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Forsa-Ergebnis: Großer Informationsbedarf, was mit Apps möglich ist – vor allem bei Senioren

Das sollte App-Entwicklern und -Anbietern in gleichem Maße zu denken geben. Einer Studie zufolge, die vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) in Auftrag gegeben und vom Marktforscher Forsa durchgeführt wurde, fördert nämlich diese Erkenntnis zu Tage: Ältere Smartphone-Besitzer kennen sich kaum oder gar nicht mit den kleinen Anwendungen aus. So weiß ein Großteil etwa nicht, ob sich die nützlichen Programme auch auf seinem oder ihrem  Geräte-Modell nutzen lassen.

„Es gibt noch großen Informationsbedarf, was mit Apps alles möglich ist und wie leicht sie zu bedienen sind“, so BITKOM-Präsidiumsmitglied René Schuster, der auch Chef von o2 in Deutschland ist (weshalb die Aussage auch etwas Interessen-getränkt sein dürfte). Es sieht also so aus, als seien unsere Eltern und Großeltern in diesem Bereich bisher ebenso „übersehen“ worden, wie das vor einigen Jahren bei den für sie verfügbaren Angeboten im Internet der Fall war. Irgendwann folgte dann aber „The Rise of the Silver Surfers“ – verzeiht das Wortspiel – und machte aus den Senioren „die aktivste Nutzergruppe, die es je gegeben hat“ – zumindest auf Facebook, wenn man Joanna Shield Glauben schenken darf. Und wenn ich mir die Zahlen betrachte, die der (N)Onliner Atlas 2010 für Deutschland zutage geführt hat, dann bin ich geneigt, genau das zu tun.

Wenn ich also Entwickler oder Marketing-Stratege wäre, dann wüsste ich jetzt, was das Stündlein geschlagen hat. Ein Teil der älteren Semester (aber sicherlich nicht alle, wie einige andere Trends aufzeigen) sind augenscheinlich willig, sich mit den Entwicklungen im Mobiltelefon-Bereich auseinanderzusetzen. Sie benötigen hierbei aber Unterstützung und die richtigen Angebote.

Weitere Ergebnisse der Studie, bei der 1.000 Deutsche ab 14 Jahren im August 2010 befragt wurden, offenbaren, dass mittlerweile zehn Millionen Deutsche Apps auf ihren Smartphones installiert haben. Im Durchschnitt sind das 19 pro Kopf. „Männliche Smartphone-Nutzer haben nach eigenen Angaben im Schnitt 25 Apps auf ihrem Mobiltelefon, Frauen mit kompatiblen Handys dagegen nur sieben“, heißt es in einer diesbezüglichen Presseinfo. Ich habe mal schnell nachgezählt und darf mich endlich mal wieder „überdurchschnittlich“ nennen: Ich komme auf 87 Apps. Und auch zwischen west- und ostdeutschen Usern gibt es Unterschiede: Erstere nutzen im Schnitt 20, Letztere nur neun Apps.

Es gibt aber auch Smartphone-Verweigerer. Mehr als die Hälfte der Über-14-Jährigen besitzt eigenen Angaben zufolge kein App-taugliches Mobiltelefon. Denen stehen 21 Prozent gegenüber, bei denen das der Fall ist. Fast ebenso viele wissen nicht genau, ob sie auf ihrem Gadget Apps nutzen können. Zu dieser Gruppe hören vor allem die oben angesprochenen Senioren.

(Marek Hoffmann / Foto: Flickr – Fotograf: Photocapy)


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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

14 Kommentare

  • Weder weiss mein Opa was eine App ist noch was ein Smartphone ist. 🙂

    Ich glaube das der Prozentsatz der interessierten Senioren nahezu gegen 0 geht was dieses Technik angeht, kann mich da aber natürlich auch täuschen und lasse mich gerne eines besseren belehren.

  • Praktisch kein Mann benutzt ein Tampon. Daraus ergibt sich ein riesiges Nachholbedürfnis und ein lukrativer Wachstumsmarkt.

    (Das ist die Logik dieses Artikels.)

  • „Das xy ist ein kompaktes Mobiltelefon. Es ist ein unkompliziertes und zuverlässiges Telefon „ohne Schnickschnack“. Ein hoch funktionales Telefon, das auch im zunehmenden Alter sicheren Bedienkomfort bietet und wichtige Notfallfunktionen für den Fall der Fälle bereit hält.“

    Aus deinem Link zu riwer.de

    Übersetzt: Wir wollen mit den Scheiß-Dingern einfach nur telefonieren.

  • Dr.-Schiwago-Mutter: Ja, das schreibe ich doch auch oben, dass es eben NICHT auf alle Senioren zutrifft. Jene aber, die Bock auf Smartphones und Apps haben, fühlen sich damit überfordert und brauchen jemanden, der sie anleitet.

  • Marek, vielleicht verstehen wir beide unter „Senioren“ etwas verschiedenes. Wenn ich meinen Vater anschaue oder meine Schwiegereltern und deren Bekanntenkreis (alle Anfang 70), sehe ich das Potenzial so wie Kalliey®. Die verzweifeln schon am Blutzuckermessgerät, und das hat wirklich nur zwei Tasten.

    Aber möglicherweise fangen „Senioren“ ja heut schon bei 50 an. Na dann bin ich ja auch bald Zielgruppe…

  • @Dr.-Schiwago-Mutter: Gut möglich. Ich verstehe unter Senioren (Silver Surfern oder Best Ager) die Bevölkerung 50+. 🙂

  • Vielleicht ist auch einfach die Oma > 80 in deinem Titelbild Miss Leading, äh missleading meine ich 😉

  • Laut aktueller Pressemitteilung von heute besitzen in Deutschland sechs von zehn Senioren ein Mobiltelefon. (http://www.bitkom.org/de/presse/8477_65332.aspx). Dabei wird leider verschwiegen, wie viele von ihnen ein Smartphone und wie viele ein spezielles „Senioren-Handy“ haben. BTW: Die Ergebnisse beziehen sich auf Menschen ab 65 jahren. 😉

  • Smartphones sind – das erlebe ich berufsbedingt alltäglich, wir bieten Computerkurse für Senioren an – auch für »Senioren« ein sehr interessantes Thema.
    Man muß hier wegkommen von dem weit verbreiteten Eindruck »Senioren« seien begriffsstutzige, lernunwillige, kränkliche Gestalten die mit dem 50 Geburtstag – der in vielen Fällen bereits für den Seniorenstatus ausreicht – plötzlich mutieren und verdummen.
    Es gibt massenhaft Apps die für die Generation 50+ ebenso wie für jene 60+ interessant, hilfreich und spannend sind.
    Auch bei jenen ab 65 ist keineswegs nur ein Großtastenhandy gefragt, auch wenn es sicher Fälle gibt in denen das sinnvoll ist.
    Doch auch hier haben wir Kunden die intensiv Smartphones nutzen, und diese z.B. zu Navigationszwecken, als Mediaplayer (Hörbücher) benutzen uvm.

    Das ganze scheitert in der Regel nicht am mangelnden Interesse, sondern an umständlicher Bedienung, insgesamt oft katastrophaler Usability (alleine das Wording lässt viele schon verzweifeln), denglisch und technikverliebter, statt nutzerorientierter Anleitungen.

  • @Marek: Wenn man als „Senioren“ Personen ab 60 oder 65 Jahren bezeichnet, dann herrschen in dieser Gruppe weder Smartphones noch spezielle Seniorenhandys vor, sondern die klassischen Tasten-Geräte, die bis Ende 2005 verkauft wurden. Der Umstieg auf Touchphones wird erfolgen, wenn auch langsamer als bei der Generation <40 Jahren, die sich mittlerweile im Schnitt alle 18-20 Monate ein neues Handy zulegt. Der Umstieg dauert bei den Senioren einfach länger.

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