Was passiert, wenn LinkedIn Mails an euer ganzes Adressbuch schickt

Jürgen Vielmeier

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Social Networks machen sorglos. Ich hatte noch die Möglichkeit, es zu verhindern, aber ich dachte mir: Was ist schon dabei. Ein großer Fehler, aber einer, von dem die Unternehmen wollen, dass man ihn begeht. Vor ein paar Jahren schickte mir ein Dienst namens LinkedIn plötzlich eine Mail. Ob ich jenen Bekannten nicht kennen würde und zu meinem persönlichen Netzwerk hinzufügen wollte. Meinem persönlichen Netzwerk? Ich hatte mich nie dort angemeldet. Irgendwann trat ich LinkedIn dann aber doch bei, um für Recherchen über das Thema auf dem Laufenden zu bleiben. Davor und danach bekam ich immer wieder Mails von LinkedIn von möglichen Kontakten, die ich in mein Netzwerk übernehmen sollte. Mails, denen man keine Beachtung mehr schenkt, wenn man täglich etliche von diversen Netzwerken erhält.

Heute Vormittag war es wieder einmal so weit. Ich wollte über die Funktion „LinkedIn Today“ berichten, einen personalisierten Newsaggregator. Stutzig hätte ich schon werden sollen, als LinkedIn mich zwar namentlich begrüßte, mich aber trotzdem prominent bat, mich noch einmal mit meiner E-Mail-Adresse und meinem Passwort anzumelden. Nachdem ich das pflichtschuldig getan hatte, dauerte es verdächtig lange, bis die Anmeldung gelang. Am Ende fragte mich LinkedIn, ob ich knapp 500 neue Kontakte einladen wollte. Mir war es Wurst. Ich benutze LinkedIn so gut wie nie. Mir schlicht egal, was dort passiert, und Kontakte kann man nie genug haben. Also dachte ich mir: Mach du mal.

Wütende Mails, neue Kontaktanfragen

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Aus meiner Lethargie wurde ich erst aufgeschreckt, als meine beste Freundin sich wenige Minuten darauf auf meinem Handy meldete, was die ganzen Spam-Nachrichten in all ihren E-Mail-Postfächern sollen und warum ich so kryptische Nachrichten twittern würde. Oha. LinkedIn hatte mir nicht passende neue Kontakte aus seinem Netzwerk angeboten, sondern mein E-Mail-Postfach nach Adressen durchsucht. Das gleiche, was dem Freund von mir vor ein paar Jahren offenbar auch passiert war. Das Desaster startete ich mit der Funktion, die ich für das Einloggen hielt. Binnen weniger Minuten bekam ich einen Haufen interessanter Antworten:

  • 5 wütende Mails mit der erbosten Frage, was der Schwachfug denn wohl solle, ihnen so einen Mist zu schicken. Ähm, sorry!
  • 4 Außer-Haus-Mails, darunter von einem Ex-Vorgesetzten. Die einzige Mail, den ich je an ihn geschrieben habe, war vor gut zwei Jahren meine Kündigung. Wie er wohl auf die LinkedIn-Anfrage reagieren wird…
  • 3 Antworten von Bekannten, die mir sagten, sie seien schon auf Xing und Facebook und hätten keine Lust auf noch ein Netzwerk, noch dazu so ein zwielichtiges
  • 4 Antworten von Bekannten, die mir mitteilten, sie hätten sich bei LinkedIn abgemeldet. Ob ich mich nicht lieber auf Xing mit ihnen vernetzen wolle.
  • 5 neue Kontakt-Anfragen auf Xing
  • 11 neue Kontaktbestätigungen auf LinkedIn
  • Jeweils 1 kryptischen Cross-Post auf Twitter und Facebook von meinem Posterous-Account, mit dem ich LinkedIn offenbar verbunden hatte. Dort frage ich mich selbst, ob ich nicht mit mir verbunden sein möchte.

Wir alle sind zuweilen DAUs

Nehmt das als abschreckendes Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Natürlich war das meine eigene Schusseligkeit und Sorglosigkeit. Aber ich kenne euch und weiß, dass ihr auch nichts besser seid. Jeder, so intelligent er auch sein mag, kann in einem schwachen Moment etwas unglaublich Dummes machen. Sprich: Ein jeder ist ein DAU (dümmster anzunehmender User), mehr oder weniger häufig. Viel interessanter finde ich die Tatsache, dass LinkedIn sich diese menschliche Schwäche für seine aggressive Expansionspolitik zu Nutze macht. Dass das Durchsuchen des Adressbuches der Abfrage nach dem Passwort ähnelt, ist ja kein Zufall. Man rechnet ganz offensichtlich damit, dass es Leute geben wird, die a) darauf hereinfallen und b) sich nichts dabei denken. So bekommt man Zugang zu den Adressbüchern und kann seine Nutzerzahlen enorm in die Höhe treiben. Deswegen bietet man diese Funktion überhaupt an.

LinkedIn hat inzwischen über 90 Millionen Mitglieder. Viele dürften auf oben genannte Weise zum Netzwerk dazu gestoßen sein. Genau das macht diese hohe Nutzerzahl in meinen Augen so wenig wertvoll. Eine Nachricht habe ich aber auch an LinkedIn: Der Dienst LinkedIn Today, von den dieser Beitrag eigentlich handeln sollte, ist mir jetzt herzlich egal. Das war es dann mit LinkedIn und mir. Und statt LinkedIn Today empfehle ich euch Flipboard, wenn ihr ein iPad habt, und Paper.li, wenn nicht. Beide gefallen mir im Übrigen auch besser. In Bezug auf Kontaktnetzwerke, kann ich nur wiederholen: Xing, bitte beschleunigt eure Auslandsexpansion!

(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.