Twitter: Internet-Phänomen ohne eindeutige Identität

Marek Hoffmann

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Ich werde aus Twitter in letzter Zeit nicht so recht schlau. Entweder Biz Stone und die anderen Jungs drückt gehörig der Finanz-Schuh. Was aber in Anbetracht der Tatsache, dass man sich in Bälde ein hübsches neues Rechenzentrum in Salt Lake City genehmigen und nach Europa expandieren will und zuletzt angeblich eine neue Investitionsrunde abgeschlossen hat, eher unwahrscheinlich anmutet. Oder das Unternehmen leidet an einer Art Identitätskrise. Hier ist in stark verkürzter Form, was ich damit meine.

Seit geraumer Zeit versuchen die Verantwortlichen des Mikroblogging-Dienstes der Plattform ein eigenes Gesicht zu verleihen. Dafür wandelte man zunächst den Slogan „Was machst du gerade?“ um in ein „Was sagen andere über…?“ und zielte damit darauf ab, „erwachsener“ zu werden. Also weg von den belanglosen Tweets, über die sich seinerzeit schon der ebenso vorurteilsbehaftete wie planlose JBK so populistisch ausgelassen hatte. Und hin zu substantielleren Postings. Das wurde teils durch Twitter-PR und teils durch die User der Plattform geschafft, indem auf die besonderen Möglichkeiten des Dienstes hingewiesen wurde. Etwa, ganz einfach und schnell Links miteinander austauschen, News verbreiten oder gar im Bürgerjournalismus-Stil (Beispiele im ersten Absatz) selbst produzieren zu können. Einige sahen darin den Ersatz für ein eigenes Blog, andere eine neue Nachrichten-Plattform.

Mit diesem Heranreifen und Verändern ging einher, dass die ersten (Werbe-)Kunden endlich einen Grund sahen, in das Unternehmen Geld zu investieren. Auch wenn die gesamte Vermarktung heute immer noch recht unausgereift wirkt, so konnte beispielsweise mit Google und Microsoft ein Millionen-Deal darüber geschlossen werden, Twitter-Statusmeldungen in die Suchmaschinen der beiden Unternehmen zu integrieren. Und es kamen verschiedene Ansätze der Werbung auf der Plattform zum Einsatz, wobei meines Wissens der neueste Promoted Tweets in der Timeline sind. Das kann und wird von den Verantwortlichen sicherlich nur als Beginn der Monitarisierungsbestrebungen angesehen werden. Bei dem Potenzial, das in dem Unternehmen steckt. Welches war das noch mal? Ach ja, Links und News schnell austauschen und Nachrichtenportalen Konkurrenz machen können.

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Und an dieser Stelle komme ich zu der eingangs von mir angesprochenen Problematik zurück. Offenbar kann man sich bei Twitter nicht recht entscheiden, auf welches Pferd gesetzt werden soll. Will man ein „Social Network“ sein? Oder vielleicht doch lieber ein „News Network“? Oder etwas völlig anderes? Sehe ich mir beispielsweise die Definition zu Twitter auf Wikipedia an, wird deutlich, was ich meine: „Twitter ist eine Anwendung zum Mikroblogging. Es wird auch als soziales Netzwerk oder ein meist öffentlich einsehbares Tagebuch im Internet definiert. Unternehmen und Pressemedien nutzen Twitter als Plattform zur Verbreitung von Nachrichten.“

Sobald dieses schizophren anmutende Stadium überwunden wäre, hätte Twitter eine Identität, die dem Dienst in meinen Augen bis heute fehlt. Das bedeutet nicht, dass die USer nicht wüssten, wofür sie Twitter nutzen. Aber das ist nicht das Gleiche. Die Verantwortlichen müssen es wissen, um sich entsprechend für die Zukunft positionieren und gegenüber Werbekunden (und der Konkurrenz) aufstellen zu können. Das ist meines Erachtens bis heute nicht gelungen. Und es könnte auch noch eine Weile dauern.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters verkündete Biz Stone nämlich jüngst, aus Twitter kein News Network machen zu wollen. Das schließe aber nicht aus, so Stone weiter, dass jemand anderes eines aufzieht (oder ein bestehendes weiterentwickelt), das mit dem Twitter-Firehose gespeist wird. Vorstellbar wäre seiner Meinung nach beispielsweise eine Partnerschaft mit verschiedenen Medienpartnern: „Ich denke, ein Twitter News Service wäre etwas, das sehr offen wäre und mit vielen unterschiedlichen News-Organisationen auf der ganzen Welt geteilt würde“, so Stone.

Im Prinzip gleich diese Idee jener, auf der der Suchmaschinen-Deal basiert: Man sieht sich als Lieferant von „Crowdsourced Content“. Das klingt aber irgendwie nicht so schön. Aber zu einer anderen Beschreibung der eigenen Identität können sich Stone & Co. noch nicht durchringen, man könnte dadurch ja den einen User oder anderen Werbekunden verlieren. Bin gespannt, wie lange der Eiertanz noch gutgeht…

(Marek Hoffmann / Foto: Flickr – Fotograf: Jeff Turner)

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Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.