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Buzz: Kaum ein 'Mensch' nutzt den Google-Dienst

Als Buzz im Februar dieses Jahres an den Start ging, hatte Google große Ziele und weckte beim User hohe Erwartung. Nach einigen zuvor vorgenommenen und weitgehend erfolglosen Vorstößen in den Social Media-Bereich – als Beispiele können Orkut oder Jaiku genannt werden – wollten Brin und Page dieses Mal alles richtig machen. Im Stile der Beatles wollten sie sich Inspirationen bei den anderen holen, das Beste aus deren Konzepten extrahieren und dann zu etwas eigenem mit Mehrwert zusammenfassen. So entstand eine Art mobiler Twitter-FriendFeed-Klon. Die Rechnung ging aber offenbar nicht ganz auf, wie die Untersuchung des Online-Werbenetzwerks Chitika nahelegt, über die ich vor Kurzem hier auf dem Blog geschrieben habe. Demnach ist der Buzz um Buzz merklich abgeflaut, das Interesse an dem Dienst bewegt sich auf Flatline-Niveau. Da dieses Ergebnis aufgrund der relativ eindeutigen Zahlen wenig Spielraum für Interpretationsmöglichkeiten bot, drängte sich die Frage auf, ob den überhaupt irgendjemand Buzz nutzt, und wenn ja, wie?

Dieser Frage sind nun die die Social-Media-Analysten von PostRank nachgegangen. Dazu trackte das Unternehmen mittels eines eigenen Systems das Buzz-Engagement im Web (zu deutsch: es wurden alle öffentlichen Buzz-Feeds von einem selbstentwickelten Programm aufgestöbert und ausgewertet). Dabei kam Folgendes heraus: Sage und schreibe 90 Prozent des gesamten Contents, der über Buzz publiziert wird, stammte von Bots. Was bedeutet das?

Nun, offenbar sehen viele (wie viele wurde leider nicht ermittelt oder aber nicht angegeben) Twitter-User Buzz als das an, was es ist, nämlich zu einem nicht unbeträchtlichen Teil ein Twitter-Klon. Und so hauen 60 Prozent von ihnen ihre Tweets auch noch mal über Buzz raus. Automatisch, versteht sich. Und zwar entweder direkt oder über FriendFeed (ach ja, Buzz war ja auch ein Klon dieses Aggregators). 

Der zweitgrößte Anteil in dem Kuchendiagramm entfällt auf jene User, die ihren Content- wieder per Bot, also automatisiert – als RSS-Feed verschicken. Nur knappe zehn Prozent aller Buzz-User tragen im Stream des Google-Dienstes zu einem nicht von Bots generierten Content bei. Wer nun aber daran denkt, seinen gerade erst neu installierten Buzz-Button wieder von der Seite zu kicken, sollte nochmal kurz innehalten.

Es gibt bei der PostRank-Untersuchung nämlich eines (vielleicht auch mehr, aber diesen Punkt insbesondere) zu beachten. Nämlich, dass bei den Zahlen nicht berücksichtigt wurde, wie viel Buzz tatsächlich durch den Content-Stream verursacht wird, sprich: wie viele Kommentare auf die gebuzzten Tweets und Feeds erfolgen. Es gibt also keine Hinweise darauf, wie viel Feedback tatsächlich erzeugt wird, wie viele Unterhaltung angestoßen werden. Jeder Blogger weiß, dass die Diskussionen über Postings häufiger als nicht auf anderen Plattformen stattfinden, und nicht auf dem Blog, wo es veröffentlicht wurde. Anhand des Feedbacks auf der Seite dann auf die „Beliebtheit“ des Artikels schließen zu wollen, wäre etwas kurz gedacht. Daher sind die PostRank-Zahlen auch mit einer Prise Salz zu genießen, wie man so schön sagt. Sie bieten aber dennoch einen Hinweis darauf, wie respektive zu welchem Zweck Buzz in erster Linie genutzt wird. Und ein Stück weit auch von wem, nämlich von Bloggern und Websites, die ihren per RSS und Twitter verschickten Content über Buzz multiplizieren. Und von vornehmlich Geeks, die diesen Content an anderer Stelle diskutieren. Genaueres werden erst künftige Studien zutage fördern müssen.

Via: Readwriteweb

(Marek Hoffmann)


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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

15 Kommentare

  • Buzz wäre vom Prinzip her eine interessante Sache, quasi ein viel größeres und funktionsreicheres Twitter. Was völlig fehlt und mangelt ist die User-Infrastruktur, also vor allem User- und Themenverzeichnisse, sowie die Verbreitung und Werbung. Außerdem mangelt es an der Integration und dem schnellen Auffinden. Die Verbindung mit der eigenen Mailadresse ist viel zu kompliziert. Es bräuchte mindestens einen eigenständigen Buzz, außerhalb von Google Mail. Hinzu kommt, bei einem Dienst wie Google, der schon sehr viel über einen selbst weiß, hält man sich mit weiteren eigenen Veröffentlichungen vermutlich eher zurück.

  • Gerade bei google diensten finde ich es äußerst schwierig den Erfolg oder Misserfolg schon nach „kurzer“ Zeit abzuschätzen.
    Android ist auch lange vor sich hin gegammelt und jetzt läuft es langsam allen anderen den rang ab… (60.000 Käufe/Tag)
    aber man weiß es eben vorher nie

  • Ich würde Buzz sofort nutzen und Twitter dafür kicken (bzw. Twitter nur noch wiederholen lassen, was ich buzze), wenn ich nicht meinen vollen Namen und weitere Details öffentlich machen müssten. Ein bisschen mehr anonymisieren wie Twitter und dann bin ich sofort dabei…

  • Web 2.0-Dienste verbreiten sich über die Angebote einzelner User – die anderen vormachen, wie sie einen solchen Dienst nutzen und so zum Mitmachen animieren. Etwa wie bei Twitter die Fotos und Atavare einzelner Nutzer. Solange es das bei Buzz nicht gibt, wird es auch nur schwer ins Laufen kommen.

  • bestätigt meine einschätzung, ich kann mir nicht vorstellen, dass google buzz twitter überholen wird. zumal ich als langjähriger gmailer kaum gmail-freunde in meiner kontaktliste habe

  • Also ich finde Buzz ja deutlich besser als Twitter. Twitter ist eigentlich ein ziemlich dämliches Ding, Begrenzung auf 140 Zeichen, kein Multimedia, keine Threads, keine Comments kein garnichts. Nur ein haufen draufgetackerter third party apps wie URL shortener, twitpic und externe apps macht es überhaupt benutzbar (fühlt sich an wie Frankenstein 2.0). Bei Buzz geht das alles von Haus aus.

    Trotzdem benutze ich Twitter weil das alle haben. Ich kann zwar sagen: So, jetzt benutze ich Buzz. Aber dann wäre ich wohl ziemlich alleine, hätte nichts zum lesen und niemand würde lesen was ich schreibe. Mal ganz davon abgesehen dürften es bisher wenige Leute ausprobiert haben weils nicht viele Leute geben die da was schreiben.

    Das typische Henne – Ei Problem. Aber mal schauen, vielleicht schafft es google ja noch das irgendwie hinzubiegen (vllt. gateway vor und nicht nur zurück (was wieder mit der 140 Zeichen Hölle kollidiert aber vllt. kürzen + link oder so).

  • Ich finde Buzz sehr interessant, vor allem in Verbindung mit einem Google Profil, dass ich selbst auch als persönliche Visitenkarte nutze. Warum Buzz kaum genutzt wird, liegt meiner Meinung nach daran, dass unbedingt ein Google Mail Account gebraucht wird. Ich nutze GMail seit Jahren und habe daher auch unzählig viele Kontakte im Adressbuch, trotzdem sind nur 4 dieser Kontakte bei Buzz aktiv. Viele haben ganz einfach keinen Google Mail Account und werden sich in Zukunft auch nicht dafür anmelden. Ganz im Gegenteil, selbst ich kommuniziere mit Freunden nur noch via PM bei Facebook. Facebook ist als Plattform übersichtlicher, als die vielen Google Dienste die oft für sich selbst stehen und erst seit der Google Profile halbwegs miteinander verknüpft sind .. wofür aber auch wieder ein GMail Account notwendig ist. Ein Vorteil von Twitter ist die Integration in viele Dienste. Zum Beispiel kann ich bei Foursquare oder Gowalla meinen Status via Facebook oder Twitter teilen, aber eben nicht via Buzz. Twitter wird oft völlig überbewertet, da es nach wie vor eher Webfreaks nutzen, aber nicht jene Leute, die maximal 30 Minuten täglich online sind um eventuell nach E-Mails bei GMX oder web.de zu schauen und sich kurz bei Facebook oder meinVZ einloggen. Zudem scheint Twitter für mich eine Art Selbstbetrug zu sein, denn wer von den Leuten, die über 1000 Usern folgen, ließt denn wirklich jeden Tweet und klickt auf die Links? Nicht gerade ideal finde ich auch die Webapps für das iPhone. Ich selbst mag eher richtige Apps, die über den Appstore zu finden sind. Gerade bei Twitter ist eben auch das Veröffentlichen von Bildern über die App sehr einfach.

  • google steht sich selbst im weg… ich bin bei blogger, aber mit buzz ist es nicht verknüpft… es gibt picassa, blogger profil, google profil, email account, docs, feedburner und sicher vieles mehr, aber alles funktioniert für sich selbst… und dabei könnte es eine sinnvolle Applikation sein… wobei Buzz alles ausgeben könnte, was unter einer Googleadresse passiert… viele Werkzeuge, aber nicht ein und derselbe Treffpunkt

  • Ich finde Buzz grundsätzlich nicht schlecht. Die Zeichenlänge und Integrationsmöglichkeiten mit Picasa, Youtube und auch Facebook sind gut.

    Mein Problem besteht darin, dass meine Freunde keinen Gmail Account haben, und ich somit niemanden kenne, mit dem ich chatten oder buzzen kann. Und fremde Personen anquatschen nur um reden zu können ist nicht mein Ding.

    Gäbe es in Google Buzz (als eigenständiger Dienst) Google Talk oder Chat auch die Möglichkeit der Interaktion mit anderen Diensten (MSN, Yahoo oder Facebook chat), oder würde Buzz eine Registrierung mit einer Google-fremden Email adresse erlauben, sähe das wahrscheinlich etwas anders aus.

    Noch dazu finde ich Buzz für Neulinge reichlich unstrukturiert. Doch ich finde das Google Universum an sich zu verschachtelt. Es müsste EINE Hautpseite mit allen Unterprodukten geben, plus die Möglichkeit, einzelne Dienste wie Blogger & Co wieder zu löschen, ohne das Mailkonto zu schließen. Aber das ist ein anderes Thema 😉

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