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YouTube 'Musicians wanted': Gut für den Nachwuchs, schlecht für MySpace

Ungefähr eine Woche ist es her, dass MySpace der Welt mitgeteilt hat, wie man mit dem enteilten Konkurrenten Facebook zukünftig mithalten will und wie die neue Ausrichtung des einst größten Social Networks aussehen soll. Die Strategie klingt gleichermaßen simpel als auch niederschmetternd, denn mit den angedachten, marginalen Änderungen am Netzwerk-Dinosaurier kriegt man den Karren sicher nicht so ohne weiteres wieder flott.

Die noch verheißungsvollste Aussage betrifft die Disziplin, in der MySpace seit jeher am stärksten war und in der man auch heute noch wirklich punkten kann: die Musik! Dort will man zukünftig fokussierter zu Werke gehen, den Künstlern mehr Möglichkeiten (beispielsweise Künstler-Enzyklopädien) und bessere Navigation bieten.

Musicians wanted

Mit der Frage im Hinterkopf, ob man auf diese Weise MySpace wieder auf Kurs bringen kann, habe ich eben einen Beitrag des YouTube-Blogs gelesen. Dort kündigt man ein neues Partner-Programm an, welches den MySpace-Bemühungen um den musikalischen Nachwuchs nicht ganz unähnlich ist und auf den bezeichnenden Namen Musicians Wanted hört.

Musicians wanted wendet sich an Musiker, die bislang noch keinem Label angehören und fischt damit ganz ungeniert im MySpace-Vorzeige-Becken. Profitieren sollen die aufgenommenen Künstler von den Werbe-Einnahmen, die YouTube generiert. Das werden natürlich keine großen Fische sein, aber immerhin mehr als bei der (Ex-?)Konkurrenz. Bevor hier nun jeder vermeintliche Nachwuchs-Künstler das Lesen dieses Artikels einstellt, um sich samt Gitarre vor seine Webcam zu hocken: Als nicht-US-Musiker schaut man hier leider wieder in die Röhre. Vorerst gilt das Programm nur für amerikanische Sänger und Bands. Man betont jedoch, dass man dieses Projekt ausweiten möchte.

Die Werbe-Gelder sollen nicht der einzige Anreiz für Musikschaffende sein. Man darf dort künftig seine Auftritte promoten, Fanartikel vertreiben und die Channels sollen generell umfangreicher zu konfigurieren sein. Zudem ist ein Künstler auf dieser Plattform natürlich leichter zu finden, als in den unendlichen Video-Abgründen auf YouTube selbst.

Virale Ausnahmekünstler OK Go

Klingt für mich alles in allem nach einem feinen Konzept mit dem hierzulande mittlerweile gewohnten Makel, dass man als Deutscher eben noch außen vor bleibt. Da sich YouTube aber nicht allein auf dem Konzept und den hoffentlich talentierten Bewerbern ausruhen will, kann es nicht schaden, prominente Fürsprecher zu haben. Was das angeht, konnte man wohl kein passenderes Aushängeschild finden als die Jungs von OK Go, die sowohl wissen, welchen Nutzen man als Band von YouTube hat, als auch wie kaum eine zweite Kapelle verstehen, mit ihren Videos einen viralen Flächenbrand auszulösen. Die Jungs aus Chicago, die zugunsten ihres eigenen Labels „Paracadute“ eben ihren Major-Deal mit der EMI in die Tonne gekloppt haben, haben keine Sekunde gezögert, als sie vom Launch des Programmes „Musicians wanted“ gehört haben:

YouTube war schon immer ein prima Angebot für OK Go – die Kreativität gedeiht und wir können uns direkt mit den Fans austauschen. Als wir von Musicians Wanted hörten, brauchten wir nicht lange nachzudenken: für uns klingt es super. Wir fühlen und geehrt uns freuen uns darüber, die ersten Bewerber zu sein. Wir können es kaum abwarten, neue Videos auf unseren Channel zu laden.

Den nachfolgenden Clip eben jener Combo habt ihr mit Sicherheit schon gesehen, aber ganz ehrlich: Sowas kann man doch gar nicht oft genug sehen, oder?

(Carsten Drees)


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Über den Autor

Ehemalige BASIC thinking Autoren

Dieses Posting wurde von einem Blogger geschrieben, der nicht mehr für BASIC thinking aktiv ist.

4 Kommentare

  • Als Musik-Blogger kann ich diese Idee nur unterstützen. Ich blogge auch besonders gerne über die Musiker, die zu cooler Musik auch noch ein cooles Video zu bieten haben.

  • dazu hätte ich zwei Anmerkungen:
    1. langweilig, wenn gefühlte 8 von 10 zufällig ausgewählten Videos Leute mit Gitarren auf der Bettkante sitzend zeigen. Von einem Videohoster erwarte ich doch Music-Videos (wenn auch home-made). Bei MySpace kann ich, trotz der oft furchtbar designten und lade-intensiven Seiten, wenigstens ein paar Songs durchzappen oder nebenher anhören, während ich weitersurfe. Noch dazu ist eine MySpace-Seite stark auf den Künstler individualisiert, „Musicians wanted“ aber bis jetzt nur ein neuer Kanal auf YouTube.
    Also, das wird sicher kein einfacher Start für YT, aber ich trau denen zu, dass die was nettes daraus basteln.

    2. (bisschen off-topic, aber vielleicht für euch mal einen extra-Artikel wert?) MySpace nervt wegen der oben genannten Schwächen. Aber auch You Tube hat in letzter Zeit, trotz schneller Verbindung (4000er + MBP), eine sehr durchwachsene Liefergeschwindigkeit (gehts nur mir so?). Manchmal lädts sehr flüssig, manchmal ist es langsam wie ne Ente (trotz eingestellter 360p). Das schlimmste ist dieses 10sec-Laden-5sec-Abspielen-10sec-Laden-Ding. Natürlich kann ich auf Pause drücken und warten, aber wer will schon warten?

    mein Fazit: als Konsument will ich schnell an den Content, in dem Fall Musik. Das machen aber beide in diesem Artikel gegenübergestellten „Konkurrenten“ aus unterschiedlichen Gründen nicht gut.

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