Trennen, was nicht zusammen gehört: Kauft Sony sich von Ericsson frei?

Jürgen Vielmeier


Jointventures sind selten Partnerschaften auf Lebenszeit. Fragt doch mal drüben in Stuttgart-Untertürkheim nach, wie harmonisch die Vernunftehe mit Chrysler war. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, könnte es auch zwischen Sony und Ericsson kriseln. Die beiden Partner könnten bald getrennte Wege gehen. Personen, die von den Verhandlungen wissen, berichten, dass Sony sich von Ericsson loskaufen und in Sachen Mobilfunk künftig wieder eigene Wege gehen wolle.

Bestätigt ist da noch nichts, aber es klingt vernünftig. Für Sony ist das Jointventure eher ein Klotz am Bein. Tablets stellt man längst in Eigenregie her, Notebooks sowieso. Auch bei mobilen Spielekonsolen ist man ohne Ericsson unterwegs. Der von Sony-Ericsson seit langem gewünschte Schritt hin zu einem Playstation Phone mündete in dem eher mäßig begeisternden Android-Spielephone Xperia Play, weil Sony dem Jointventure nur beschränkte Rechte des Konzernherzstücks Playstation übertragen wollte.

Das Xperia Play ist folglich auch nicht kompatibel mit dem Playstation Network, während sich etwa Microsofts Windows-Phone-Handys mit der eigenen Spielewelt Xbox Live synchronisieren lassen. Der Trend geht hin zum Komplettangebot aus Rechner, Konsolen, Tablets, Smartphones. Sony könnte mit einer Smartphone-Sparte in eigenem Hause sein Potenzial voll ausschöpfen.

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Manchmal schlägt man sich besser alleine durch

Das Jointventure besteht seit 2001. Damals ging es darum, die schwächelnden Mobilfunksparten beider Konzerne zu neuem Erfolg zu führen, was auch einige Jahre durchaus erfolgreich gelang. Dann aber kamen Mobile Web und Touchscreen-Handys, worauf Sony-Ericsson lange keine Antwort fand. Ericsson hat sich in der Zwischenzeit längst auf das Geschäftskundensegment konzentriert. Wozu also noch weiter gemeinsame Sache machen? Die Schweden bekundeten bereits vor zwei Jahren den Wunsch, aus dem Jointventure auszusteigen, was an der fehlenden Finanzierung durch Sony scheiterte.

Heute könnten die Sterne günstiger stehen. Kostenpunkt, falls Sony seinen langjährigen Weggefährten auszahlt? Die Quellen spekulieren auf etwas zwischen 1 und 1,25 Milliarden Euro. Ein Schnäppchen im Vergleich zu den rund 12,5 Milliarden US-Dollar, die Google für Motorola auf den Tisch gelegt hat. Auf eigene Faust könnte Sony das schwächelnde Smartphone-Geschäft wieder ankurbeln und es mit mehr Elementen aus dem Playstation Network verschmelzen. Warum also noch warten? Trennt, was nicht zusammen gehört!

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(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.