Turbulentes Wochenende: HP verramscht TouchPads jetzt auch in Deutschland [Update]

Jürgen Vielmeier

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Update: Massive Preissenkungen jetzt auch in Deutschland

Auflösungsgerüchte (und -erscheinungen) einer Rockband sind oft die beste Verkaufsförderung. So ähnlich verhält es sich gerade offenbar auch mit HP und dem vermeintlichen Ende von WebOS. Zieht man die Verkaufszahlen und Marktanteile der WebOS-Geräte zu Rate, konnte man sich bis vergangenen Donnerstag eigentlich sicher sein, dass nur ein eingeschworener Kreis von Fans das System und seine Geräte überhaupt kannte. Seit dem verkündeten Ende am Freitag scheint sich das grundlegend geändert zu haben. Seitdem habe ich mit App-Entwicklern, jungen Vätern und Hausfrauen über WebOS gesprochen. Jeder scheint eine Meinung dazu zu haben und sich überraschenderweise gut damit auszukennen.

Aber mehr noch: Nachdem das TouchPad am Wochenende in den USA kurzerhand bei BestBuy für 99 US-Dollar (statt 399) für die 16-GByte-Version und für 149 statt 499 Dollar für die 32-GByte-Version verramscht wurde, schnellten auch die Verkaufszahlen nach oben. Das Tablet ist bei dem Händler inzwischen ausverkauft. HP, ich glaube langsam immer mehr, es war ein großer Fehler, was ihr da beschlossen habt. Seit Freitag überschlagen sich die Ereignisse und Meldungen: Microsoft lockt WebOS-Entwickler, HP will Käufer entschädigen, die zu viel für das TouchPad gezahlt haben, und auch Hitler ist gar nicht amüsiert über das Ende von WebOS. Auch in Deutschland werden die Geräte jetzt verramscht.

Microsoft ködert WebOS-Entwickler

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Auch im deutschen HP Store hat der Ausverkauf jetzt begonnen, wie das WebOS-Blog sofort herausgefunden hat. Der HP Store ging – vermutlich aufgrund der Ankündigung – in die Knie und ist im Moment extrem langsam. Das TouchPad mit 32 64 GByte ist dort jetzt für 179 Euro zu haben, das 16 32-GByte-Modell für 129 Euro, die 16-Gbyte-Version für 99 Euro, das Pre 3 für 79 Euro, das Veer für 59 Euro. Laut einem Bericht von „The Next Web“ soll das WebOS-Team keine Lust mehr auf eine Weiterentwicklung im Hause HP gehabt haben. Grund dafür soll die langsame Hardware für das TouchPad und das Smartphone Pre gewesen sein. Angeblich hatte das Team WebOS auf einem iPad installiert, wo es bei Tests doppelt so schnell gelaufen sei. Kunden, die das Tablet in den vergangenen Tagen für den ursprünglichen Preis gekauft haben, sind entsprechend wütend über den Ausverkauf am Wochenende. HP hat allerdings angekündigt, die Tablets auf Wunsch zurückzunehmen und den Preis zu erstatten oder ihnen die Differenz zu bezahlen.

In der Zwischenzeit hat Microsoft Lunte gerochen und will frustrierte WebOS-Entwickler zum eigenen System Windows Phone locken. Chefentwickler Brandon Watson schrieb auf Twitter: „Wir geben euch, was ihr braucht, um auf Windows Phone erfolgreich zu sein, darunter kostenlose Geräte, Entwicklertools, Schulungen und mehr.“ Microsoft will offenbar dem gleichen Schicksal entfliehen und muss nun kräftig für sein eigenes System trommeln. Wie Richard Kerris von HPs WebOS-Team aber überraschend ankündigte, will man das System weiter entwickeln, verbessern, Apps dafür entwickeln und Schulungen dafür halten. Demnach hätte man sich alleine von der Hardware getrennt, nicht vom System selbst.

Apotheker der Schuldige?

Aber was bringt das noch, wenn es keine Geräte mehr dafür gibt? Da die Nachfrage offenbar hoch ist – zumindest wenn man die Hardware billig verkauft – wäre es für den einen oder anderen Hersteller sicher nicht völlig uninteressant, WebOS zu übernehmen oder zu lizenzieren. Aber wer sollte dafür in Frage kommen? Samsung hat sich auf Android und das eigene System Bada eingeschossen, Motorola ist nun fest mit Google und Android verbandelt, Nokia mit Microsoft und Windows Phone. Blieben von den namhaften Herstellern eigentlich nur noch HTC und LG. Aber ich wage mal die Prognose, dass die beiden den Teufel tun werden, für WebOS noch Geld auszugeben. HP kann das System nur retten, wenn man es wie Android lizenzfrei anbietet.

In der Zwischenzeit wirft Reuters HPs deutschen Chef Léo Apotheker vor, das Unternehmen vor die Wand zu fahren. Seit der bei dem IT-Riesen den Chefposten inne hat, habe das Unternehmen 44 Prozent an Wert verloren. Besonders nach den Ankündigungen am vergangenen Freitag war HPs Aktienkurs zeitweilig um 25 Prozent abgestürzt. Offenbar hatten auch die beiden hochrangigen Manager der WebOS-Sparte, Jon Rubinstein und Todd Bradley, bis fünf Tage vor der Bekanntgabe keine Ahnung vom Ende der WebOS-Hardware im Hause HP. Die Führungsebene um Apotheker muss sich erst sehr kurzfristig auf das Ende der WebOS-Hardware verständigt haben. Ein wenig Ironie noch zum Schluss? Laut einer Umfrage von Robert W. Baid und Co. rangiert das TouchPad mit 10,4 Prozent Zuspruch auf Platz 2 der beliebtesten Tablets. Spitzenreiter der Tabelle (Mehrfachnennungen waren möglich) ist Apples iPad – mit einem Interesse von 94,5 Prozent.

(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.