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Gesichter klar erkennbar: Nokias 3D-Webkartendienst Ovi Maps mit Problemen

Straßenansichten werden zum Trend und die Probleme damit wiederholen sich. Google startete mit Streetview, Microsoft zieht derzeit in Deutschland mit Bing Maps StreetSide nach – und mit Nokia fällt die Klappe jetzt zum dritten Mal. Die Finnen haben ihr Kartenmaterial im Web um eine 3D-Ansicht erweitert: Für 20 Städte in Europa und Nordamerika startet Ovi Maps jetzt in einer 3D-Ansicht. Fünf Städte davon, darunter London und San Francisco, erhalten eine Panorama-Ansicht nach dem Vorbild von Google Streetview. Die Bilder sind erstaunlich scharf. So scharf, dass man nicht nur Details von Sehenswürdigkeiten wie dem Big Ben und der Golden Gate Bridge erkennen kann, sondern auch Nummernschilder und Gesichter.

Denn die hat Nokia offenbar nur notdürftigst verpixelt. Wie ihr im Bild oben etwa seht, sind nur einige der Gesichter leicht verfremdet. Die Mehrheit der Fußgänger ist klar erkennbar. Der gähnende Mann oben könnte zum Beispiel mein früherer Abteilungsleiter sein, der mit dem Handy am Ohr einer der Baldwin-Brüder, das Mädel dahinten sieht aber süß… Nein, das darf es eigentlich nicht sein, was man unter einem Beta-Status versteht, in dem sich Ovi Maps 3D noch befindet. Die Nachricht über den Start des Dienstes kam vorhin per internationaler Pressemeldung. Nokia nennt die Panorama-Ansicht darin „road-level imagery“ (Straßenansicht). Verfügbar ist sie neben London und San Francisco auch in Oslo, Kopenhagen und Helsinki. Mehr Städte sollen nach und nach folgen. Vermutlich wird es Nokia aber erst einmal mit Datenschützern zu tun bekommen.

Update: Nokia-Deutschland-Kommunikationschef Benjamin Lampe weist mich auf die Möglichkeit hin, sich bei Ovi Maps austragen zu lassen, was Datenschützern aber vermutlich nicht genügen wird:

Dazu können Sie im rechten, oberen Bildrand klicken und uns kontaktieren. Innerhalb von 48 Stunden wird dann die gewünschte Änderung vorgenommen.

Über den Umstand, dass Gesichter erkennbar sind, will er die zuständigen Mitarbeiter kontaktieren.

In den übrigen 15 Städten kann man sich eine erweiterte Vogelperspektive der Häuserreihen ansehen. Damit orientiert sich der Handy- und Softwarehersteller an Microsofts Bing Maps. Anders als bei Google Earth schielt die Kamera bei höchstem Zoomfaktor dabei nicht senkrecht nach unten, sondern ein wenig schräg, so dass man auch Häuserfassaden erkennen kann. Bis auf die fehlende Verpixelung steht Ovi Maps 3D den Konkurrenten damit in nichts nach. Es könnte daran liegen, dass beide auf den gleichen Bildlieferanten Navteq setzen.

Die Handhabung funktioniert ähnlich wie bei Streetview mit gedrückter Maustaste direkt im Bild oder mit Navigationssymbolen im Funktionsmenü unten. In verfügbaren Städten startet ein Klick auf den Kopf des Personensymbols die Straßenansicht. Das Navigieren funktionierte auf meiner alten Klapperkiste recht gemächlich. Das tat es aber bei Streetview auch. Technisch gesehen also eine schöne Spielerei. Was den Persönlichkeitsschutz angeht, sollte Nokia aber schnellstens nachbessern.

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

14 Kommentare

  • Es ist doch immer wieder das Gleiche 😉 Aber mal ganz im Ernst, solange ich mich in der Öffentlichkeit bewege – spielt es eigentlich keine Rolle auf iwelchen Fotos enthalten zu sein. Viel schlimmer ist es, wenn die Privatsphäre verletzt wird. Da sollte die Grenze gezogen werden. So könnte ein besonders fieser Mensch auch gerade die Häuser anschauen wollen, die versteckt worden sind. Ist es wirklich so schlimm in Zeiten, in denen das Telefon, die Bankkarte und das Bewegungsprofil im Internet eh schon synchronisiert wird?

  • Sehr Unterhaltsam geschrieben, is dir auf jeden fall gelungen der Artikel 😉 Zur Thematik: Ich bin ja mal gespannt wie sehr das in den Mainstream Medien breitgetreten wird. Ich vermute ja mal fast nichts, ist ja nicht Google und so…..

  • @1 Chris
    … solange ich mich in der Öffentlichkeit bewege – spielt es eigentlich keine Rolle auf iwelchen Fotos enthalten zu sein…..

    Nein , das Recht an diesem Foto gehört der Person.
    Es darf zwar prinzipiell Fotografiert werden aber das Bild ohne ein Einverständnis der Person nicht Veröffentlicht werden ohne sich strafbar zu machen, auch jedes Printmedium braucht eine Genehmigung.
    Es konnten also neben der Kritik von Datenschützern durchaus auch viele Privatklagen auf Nokia zukommen.

    Zumal es gar nicht nötig wäre , es gibt durchaus schon Software Verfahren welche Personen oder Fahrzeuge vollständig aus Bildern entfernt , dies also nur eine Kostenfrage ist!
    Aber wieder ein Beispiel das datenschutzrechtliche Selbstverpflichtungen mit der Industrie nicht Klappen und ein Gesetz nötig wäre.
    Nur wird der Daten- oder Verbraucherschutz dank tatkräftiger Industrie Lobby in der EU stiefmütterlich behandelt.

  • @ Basic das ist so nicht ganz richtig -das ist ne ziemliche Grauzone. Denn eigentlich ist es auch relevant ob die abgebildeten Personen im Fokus sind oder nicht. Wenn ich ne Portrai-Aufnahme mache – klar mach ich das Einverständnis der Person, wenn ich aber ne Kirchefotografiere für einen Bildband oder so frag ich ja auch nicht alle Passanten die zufällig mit oben sind.

  • @5 Joogi
    Stimmt schon , nur wenn sich der erste „Prominente“ dort wiedererkennt , gibt es garantiert Klagen 😉 gerade in England

  • Interessant… Wenn solch eine Panne bei Google passiert wäre, dann würden jetzt alle Medien, Politiker und Datenschützer auf Google losgehen. Wenn es aber Microsoft oder Nokia passiert, dann interessiert es niemanden.

  • Oder es gab schlicht und ergreifend genug Informationen, um entsprechend sensibilisiert (oder neutralisiert) durch die Gegend zu wandern. Schlussendlich muss man doch vernünftig bleiben. Wenn mein Haus im Netz stünde – es wäre mir so rattigst egal… Solange man nicht beim FFK im Garten abgelichtet wird ist doch alles in Butter.

  • @8 WebGuerilla
    Noch gibt es den Dienst ja nicht in Deutschland ….

    Aber du hast es schon richtig Erkannt,
    da die Politik und Industrie viel „Abhängiger“ von Microsoft sind als von Google haben sie natürlich einen „besseren“ Stand auch wenn sie das gleiche Machen bekommen sie eine bessere Publicity.
    Man stelle sich vor Microsoft wäre verärgert und erhöhe zb. ihre Software Linzenzkosten oder Kündigt Sonderkonditionen , das würde dem Staat oder der Industrie einiges Kosten …..
    Google wäre noch Verzichtbarer oder ja Kostenlos ….

  • Sonst noch Wünsche? Und ein Augmented Reality Navigationssystem sollte am besten auch die Gesichter verpixeln. Und wo wir schon dabei sind jegliches Bedenken aus dem Weg zu räumen, Kameras müssen in Zukunft auch verpixeln um nicht auch noch anzustiften gegen die Menschenrechte zu verstoßen.

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