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Was Twitter von TweetDeck übernehmen sollte: lange Tweets mit Deck.ly


Twitter hat heute die Übernahme des Unternehmens und Twitter-Clients TweetDeck offiziell bekannt gegeben und damit die Gerüchte der vergangenen Tage und Wochen bestätigt. Twitter kündigte in einem Blogpost dazu an, man werde weiter in TweetDeck investieren, das die Nutzer kennen und mögen. Gleichzeitig spricht TweetDeck-Gründer Iain Dodsworth in einem Blogpost über Veränderungen, die nun wohl bevorstünden. Beides ist vermutlich richtig. Twitter wird TweetDeck zumindest nicht abschalten, was von Pessimisten befürchtet worden war. Ich erwarte eher, dass Twitter TweetDeck umbauen und ihm seinen eigenen Stempel aufdrücken wird.

Eins sollte Twitter dabei in Betracht ziehen: den Langnachrichtenservice Deck.ly in seine App-Welt mit aufzunehmen und stärker zu fördern. In den vergangenen Tagen und Wochen habe ich immer mehr lange Tweets gesehen, die mit Deck.ly erstellt wurden. Deck.ly ist ein Service von TweetDeck, der Tweets mit mehr als 140 Zeichen erlaubt, also eine Art MMS für Twitter. Im Tweet erscheint dann bei Überschreiten der Zeichenzahl ein Link zu einer ansprechend gestaltete Website, auf der man die Nachricht weiter im Web teilen konnte. Ohne Twitter im Rücken war Deck.ly wenig sinnvoll. Würde der Zwitscherdienst Deck.ly aber nun in all seine Apps einbauen, könnte ein interessanter neuer Ableger entstehen, der Twitter einen Mehrwert bietet.

An Änderungen an TweetDeck erwarte ich zum einen ein Ende der Unterstützung für andere Nachrichtensysteme wie Facebook, LinkedIn und Google Buzz. Diese konnte man mit einer Nachricht auf TweetDeck bislang crossposten, Twitter hätte davon aber keinen Vorteil. Einzelne Icons wird Twitter zum anderen mit Sicherheit optisch anpassen. Die Unterstützung fremder Linkverkürzer wird wohl aufgegeben, wie das schon in Twitters offizieller iPhone-App der Fall war. Und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Twitter auch einen eigenen Bildverkürzer einführen oder Twitpic aufkaufen wird. Am Mehrspaltenlayout der App wird Twitter dafür mit Sicherheit festhalten. Das hat TweetDeck erst zur bevorzugten App vor allem für Poweruser gemacht.

Die Übernahmeschlacht hatte sich lange hingezogen. Im Februar lauteten erste Meldungen, der Client-Spezialist UberMedia hätte TweetDeck übernommen. Da die Verhandlungen aber noch nicht unter Dach und Fach waren, war Twitter in die Bieterschlacht eingestiegen. Der Kaufpreis für das kleine Unternehmen mit Sitz in London dürfte bei stolzen 40 bis 50 Millionen US-Dollar liegen.

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

15 Kommentare

  • Solange die 140+ Tweets es dann auch wert sind, das man klickt… Meine persönliche Erfahrung damit war nämlich bisher: Langer Text, deck.ly Link – und auf der Seite dann noch 10 Zeichen und ein Link nach irgendwo. Da kann man sich die 10 Zeichen extra auch sparen und direkt verlinkten.

  • Wenn Twitter auf Deck.ly setzt, dann läuft man doch gegen sein Gründungskonzept. Ich entfolge bislang jeden, der auch nur wagt einen „Twittlonger“ zunutzen. Man sollte nicht vergessen, dass es bei Twitter eine große Gemeinde gibt, die diese Dienste verabscheuen. Und die werden Twitter spüren lassen, dass sie das nicht gut finden.

  • Ich kann mich meinem Vorredner Rene nur anschließen. Meiner Meinung nach braucht es keine Tweetverlängerer für sinnvolle Inhalte. Wer stattdessen sein Hirn anstrengt und ein wenig sprachlich experimentiert, bekommt Inhalte auch in 140 Zeichen komprimiert.

    Andernfalls ist Twitter vielleicht nicht das richtige Werkzeug und man sollte lieber gleich zu einem Blog greifen. Der RSS-Feed wird dann zur Timeline und man kann so lange Texte schreiben, wie man möchte.

    Wenn Twitter sich auf seine Wurzeln besinnt, muss die logische Konsequenz genau das Gegenteil des im Artikel geäußerten Ratschlags sein: das Ausschalten von Deck.ly

  • Was vor Twitter funktionierte jetzt auch bald mit Twitter: Lange Kurznachrichten mit mehr als 140 Zeichen. Eine echte Innovation 😉

  • Stimme euch zu. Der Sinn von Twitter sind die 140 Zeichen. Gerade das macht Twitter doch aus. Jede Information + Link passt in 140 Zeichen. Ich folge niemandem, der längere Texte schreibt. Nicht weil ich aus Prinzip dagegen wäre, aber bisher habe ich bei diesen Texten keinen Mehrwert feststellen können.

    In letzter Zeit hat es oft geheissen, Twitter sei gegen Entwickler von externen Diensten rund um Twitter. Ich glaube vielmehr, dass Twitter einfach sein Konzept bewahren möchte. Twitter sind 140 Zeichen! Fotos, Videos und sämtliche Dienste drum herum, machen daraus ein Facebook-Clone. Die Einzigartigkeit von Twitter geht dann verloren.

  • Gerade wegen der zunehmenden Anzahl von verstümmelten Postings in Twitter finde auch ich diese Entwicklung alles andere als wünschenswert.

  • Wunderbar zu hören, dass Twitter weiter in Tweetdeck investieren will. 🙂
    Was die 140+ Tweets angeht, kann ich meinen Vorrednern aber nur zustimmen: Ich will gar nicht mehr. Wer länger schreiben will, kann sich einen Blog zulegen und seinen Tweet zum Beitrag verlinken – wenn der Tweet interessant ist, werde ich den Beitrag auch lesen. Aber Endlos-Tweets sind mühsam – und meistens bringt das Plus an Zeichen leider auch kein Plus an Info.

  • Schon paradox, wenn als Mehrwert das Grundprinzip von Twitter (140 Zeichen) geändert wird. Allerdings stammt die 140-Zeichen-Begrenzung ja von der Ursprungsidee, Tweets per SMS zu versenden/empfangen. Dann wären noch 20 Zeichen für Werbung übrig gewesen. Im Web erscheinen 140 Zeichen natürlich random, es könnten auch 170 sein. Nur beliebig lang sollten Tweets nicht sein können – denn dann würde Twitter eine grundlegende Charakteristik verlieren.

  • @Miles: „Jede Information + Link passt in 140 Zeichen. Ich folge niemandem, der längere Texte schreibt.“

    Also das finde ich jetzt eine ziemlich „mutige“ Aussage.

    @Markus Möller:

    „Wer stattdessen sein Hirn anstrengt und ein wenig sprachlich experimentiert, bekommt Inhalte auch in 140 Zeichen komprimiert.“

    Das gleiche. Wie man jede Information, jeden Text, jede Prosa, jede Erklärung für etwas Komplexes in 140 Zeichen packen soll, müsst ihr mir mal erklären.

    Ich will natürlich auch, dass Twitter Twitter bleibt. Seht Deck.ly vielleicht weniger als die Möglichkeit, lange Tweets zu schreiben, als als Möglichkeit, sein Blog in den Wind zu schießen. Wenn man den Dienst entsprechend ausbaut, kann eine Blog-Community darum entstehen, so dass man Twitter gar nicht mehr verlassen muss.

  • @Jürgen Aber das kann doch auch nicht das Ziel sein. Alles nur noch auf Facebook und Twitter veröffentlichen? Wer eine Blogcommunity haben will soll sich bei wordpress.com anmelden. Wir brauchen Pluralität und nicht ein Dienst, der alles anbietet. Gähn.

    Außerdem muss ich Markus Recht geben. Klar, man kann nicht ALLES in 140 Zeichen packen, aber vieles auf innovative Weiße. Nicht umsonst hat TinyTales den Grimme Preis. Den hätte er bestimmt nicht, wenn seine Geschichten 500 Zeilen lang wären, mit Hilfe von Twittlonger.

    Wer wirklich will, dass Twitter keine Beschränkung mehr aufweißt und das tust du ja mit Deck.ly, der sollte sich von Twitter verabschieden und voll auf Facebook setzen. Der Reiz von Twitter ist das Limit.

  • Also ich kann mich den Großteil der Meinungen nur anschließen, 140 Zeichen reichen völlig aus und mehr ist in meinen Augen auch nicht nötig!!!

  • @Jürgen: „Wie man jede Information, jeden Text, jede Prosa, jede Erklärung für etwas Komplexes in 140 Zeichen packen soll, müsst ihr mir mal erklären.“

    Es geht vielleicht gar nicht darum, ALLES reinzupacken. Ein Anreißer + Link zu weiteren Infos sind doch genug. Twitter wird doch immer als „schnelles“ Medium angepriesen. Und das auch deswegen, weil man die Kurz-Infos überfliegen kann. Wer mehr wissen möchte, folgt dem Link, ließ einen Blog-Artikel, schaut bei Wkipedia nach…

    Zum Thema Prosa wurde ja bereits @TinyTales erwähnt. Ein wunderbares Beispiel, das kurz gut ist.

    Das ganze gilt meiner Meinung nach auch für die von dir angesprochenen Erklärungen. Ich bin fest davon überzeugt, dass ein Wikipedia in 140 Zeichen funktionieren kann. Eben in solchen Situationen, in denen man schnell mal eine Kurz-Info braucht.

    Das Projekt, das genau eine solche 140-Zeichen-Erklärmaschine umsetzt, kennst du ja.
    Den anderen erspare ich die Eigenwerbung (pssst, einfach mal auf den Gravatar klicken) 😉

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