Twitter plant eigenen Fotodienst, wird Twitpic und Co. den Garaus machen

Jürgen Vielmeier

Beim Geld hört die langjährige Freundschaft auf: Nach Insider-Informationen des Techblogs All Things D will Twitter morgen auf der D9-Konferenz einen eigenen Dienst vorstellen, mit dem Nutzer Fotos und vielleicht auch Videos in ihre Tweets integrieren können. Dies ging bislang nur über die Services Dritter wie Twitpic, Yfrog, Img.ly oder MobyPicture. Und eben diese Dienste dürften künftig nicht mehr viel zu lachen haben, nachdem sie sich jahrelang auf Twitters Politik verlassen konnten, auf Apps und Services Dritter zu verlassen.

Damit ist mehr und mehr Schluss: Erst mit dem umstrittenen Update seiner iPhone-App hatte Twitter im Frühjahr still und heimlich Linkverkürzer wie Bit.ly und Is.gd von seiner Plattform verbannt. Jetzt kommen also die Bildarchivierdienste dran. Der Grund: Twitter will mit Image-Werbung Geld verdienen.

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Yfrog-Betreiber ImageShack und der Mitbewerber Twitpic haben Millioneninvestitionen hinter sich und verdienten bislang recht gut mit Werbung auf ihren eigenen Websites. Die Bilderdienste ließen sich bislang allerdings auch problemlos werbefrei in den jeweiligen Clients des Kurznachrichtendienstes einbauen. Twitter könnte das bei seinem eigenen Angebot ändern. Ärgern dürfte sich jetzt Twitpic-Gründer Noah Everett. Er hatte vor gut einem Jahr die Chance, seinen Dienst für rund 10 Millionen US-Dollar zu verkaufen, lehnte aber ab, weil ihm die Arbeit zu viel Spaß machte. Schon damals verdiente er mit Twitpic rund 1,5 Millionen Dollar im Jahr alleine durch Anzeigenwerbung. Gerüchte gab es auch immer wieder, dass Twitter Twitpic übernehmen könnte. Das Geld investiert man jetzt aber lieber anderswo: Laut Techcrunch steht Twitter in Verhandlungen mit dem Werbemarktplatz AdGrok über eine Übernahme bei einem Preis von rund 10 Millionen Dollar.

Twitter hat seine Produktpolitik in den vergangenen Monaten um 180 Grad gedreht. Clients und Apps, die auf Twitter zugreifen, wird zunehmend das Leben schwer gemacht. Laut Chefentwickler Ryan Sarver sollten externe Entwickler keine Apps programmieren, die Twitter imitierten oder die Nutzerfreundlichkeit herabsetzten. Man darf also davon ausgehen, dass Twitter sich zu einem geschlossenen Ökosystem entwickeln wird. Das ist schade, war Twitter doch gerade in den Anfangsjahren für seine APIs und Offenheit berühmt. Einige Dienste wie das kürzlich übernommene Tweetdeck haben dem Kurznachrichtendienst geholfen zu wachsen. Das Foto der Hudson-River-Notwasserung einer Airbus-Maschine, das um die Welt ging, lud ein Nutzer via Twitpic auf Twitter hoch.

Was Twitter aber in letzter Zeit unternimmt, ist ein Paradebeispiel für das Motto „Wenn du es bis nach oben geschafft hast, vergiss die Leute, die dich dorthin gebracht haben“. Bekanntlich trifft man sich aber immer noch ein zweites Mal im Leben – das nächste Mal dann auf dem Weg nach unten.

(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.