Surfen mit Freibeutern: Schwedische Piratenpartei gründet Internetprovider

Nils Baer
von Nils Baer

Die schwedische Piratenpartei steigt nun auch ins Endkundengeschäft ein. Zuvor hatte sie schon mit ihrem Plan, The Pirate Bay zukünftig aus dem schwedischen Parlament zu hosten, für Aufsehen gesorgt. Entsprechend der Parteilinie verspricht die Firma PirateISP ihren Kunden, keinerlei Daten zu speichern und so größtmögliche Anonymität auch gegenüber den staatlichen Behörden zu gewährleisten.

Vor zwei Tagen begann die zweiwöchige Testphase in der südschwedischen Stadt Lund mit ungefähr hundert Kunden der lokalen Wohnungsbaugesellschaft LKF. Danach hofft Gustav Nipe, BWL-Student und Chef von PirateISP, relativ bald fünf Prozent Marktanteil in Lund zu erreichen, erst Ende dieses Sommers will er auch in anderen Städten aktiv werden. Mit dieser Strategie will der Provider sicherstellen, dass eine schnell wachsende Kundenzahl sich nicht negativ auf die Qualität des Dienstes auswirkt.

Mit der Einrichtung dieses Dienstes verfolgt die Piratenpartei mehrere Ziele: zum einen will sie über mögliche Gewinne ihre politische Arbeit finanzieren, zum anderen versteht Nipe die Gründung auch als Signal an die anderen Provider, sich mehr für den Datenschutz ihrer Kunden und ein freies Internet einzusetzen: „Wenn sie sich nicht gut benehmen, wird immer jemand anderes da sein, um ihre Marktanteile zu übernehmen.“

UPDATE Newsletter BASIC thinking

Du willst nicht abgehängt werden, wenn es um KI, Green Tech und die Tech-Themen von Morgen geht? Über 12.000 Vordenker bekommen jeden Tag die wichtigsten News direkt in die Inbox und sichern sich ihren Vorsprung.

Nur für kurze Zeit: Anmelden und mit etwas Glück 50€ Amazon-Guthaben gewinnen!

Mit deiner Anmeldung bestätigst du unsere Datenschutzerklärung. Beim Gewinnspiel gelten die AGB.

Keine Herausgabe von Verbindungsdaten

Die Anonymisierung bei PirateISP wird über die Firma ViaEurope realisiert, die auch hinter dem Service IPREDator steht, mit dem Torrentnutzer ihre Aktivitäten vor den Augen des Staates und der Copyrightinhaber verbergen können. Gegenüber der schwedischen Zeitung Sydsvenskan versicherte Nipe, seine Firma könne garantieren, dass ihre Kunden keine Probleme mit dem schwedischen Pendant der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen bekommen werden. Aus strategischen Gründen wolle er allerdings jetzt noch nicht alle verwendeten Tricks verraten. Anfragen aus den USA wegen massiver Urheberrechtsverstößen will PirateISP ignorieren. Im Interview mit Northern Light sagte Nipe: „Die können kommen mit was sie wollen, wir machen das einfach nicht. Wir lehnen ihre Auffassungen ab und wir lehnen auch die Gesetze ab, die sie machen. Wenn sie also ein Problem mit uns haben, dann haben wir eben ein Problem, aber das war es dann auch.“

PirateISP ignoriert Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung

Interessanter als die Ankündigung, Anfragen aus den USA zu ignorieren, ist allerdings das Versprechen, sich auch der staatlichen Überwachung zu verweigern. Die Piratenfirma wird keinerlei Verbindungsdaten speichern, obwohl das gesetzlich vorgeschrieben ist. Durch die enge Verbindung mit der Piratenpartei glaubt Nipe, diese Vorschriften umgehen zu können: „Möglicherweise wird man versuchen, uns aufzuhalten. Aber dann muss man die Piratenpartei aufhalten. Und dann wird das Ganze zu einem parlamentarischen Problem.“ Die Piratenpartei hofft, bei den Reichstagswahlen im September in das schwedische Parlament einzuziehen und so in den Genuss parlamentarischer Immunität zu gelangen. Ein Versuch, PirateISP zur Datenspeicherung zu zwingen, könnte dann zu einer verfassungsrechtlichen Frage werden. In einem möglichen Prozess würde dann juristisches Neuland betreten. Das bedeutet gleichzeitig allerdings, dass am Ende höchstrichterlich auch gegen die Piratenpartei und ihre Internetfirma entschieden werden könnte.

Es ist sicherlich zweifelhaft, „Datenschutz!“ zu schreien, wenn man eigentlich „Alle Filme umsonst!“ meint. Aber es bleibt ein berechtigtes Anliegen, sich vor unkontrollierbarer Datensammelwut durch Staat und Unternehmen zu schützen. Deshalb wünsche ich den schwedischen Piraten viel Erfolg mit ihrem Projekt. Dass ein freies Internet nicht den Untergang von guten Inhalten bedeuten muss, versucht ja gerade ausgerechnet der Pirate Bay-Gründer Peter Sunde mit flattr zu beweisen.

(Nils Baer / Foto)

Du möchtest nicht abgehängt werden, wenn es um KI, Green Tech und die Tech-Themen von Morgen geht? Über 12.000 smarte Leser bekommen jeden Tag UPDATE, unser Tech-Briefing mit den wichtigsten News des Tages – und sichern sich damit ihren Vorsprung. Hier kannst du dich kostenlos anmelden.

STELLENANZEIGEN
Openstack Engineer (m/f/d)
CompuGroup Medical SE & Co. KGaA in Koblenz
Digital Communications & Marketing Manage...
GBA Holding GmbH in Hamburg
Studentisches Praktikum in der Unternehmensko...
Sparkasse Hannover in Hannover
Social Media Manager / Content Creator (m/w/d)
Machado GmbH in Dieburg
Praktikum Social Media Marketing und PR
Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG in Waldenburg
CRM & Digital Marketing Manager
undconsorten Managementberatung GmbH & Co. KG in Berlin
(Senior) Programmatic Advertising Manager (al...
IPG Mediabrands in Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt am...
Content Creator (w/m/d) befristet in Vollzeit
Technische Hochschule Augsburg in Augsburg
Teile diesen Artikel
Nils Baer hat im Jahr 2010 über 100 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.