberrecht heraus und untersagt die Verwendung des Bildmaterials und schwupp hat man eine kritische Äußerung zum Kundenkonzern aus der Welt geschafft.

    Jaja, der Junge und der Matte die können das mit dem Internet

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