HP will weitere TouchPads verkaufen, zumindest einige

Jürgen Vielmeier

TouchPad

Was war das für ein Aufruhr vor gerade mal einer Woche, als HP sein Tablet TouchPad für Preise ab 99 Euro und Dollar respektive vercheckt hat. Die Server des HP-Stores gingen in die Knie, ein Bestellen war praktisch nicht mehr möglich, Zwischenhändler wurden überrannt, die meisten Interessenten guckten in die Röhre. Danach waren die begehrten Flundern praktisch ausverkauft, stehen dank des Schlussverkaufs mittlerweile angeblich auf Platz 2 der Hitliste der meist verkauften Tablets.

Und das hat wohl selbst HP überrascht. Deswegen hat der Konzern gestern in einem Blogbeitrag bestätigt, dass noch eine Produktionslinie des TouchPads in den Verkauf kommen wird. Zu Preisen wie beim kürzlichen Garagenverkauf und in erster Linie für Kunden, bei denen der Bestellvorgang nicht erfolgreich war und bei denen es hieß, man werde sie informieren, wenn weitere Bestände verfügbar seien. Allein das genaue Verkaufsdatum ist noch unbekannt, es wird noch einige Wochen dauern und vermutlich erst im 4. Quartal so weit sein. HP will damit Kunden besänftigen, die sich vergeblich um den Kauf eines TouchPads bemüht haben. Ich fürchte eher, dass sich das Drama von neulich wiederholen wird. HP hatte da weder mit Serverkapazitäten noch mit vorbildlicher Kommunikation geglänzt. Warum sollte sich das ausgerechnet beim nächsten Mal bessern, obwohl der Konzern dabei ist, in alle Einzelteile zu zerfallen?

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Weiß bei HP die eine Hand noch, was die andere tut? Bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen sagte Unternehmenschef Léo Apotheker noch, man wolle die Hardware für WebOS aufgeben. Abgesehen von der jetzigen Ankündigung, es gebe neue Tablets, steht das auch im Widerspruch zur Aussage von HPs Chef der Personal Systems Group Todd Bradley von gestern, der derzeit durch Asien tourt, um den Vertragshändlern dort zu erzählen, dass mit der PC-Sparte alles in Ordnung sei. Er sagte Reuters, man könne sich vorstellen, das TouchPad wieder zum Leben zu erwecken.

Bradley sagte außerdem, HP wolle die PC-Sparte nicht mehr verkaufen, sondern in eine Tochtergesellschaft ausgründen. Apotheker hatte sich hier alle Optionen offen gehalten. Nur, dass die Abteilung vom Kerngeschäft losgelöst werden soll, schien damals beschlossene Sache zu sein. Der Kolumnist Al Lewis vom „Wall Street Journal“ fasste gestern zusammen, wie HP dabei sei, sich innerhalb von 12 Monaten selbst zu ruinieren. Wenn es das Ziel sei, das ehrwürdige Unternehmen auf ein Riff fahren zu lassen, dann sei man genau auf Kurs. Zumindest beim Thema WebOS scheint HP seiner Linie treu zu bleiben: Wie angekündigt, sollen weitere Updates des Systems in Kürze kommen. Denn die Software will man nach wie vor im eigenen Hause weiter entwickeln. Warum auch immer.

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(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.