Sonstiges

35,7 Millionen Dollar

Das ist die Summe, die Léo Apotheker bekommen könnte, wenn HP ihn als CEO wirklich vor die Tür setzt: bis zu 35,7 Millionen US-Dollar. Das rechnete das „Wall Street Journal“ vor. Wie sich die Summe zusammensetzt:

  • 7,2 Millionen Dollar Abfindung, basierend auf zwei Jahresgehältern (2x 1,2 Millionen Dollar) und zwei Jahresboni (2x 2,4 Millionen Dollar)
  • 4,0 Millionen Dollar Wechselbonus
  • 4,6 Millionen Dollar Umzugsgeld, genannt „Bonus“
  • 1,1 Millionen Dollar Gehalt bisher
  • 18,8 Millionen Dollar aus 783.000 Anteilsscheinen, die ihm zustehen

Nicht schlecht für jemanden, der erst elf Monate im Amt ist, den Aktienkurs fast halbiert, ein Kommunikationschaos verursacht hat und die traditionelle PC-Sparte ausgründen will.

Seit Apothekers Amtsantritt fiel der Wert der HP-Aktie von 42 auf 22 US-Dollar, also nahezu die Hälfte. Seit der Bekanntgabe seines Sparkurses, sank der Aktienwert allein um 20 Prozent. Vor einem Monat  gab Apotheker zur Überraschung vieler leitender HP-Mitarbeiter die Abkehr von der PC-Sparte bekannt (sie soll jetzt ausgegründet werden), sowie das Ende der WebOS-Hardware. Radikale Einschnitte, die den Anlegern nicht gefallen haben. Laut Bloomberg will der HP-Aufsichtsrat Apotheker deswegen vor die Tür setzen. Bestätigt ist dies allerdings noch nicht.

Ich bin weder glühender Anti-Kapitalist, noch geht es mir darum, Sozialneid zu schüren. Wer einen Weltkonzern mit Verantwortung für mehrere tausend Mitarbeiter solide führt, der hat die eine oder andere Million in meinen Augen auch verdient. Aber wenn er das nicht tut? Wenn er den Laden vor die Wand fährt? Was ist denn das für ein Signal, Misserfolg mit 35 Millionen Dollar zu belohnen? Da soll mir noch einer sagen, diese Welt sei nicht verrückt.

(Jürgen Vielmeier, Bild: Tom Raftery unter CC-Lizenz BY-SA 2.0)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

16 Kommentare

  • Also eines muss man sagen: Die 99-Euro-Aktion hat das TouchPad doch erst bekannt gemacht. (Danke übrigens, Leo, für das unschlagbar günstige Gerät!) Eine tolle Marketing-Strategie!

  • Oh man, das ist echt unfair. Ich arbeite mir den hintern ab und der Typ bekommt einfach mal so viel, dass er für immer ausgesorgt hat – für schlechte Arbeit.

  • Erfolg und Mißerfolg wird doch an Zielen gemessen oder?

    Weiss jemand wie die zu erreichenden Ziele sind?
    Sind die eher kurz- oder überwiegend langfristiger Natur etcpp
    Es muss doch erstmal schlechter werden bevor es wieder besser wird -oder wie war dat?

    Um mir ein einigermaßen schlüssiges Urteile zu erlauben bräuchte ich ein Mehr an Information!

  • Und Morgen Entlässt Apotheker den gesamten Verwaltungsrat 😉

    Nein im Ernst, Ein Gemüsehändler ist eben kein Metzger, der Mann kam in die falsche Firma. Er dachte in Visionen, aber eben in Visionen die nicht zur HP Company passen, derzeit. Allerdings sind seine Visionen nicht gerade bahnbrechend, er kam mit seinen alten SAP Rezepten, nahm sich IBM als Beispiel einer in genau dieser Konversion begriffenen Firma zum Beispiel.
    Nur funktioniert das nicht ganz so einfach nach Standardrezept.

    Leistung und Risiko müssen belohnt werden, allerdings ist das persönliche Risiko eines Startup’s oder eines Zeitschriftenhändlers inzwischen größer als das des Managers. Insofern verstehe ich nicht mit welcher Begründung diese Traumgehälter an Loser wie Winner bezahlt werden. Selbiges gilt für Top-Fußballer, Top-Filmstars etc. Die Gesellschaft ist ja bereits dabei daran zu zerbrechen. Bekannte US Milliardäre bitten ja inzwischen mehr Steuern bezahlen zu dürfen… Nunja, die Welt steckt voller Sünden 🙂

  • @Felix: ich will ja nicht diesen für WAHNwitzigen Lohn rechtfertigen. Finde es genauso daneben, aber was meinst du: Hat sich der Leo in seinen jüngeren Jahren bestimmt nicht den Ars** aufgerissen, um diese Stellenwert (wo auch immer der herkommt?) zu erreichen?

  • Er bekäme Geld, weil es vertraglich so festgelegt ist.
    Warum dann solche Verträge? Weil man sonst eben auch nur die bekommt, die die Konkurrenz nicht haben will. Der Markt macht’s!

    Wenn ein x-beliebiger Chef seinem Mitarbeiter einen 5-Jahres-Vertrag anbietet, dann wird er den auch nicht einfach so los. „Abfindung“ nennt sich das ganze, und die fließt idR auch dann in irgendeiner Höhe, wenn keine Vertragslaufzeit festgelegt ist. Damit der (auch normale!) Angestellte einen ruhigen Abgang macht und nicht durch Klagen den Firmenbetrieb aufhält.

    Kommt billiger so. Man mag es kaum glauben, ist aber so. Zumal Apotheker ja kaum etwas bekommen würde, was er nicht ohnehin bekommen hätte, jetzt oder später. Ganz im Gegenteil: Er hätte im Zweifle noch wesentlich mer Jahresgehälter bekommen. Die Entscheidung, ihn zum Chef zu machen, hat nicht er getroffen. Die Entscheidung, ihn zu feuern, würde er genausowenig treffen. Wer bestellt, der zahlt – ein eiserner Grundsatz jeglichen Menschenverstands.

  • @JSG

    stimme 100% zu

    Aber stelle fest man kann auch andere Klauseln dazufügen zu Beginn.
    z.B. Abfindung nur wenn der Kurs nicht Start-10% überschreitet oder was auch immer. Da lassen sich gestandene Manager über den Tisch ziehen, wie peinlich.

  • So etwas lesen zu müssen macht echt teilweise neidisch: für Konzeptlosigkeit und Verwirrung Millionen abzustauben. HP wird es aber m.E. kaum stören so ein Gehalt auszahlen zu müssen, immerhin versichern sich solche Konzerne ja mittlerweile gegen solche Manager.

  • Das ist mal ein ordentliches Sümmchen!

    Ob der sich mit HP im Lebenslauf nochmal woanders beweisen darf? Naja wird er warscheinlich nicht tun müssen wenn die Summe da stimmt …

    Wäre der Aktienkurs der alte, hätte er nochmal das doppelte für die Anteilsscheine bekommen. Ob ihn das noch ärgert? Ich nehme mal nicht an.

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