Aufgeklappt und aufgerissen: Die 'Video in Print'-Broschüre von OTTO

Marek Hoffmann

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Wenn es nach OTTO geht, dann werden sich alle Leserinnen (naja, und wohl auch ein paar Leser) der Gala bei ihrer Lektüre bald wie Hermine vorkommen. In der Fantasy-Welt der nicht mehr ganz so kleinen Freundin des Zauberlehrlings Harry Potter enthalten die Zeitungen nämlich Bewegtbilder. Was dort aber nur Dank Magie funktioniert, schafft OTTO hier Dank eines flachen, kleinen Farb-Displays. Zumindest in der DIN-A4-großen Papp-Werbebroschüre, die jeder Ausgabe des „People-Magazins“ von Gruner + Jahr zukünftig beigelegt werden soll. 

Das Mäusekino misst etwa fünf Zentimeter im Durchmesser und wird von einem Akku angetrieben. Sobald dem der Saft ausgeht, kann er – per USB-Anschluss auf der Rückseite der Broschüre – wieder aufgeladen werden. Und damit die Models, die sich in den vermeintlich stylishen Klamotten des Versandhändlers durchs Bild räkeln, nicht wie in einem Stummfilm agieren und damit etwas an potenzieller Wirkung auf den Kunden verlieren – gibt es den passenden hippen Sound inklusive. Von der Klangqualität wäre er wahrscheinlich auch gar nicht mal schlecht, wenn der kleine Lautsprecher nicht dadurch, dass er in die Pappseite der Broschüre eingebaut ist, furchtbar scheppern würde. Wie das Teil nun aussieht, könnt ihr in einem kleinen, von André und mir spontan gedrehten Filmchen sehen…

An sich ist die Idee nicht neu. André hatte bereits Ende August über das Video-In-Print-Konzept (VIP) von CBS und Pepsi geschrieben. Nun ist es aber auch hierzulande angekommen und ich bin gespannt, wie die Leserinnen der Gala auf diese Art der Medienkonvergenz reagieren und ob andere Anbieter (und Verleger!) bald auf diese Form der Werbung setzen werden. Zumindest der „Spiegel“ hatte ja kurz vor Jahresende ein ähnliches Experiment gestartet. Persönlich glaube ich nicht daran, dass die VIP-Ad einen Trend oder Boom auslösen wird. Dafür kommt es einfach einige Jahre zu spät. Klar, früher war die Technik noch nicht so weit, aber heute ist sie eben viel weiter als da, wo sich die Broschüre von OTTO befindet.

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Das kleine Display und der schlechte Sound können es vielleicht mit einem alten Handy aufnehmen; aber kein Besitzer eines Smartphones wird die Broschüre auch nur aufklappen wollen. Apropos Aufklappen: Das, was dem Pappheft definitiv fehlt, ist ein Ausschaltknopf für die Musik. Denn diese nervt ganz schön, wenn man sie zum x-ten Mal hören muss. Aber vielleicht ist das ja beabsichtigt und soll einen Ohrwurm-Effekt hervorrufen…

Desweiteren denke ich, dass die Produktionskosten für diese Art von Werbung zu hoch liegen, als dass sich so eine Zeitschriftbeilage auf Dauer lohnen würde. Wie will man das Teil denn (re)finanzieren? Über die Verlage etwa, die sich durch dieses Goodie eine höhere Auflage ihrer Zeitschriften erhoffen und daher bereitwillig dafür zahlen? Wohl kaum. Die werden ihre Weichen wohl eher in Richtung Tablets oder E-Book-Reader stellen. Und Kunden zu größerer Kaufbereitschaft animieren kann man damit bestimmt auch nicht.

Letztlich kann ich nur vermuten, dass OTTO mit der Einführung dieser Mediensymbiose „nur“ eine Imagekampagne gestartet hat und sich als innovativ und jugendlich darstellen möchte. So, wie es das Unternehmen schon mit Yourhome.de oder Yalook.com getan hat. Diese Rechnung wiederum könnte aufgehen.

So, im Folgenden nun der versprochene Aufreißer:

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Das steckt also dahinter:

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Per USB-Kabel lassen sich dann übrigens neue Filme auf den Speicher laden:

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(Marek Hoffmann)

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Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.