Gar nicht so dumm: taz führt freiwillige Monatspauschale "Freizahler" ein

Jürgen Vielmeier

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Man kann durchaus zur Einsicht kommen, wenn man mal mit den Menschen aus der „echten“ Welt da draußen spricht. Wie, als mein Onkel neulich zu Besuch war und die oft gestellt Frage fiel: „Was genau machst du nochmal beruflich?“ Irgendwie kamen wir auch auf Blogfinanzierung und damit auf Flattr zu sprechen. Ich versuchte zu erklären: „Das trägt zur Finanzierung bei. Wenn den Lesern ein Beitrag gefällt, können sie auf einen Button klicken und dem Blog dafür Geld spenden.“

Mein Onkel guckte ungläubig: „Warum sollte ich das denn tun?“
Ich: „Na ja, weil du als Leser vielleicht weißt, dass ein Online-Magazin sich schwerer finanzieren kann als Print.“
Onkel: „Ja, aber das ist doch deren Sache.“
Ich: „Deswegen ist es ja auch freiwillig.“
Onkel: „Aber dann zahlt doch keiner!“
Ich: „Vielleicht willst du der Seite ja was Gutes tun.“
Onkel: „Warum denn?“
Ich: „Na, wenn sie etwas sehr Besonderes bietet, das du nirgendwo sonst bekommst.“
Onkel: „Würde ich, glaube ich, trotzdem nicht tun. Wenn die Seite so gut ist, kann sie sich doch sicher auch anders finanzieren. Funktioniert das Prinzip?“

Nun ja, bei manchen schon. Zum Beispiel bei der „taz“, die eine neue Form der Finanzierung eingeführt hat: Freizahler.

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„Kultur der Fairness“

Damit will die Tageszeitung der „Gratis-Kultur“ eine „Kultur der Fairness“ entgegen setzen. Das mit dem freiwilligen Zahlen scheint dort gar nicht so schlecht zu funktionieren. Seit dem Start der Initiative „taz zahl ich“ im Mai kamen über 20.000 Euro an Spendengeldern in die Kasse. Tausende zahlten Beiträge zwischen 30 Cent und 300 Euro. Per Flattr sind es immer noch mehr als 1.000 Euro im Monat. Mit dem neuen Projekt Freizahler führt die „taz“ eine neue Art der Finanzierung ein: Leser können freiwillig einen Festbetrag von 5 Euro im Monat zahlen. Sie werden damit finanziell gesehen zu Abonnenten, das Geld wird ihnen via Bankeinzug abgebucht. Mehrwert? Keiner!

Regelmäßige Einnahmen

Warum sie das dann tun sollten? Damit die „taz“ ihr Online-Angebot dauerhaft bestehen lassen und das Angebot weiter ausweiten kann. Eine verpflichtende Bezahlschranke kommt für sie nicht in Frage. Das würde Leser auch eher verscheuchen. In der Meldung dazu schreibt die Zeitung:

Die taz erreicht mit ihrem Webauftritt monatlich 1,2 Millionen Menschen. Würde nur ein Prozent von ihnen fünf Euro im Monat überweisen, könnte die taz ihre aktuellen Mehrkosten für Online daraus decken: die taz.de-Redaktion und das Technik-Team.

Ironischerweise könnte ich mir durchaus vorstellen, dass das Freizahler-Modell besser funktioniert als Flattr oder der PayPal-Spendebutton. Weil es die Leser an das „gute, alte Zeitungsabo“ erinnert. Es wird ein wenig Überwindung kosten, einmal den Überweisungsschein auszufüllen, aber danach sieht man auf den monatlichen Kontoauszügen nur noch „Zeitungsabo, 5 Euro“ und denkt sich nichts weiter dabei. Wer es schafft, 20.000 Euro an Spendengeldern in fünf Monaten einzunehmen, der kann auch mit einem Freizahler-Modell durchaus erfolgreich sein.

Was glaubt ihr: Hat die taz damit Erfolg und kann das auch bei anderen Online-Zeitungen und Blogs funktionieren?

(Jürgen Vielmeier, Screenshot: taz)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.