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Google Docs: Die Groupware, die Wave niemals war


Erinnert sich noch jemand an Google Wave, eine Groupware, die viele Vorschusslorbeeren erhielt, dann schnell vergessen und bald von Google wieder aufgegeben wurde? Nun, es scheint, als habe Google der Wunsch nach einer eigenen Groupware nicht losgelassen. Und so baut man in letzter Zeit Google Docs immer mehr zu einer solchen aus, mit praktischeren Tools als Wave sie hatte. Gestern hat Google eine Kommentarfunktion für Docs vorgestellt. Nun kann man nicht mehr nur mit Anderen zusammen an Dokumenten arbeiten, sondern auch mit ihnen chatten.

Zur Kommentarfunktion lassen sich auch Kollegen ohne Google-Mail-Konto einladen. Man kann einzelne Mitglieder aus einer großen Diskussion herausziehen und mit ihnen kleinere Gesprächsgruppen bilden. E-Mails informieren auf Wunsch über den Lauf einer Diskussion. Dank @-Mentions erreichen Kommentare nicht alle, sondern nur gewünschte Gesprächspartner. Starten lässt sich eine Diskussion über den Menüpunkt „Discussions“.

Volle Breitseite auf Microsoft

Docs und Apps scheinen zurzeit Googles Hauptinteresse zu gelten. Für kaum ein anderes Google-Produkt gibt es so viele neue Funktionen in so kurzen Abständen. Man scheint ein besonderes Interesse daran zu haben, denn hier kann man dem großen Konkurrenten Microsoft am besten in die Parade fahren. Google Docs ist im Verlauf der letzten Jahre zu einem vollwertigen Office-Produkt mit immer mehr Groupware-Funktionen geworden. An Docs gefällt mir besonders…

  • die auf das Wesentlichste reduzierte Menüstruktur
  • die übersichtliche Dateiliste
  • der schnelle Zugriff auf die in der Cloud gespeicherten Dokumente von allen Rechnern und dem Smartphone aus
  • dass Google noch ein Zeichenprogramm obendrauf gelegt hat.

Und jetzt also noch die Möglichkeit, mit anderen bei der Zusammenarbeit zu kommunizieren. Googles Office-Lösung braucht sich vor Microsofts Office 2010 nicht zu verstecken. Die für Wave gedachten Groupware-Funktionen kommen nach und nach durch die Hintertür dorthin, wo sie sinnvoll sind. Und Wave selbst findet als Open-Source-Projekt Einsatz, etwa für Novells Vibe Cloud als Unternehmenssoftware. Produkte sterben, Ideen leben weiter.

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

14 Kommentare

  • Wir nutzen mittlerweile auch extrem viel Google Apps bei uns im Unternehmen weil es einfach in der Zusammenarbeit großartig funktioniert. Man hat von überall zugriff auf die Dokumente und die neue Kommunikationsfunktion ist auch großartig.

    Dummerweise nimmt er bei uns nicht die Kontakte aus Google Apps sondern die aus den Privaten Gmail Accounts.

    Aber sonst funktioniert es wirklich fantastisch.

  • Google Docs als „vollwertiges Officeprogramm“ zu bezeichnen ist Blasphemie. Das ist es nichtmal ansatzweise.
    Gerade die Tabellenkalkulation ist von einem Excel noch LICHTJAHRE entfernt. google spreadsheets erkennt nochnichtmal daten. google docs bietet keine echte seitenansicht usw. und so fort

  • Ich frage mich eher was haben Unternehmen wie Google oder Microsoft, ect. davon Kostenlose Cloud Office Lösungen Anzubieten , reine Nächstenliebe wird es ja sicher nicht sein?
    Schließlich kosten die Server ja Geld welches man wieder Erwirtschaften muss und da fällt mir nur die Auswertung dieser Daten, Dokumente ein wie schon bei beim „Google-Mail-Konto“, zwecks Werbeinteressen oder auf noch ganz Anderes.
    Leider wird auch in diesem Artikel darüber Geschwiegen!

  • Die Leute, die google von ihrem Etherpad weggekauft hat, haben ein Jahr gebraucht, um da die Etherpad-Funktionen reinzubauen? Finde ich persönlich ziemlich lange.

    Was ist eigentlich mit der History? Gibts die da?

  • Gleichwertig sind die Produkte (MS Office G Docs) wirklich nicht. Viele, wenn auch speziellere Funktionen sind in Docs noch nicht vorhanden (Serienbriefe, viele viele Excel-Funkt. usw.). Aber – für die Hausgebrauch und auch im Geschäft reicht das meist aus. Ob die Groupware-Funkt. das ausgleichen, muss jeder für sich entscheiden.

    Viel wichtiger ist der leidige Punkt Datensicherheit. Selbst mit unwohl dabei meine privaten Finanzen, Lebensläufe und Bewerbungen in der Cloud abzulegen oder auch nur zu bearbeiten. Aber ist vielleicht auch nur eine Frage der Zeit bis man sich daran gewöhnt hat…

  • @basic: Darüber hätte ich nur spekulieren können. Wenn du Einblick in Google-Interna hast, sag mir Bescheid! 😉

    @LennStar: Was meinst du mit History?

    @Janssens, @Fabian: Nein, sie sind nicht gleichwertig, ganz klar. Aber Docs bieten die Funktionen, die den meisten ausreichen dürften. Gut möglich aber auch, dass es an mir liegt. Ich benutze kaum noch Office-Programme und wenn, reichen mir rudimentäre Funktionen.

  • mir is letzt bei google’s excel ne datei abgeraucht – die daten konnten einfach nicht mehr wieder hergestellt werden. seitdem bin ich mit der cloud en bischen vorsichter geworden; die daten waren im meinem fall halt doch nicht sicher….also en lokales backup ziehen….und dann kann ich (fast) wieder excel nehmen 😀

  • @Jürgen Vielmeier:

    Mit History meine ich die Zeitleiste, auf der man einen Schieberegler von links nach rechts schieben kann und dann sieht, wie das Dokument zum jeweiligen Zeitpunkt aussah.

    Macht sich bei großen Texten arg fummelig, da jede Buchstabenänderung drin ist, aber man kann ja auch bestimmte Versionen abspeichern und diese gezielt aufrufen. (Bei Etherpad, bei google weiß ichs nicht.)

  • Ich habe in meinem Unternehmen vor einem Jahr Google Apps eingeführt und hab es nicht bereut. Natürlich ist Docs kein Excel aber in 95% kommt man gut klar. Die Sharingfunktionen sind einfach zu gut. Mit den aktuellen Updates ( Offline und Verbesserung in Docs wie z.B. Seitenzahlen) sind unsere größten Kritikpunkte auch beseitigt.

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