Browser-Streit: Mozilla schimpft über Microsofts scheinheiligen "Ballot-Screen"

André Vatter

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Wie einige von euch sicher mitbekommen haben, hat Microsoft den erhobenen Zeigefinger Europas zur Kenntnis genommen. Die Kommission hatte dem Software-Riesen zuvor vorgeworfen, seine beherrschende Marktstellung auszunutzen, wenn der Internet Explorer 8 auf den neuen Windows 7-Systemen bereits vorinstalliert zu finden sei. Im Raum standen Strafzahlungen in Millionenhöhe. „Gut“, hieß es zunächst verschnupft aus Redmond: „Dann bringen wir eben eine spezielle EU-Version ohne den Internet Explorer auf den Markt.“ Anfang des Monats ruderte Microsoft dann zurück. Das Unternehmen hatte Brüssel in letzter Minute noch einen Vorschlag unterbreitet: Man könne es doch mit einem „Ballot-Screen“ versuchen – ein Fenster, dass sich nach der Installation des Betriebssystems öffnet und in dem der Nutzer gebeten wird, zwischen verschiedenen Browser-Vorschlägen zu wählen. Um es einfacher zu machen, sei der Internet Explorer bereits komplett installiert – per Knopfdruck könnten dann aber auch die konkurrierenden Browser zum Zuge kommen.

Die Kommission zeigte sich mit dem Vorschlag (hier der O-Ton im Detail) im Groben einverstanden, so dass der Internet Explorer nun fester Teil von Windows 7 werden soll. Mozilla – Microsofts größter Widersacher im Browser-Geschäft – muss diese Entscheidung zunächst einmal zähneknirschend zu Kenntnis nehmen. Dennoch hindert es nicht die Foundation, harte Kritik an dem geplanten Deal zu üben. Die deutlichsten Worte hat diese Woche die Mozilla-Vorsitzende Mitchell Baker gefunden. Auch mit einem „Ballot-Screen“ besetze der Internet Explorer eine „exklusive und einzigartig privilegierte Position“ auf Windows-Systemen, heißt es in einem neuen Eintrag auf ihrem Blog. Baker hat gleich mehrere Punkte gefunden, die ihre These stützen sollen:

1. Das Überall-Icon

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Das Icon für den Internet Explorer befindet sich weiterhin an prominenter Stelle auf dem Desktop, was sich auch dann nicht ändert, wenn ein neuer Standard-Browser definiert wird. Bei einer Installation von Firefox verschwindet es nicht. Selbst, wenn der Desktop verdeckt ist, wird der Nutzer um den Anblick des IE-Logos nicht herumkommen, weil Microsoft es vorsichtshalber in die Taskbar neben dem Startmenü platziert hat.

2. Der Download-Zwang

Die Vorinstallation des Internet Explorer sei ein großer Nachteil für den Wettbewerb: Ob ich einen Browser bereits vorfinde oder ihn erst umständlich herunterladen, installieren und ihn als Standard-Programm definieren muss, macht einen großen Unterschied aus. Besonders unerfahrene Nutzer hätten damit ihre Probleme. Der „Ballot-Screen“ bietet ihnen nur einen Link zum Download, gibt aber keine Hilfestellung bei der Installation. Die Gefahr besteht, dass viele auf dem Weg zum neuen Browser aufgeben.

3. Automatisches Update: „Hello again.“

Als Teil des Windows-Systems zählt auch der Internet Explorer zu den Programmen, die selbständig neue Updates aus dem Netz ziehen: Eine gute Sache, da es keinen Sinn macht, veraltete Software auf dem Rechner zu haben – selbst, wenn man diese nicht nutzt. Windows bietet jedoch keinerlei Hinweise für Updates konkurrierender Browser. Richtig gemein ist es, wenn sich dafür der Internet Explorer nach der erfolgreichen Patch-Installation meldet: Er öffnet sich und fragt den Nutzer, ob er denn nicht der Standard-Browser werden soll.

4. Andere Applikationen lieben den IE

Alles deutet in die Richtung, dass Nutzer, die weitere Microsoft-Software installiert haben, regelmäßig auf den Internet Explorer gestoßen werden. Auch die kommende Version von Office wird da aller Voraussicht nach keine Ausnahme machen. Die Programme verfügen über sogenannte „hard-coded“ Links, was bedeutet, dass selbst dann, wenn andere Browser zuvor als Standard definiert wurden, zugunsten des Internet Explorers stumm bleiben: Ein Link in einem Word-Dokument beispielsweise würde immer und unabänderlich ein IE-Fenster öffnen.

Bild & Via: Betanews

(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.