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B(l)ing, B(l)ing: Microsofts Such-Maschine bezahlt User für die Nutzung

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. So oder so ähnlich könnte man die momentane Lage auf dem Suchmaschinen-Markt beschreiben. Wobei die zwei natürlich Google und Microsofts Bing wären, und der Dritte wir, die User. Und mit Streiten ist der Kampf um Anteile gemeint, der uns immer wieder neue, meist kostenfreie Services beschert. Nun ist offenbar der Software-Riese wieder dran, die (US-)Kunden zu bezirzen und versucht das mit etwas, was es an anderer Stelle schon lange gibt: mit einem Belohn-System.

Auf den ersten Blick eine dieser famos einfachen und daher brillanten Ideen. Warum nicht die User dafür bezahlen, dass sie mein Angebot nutzen. Wenn sie das tun, bekomme ich dieses Geld doch ohnehin tausendfach auf anderem Wege wieder rein. Durch Werbung etwa. Funktioniert bei den ganzen Bonus-Punkte-Anbietern doch auch wunderprächtig. Wenngleich man natürlich immer hinzufügen muss, dass das nur für eine bestimmte Kundengruppe gilt. Nämlich jene, die auch wirklich daran glaubt, dass sie durch das Sammeln eben jener Punkte etwas „geschenkt“ oder „günstiger“ bekommt oder gar gewinnt. Denn meist zahlt sie dafür einen viel höheren Preis, als sie glaubt. Und hier liegt bei Microsofts Angebot auch schon der Hase im Pfeffer. Denn bevor der User für das Suchen über Bing genügend Punkte angehäuft hat, um sich ein vernünftiges Produkt aussuchen zu können, wird eher ein Lösung für den Welthunger und die Energie-Krise gefunden. Jetzt bin ich aber mit der Tür ins Haus gefallen, so dass ich kurz noch mal zurückspulen sollte…

Bei Bing Rewards Preview handelt es sich um Microsofts (nach den gescheiterten SearchPerks und Cashback mittlerweile dritten) Versuch, Usern für die Suche mit dem Google-Konkurrenten zu entlohnen. Wer neue Bing-Feature ausprobiert oder die Suchmaschine als Standrad in seinem Browser einstellt, wird ebenfalls belohnt.

Und zwar in Form von „Credits“, die dann irgendwann entweder gegen Produkte und Geschenk-Gutscheine eingetauscht oder für karitative Zwecke gespendet werden können. Hierzu muss der geneigte User nicht viel tun. Es reicht aus, einen Windows-Rechner mit Internet Explorer zu besitzen, sich dann zunächst die Bing-Bar runterzuladen und anschließend mit einer gültigen Windows Live ID bei Rewards Preview anzumelden (falls die noch nicht vorhanden ist, muss man sich natürlich erst noch eine zulegen) und dann kann das Sammeln auch schon losgehen. Mac-User und Nutzer alternativer Browser gucken übrigens in die Röhre. Aber so ist das halt bei exklusiven Clubs wie diesem: da gehört der Ausschluss bestimmter Gruppen eben zum guten Ton.

Die Bing-Bar braucht ihr übrigens, damit Microsoft euch stalken kann. Das formulieren die Redmonder natürlich anders: Sie „dient der Übersicht über die Gesamtsumme an gesammelten Credits auf dem ‚Reward Counter‘-Button. Ein Klick auf ihn offenbart euch euer Punkte-Guthaben, ermöglicht das Eintauschen der Credits, präsentiert euch eine Liste mit Angeboten, mit denen ihr Bonuspunkte verdienen könnt und erlaubt den Zugang zum Redemption Center.“ Ja, ist klar. Letztgenanntes ist dann übrigens der Shop, in dem ihr quasi, wie früher bei 1, 2 oder 3, eure Softbälle gegen Konsumgüter eintauschen (die Älteren unter euch werden sich erinnern) oder eben spenden könnt:

Wie ihr sehen könnt, ist man bei den Spenden bereits mit 100 Pünktchen dabei, für die Must-Have Bing-Produkte muss man schon mehr latzen, beispielsweise 400 Credits für ein Paar Würfel. Soll’s dann was „Richtiges“ sein, etwa ein DVD, muss euer Konto über 3.500 Bonuspunkte aufweisen. Wie lächerlich das ist, sieht man aber erst, wenn Microsoft offenbart, wofür der User wie viele Credits erhält.

Als Belohnung für dessen Mühen bei der Anmeldung spendiert Microsoft dem User zunächst großzügig 250 Punkte. Anschließend wandern die Spendierhosen aber wieder in den Schrank. Greg Sterling von Searchengineland hat bei Microsoft mal nachgefragt, wie viele Credits man als User denn so für eine Such-Anfrage bekommt, und die Antwort ist mehr als ernüchternd: „Bis zum zweiten Oktober kann man einen Credit pro fünf Bing-Suchanfragen und maximal acht Credits pro Tag verdienen.“ Das ergibt im Jahr 2920 Credits – ihr erinnert euch noch, wie viele Punkte ihr für eine DVD sammeln müsst, ja?

Also, so schön die Idee eigentlich ist: In der Form wird es für Microsoft sicherlich der dritte Flop in diesem Bereich.

(Marek Hoffmann)


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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

21 Kommentare

  • Ich komme gerade aus dem Schmunzeln nicht mehr heraus. Aber du musst auch das Positive sehen, nach einem halben Jahr kannst du dir einen USB Stick schenken lassen…

  • Die Idee an sich ist ja nicht so verkehrt, gerade dann eigene Brandingprodukte unter die Leute zu bringen, aber die Umsetzung wirkt mal wieder mangelhaft. Das wird wohl der Flop des Tages werden. 🙂

  • Das Wortspiel mit Bling Bling ist gut! 🙂
    Erinnert an die zahlreichen Versuche Ferreros, Fußballmerchandising im Zuge der WM/EM zu verjubeln („in jeder Packung ein Sammelpunkt“).
    Und das peinliche dran: wir haben sogar so ein schmuckes DFB-Kindertrikot noch davon zu Hause…
    Hoffentlich begräbt Microsoft nach Versuch 3 dann endgültig die Hatz nach neuen Nutzern.

  • Windows Explorer, eine Toolbar und Bing? :’D :’D :’D Nein, danke! Auch nicht wenn sie mir fünf Cent pro getätigter Suche zahlen würden.

  • Dabei ist Bing gar nicht mal schlecht. Bin auch ohne Bonuspunkte gewechselt und vermisse eigentlich nur dir Tippfehlerkorrektur von Google.

    Bing Maps ist sogar deutlich geiler als Google Maps. „Streetview“ haben die da schon lange und setzten auch auf OpenStreetMap-Kartenmaterial, was in Detailfragen echt einen Unterschied macht!

  • Der Titel ist sehr passend gewählt 🙂 An sich finde ich die Idee auch ganz gut – aber die Credits-Belohnung ist ja ein Witz. Wenn mit dieser denn geworben wird (?), erwartet ein Nutzer doch mehr. Wer möchte schon Monate auf einen USB Stick warten?
    Was Bing sonst noch bietet, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Die Suche habe ich auch schon benutzt, über Bing Maps beispielsweise bin ich jedoch noch nicht gestolpert.

  • Naja, Paid4 Search ist ja auch in Deutschland nix neues, gibt ja mittlerweile ein paar kleinere Anbieter aber das sich gerade Bing für so etwas entschließt ist doch überraschend, jetzt wo sie mit Yahoo kooperieren…

  • Naja, aber was hast Du erwartet? Dass man bereits nach einem Monat eine DVD erhalten kann? Zu attraktiv darf so etwas ja auch nicht sein, da es dann anfällig für Betrug wäre. Bei der jetzigen „Vergütung“ wird wohl niemand ein „exzessiveres“ Nutzungsverhalten an den Tag legen als ohne Belohnungssystem, da sich der Aufwand nicht lohnen würde. Aber wechseln wird wohl schon der eine oder andere, um dann „nebenbei“ die Credits zu sammeln. Ich find’s gar nicht so dumm und auch nicht soooo unattraktiv.

  • da wäre spenden echt noch das sinnvollste. oder soll ich mich echt noch freuen, nen basecap mit bing-logo auf der napfsülze durch die lande zu tragen? wohl eher nicht…

  • Betrugsanfällig wäre das System auch nicht, wenn die „Entlohnung“ verdoppelt würde. Da gibt es weitaus lukrativere Varianten. Aber immerhin wäre es doppelt so „attraktiv“ für potentielle Nutzer. Wie schon gesagt wurde: Prinzipiell keine schlechte Idee, allerdings mangelhafte Umsetzung.

  • Haha! Nette Idee 🙂 Nach 1 Jahr hab ich dann meinen USB Stick im Wert von 10 Euro Zuhause und Bing hat Daten im Wert von über 1000 Euro über mich gesammelt, die man gut weiterverkaufen kann 🙂
    Google ist bei uns schon eingelebt. Wir können nicht so einfach auf Bing umsteigen!
    We Love Google 🙂

  • Die verkaufen also quasi Produkte, mit ihrer Werbung drauf, gegen Punkte. Woanders bekommt man solche Werbegeschneke kostenlos, ohne seinen Namen etc. rauszurücken.

  • Hab mal gehört, dass bei Google AdWords ein Kunde mit 500.000€ Umsatz eine „Hinstell-Digital-Uhr“ bekommt. Das Teil ist absolut nix besonderes, Wert ca. 5€.

    Ob Bing da soviel mehr bieten kann/wird? Ich bezweifle das doch stark.

  • Hallo,

    die Aktion von Bing finde ich für amüsant. Vor dem Lesen des Artikels dachte ich: „hey die meinen es ernst“ , aber jetzt weiß ich, dass es mit diesen Konditionen wohl ziemlich schwierig wird, daraus ein Erfolgsmodell zu machen…

    Außerdem liegt bei mir schon ein Bing T-Shirt und Mütze im Schrank. Also was soll’s.

  • Hallo,
    dieses Angebot ist nicht neu – Vergleichbares gab es und wie soll es anders sein – ebenfalls aus den USA bereits 1999 unter dem Namen „allAdvantage Inc.“
    Man bekam fürs aktive surfen pro h gestaffelt einen Obulus über 190 Ebenen!
    Die etwas Reiferen unter Euch werden sich ggf. erinnern. Leider ging das US Unternehmen bereits zwei jahre später den bach runter .. mit satten 270 Mio US$ Miesen zumeist Venture Capital… und die Blase war geplatzt

  • allAdvantage kenne ich sogar auch noch. Das war so ganz am Anfang meiner Internet-Zeit. ich hab da sogar wirklich mal eine Auszahlung bekommen, etwa ein halbes Jahr als ich die Surfbar weder genutzt, noch mich daran erinnert habe. Aber alles was danach kam war einfach Mist.

  • Aber was ist denn mittlerweile mit der Zusammenarbeit zwischen Facebook und Bing?
    Ich denke, damit wurde eine Möglichkeit geschaffen dem Suchmaschinenriesen doch zu zeigen, dass er nicht allein auf der Welt ist.

    Sicherlich wird das noch eine ganze Weile dauern, aber der Versuch erscheint mir bisher doch gar nicht mal so dumm. Nur wer sich kreativ auf etwas Neues einlässt kann gewinnen. Uhhh wie dramatisch das gerade klingt, lange rede kurzer Sinn: ich denke diese Aktion wird bald keiner mehr auf dem Schirm haben =)

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