OpenOffice ruft um Hilfe. Rettung notwendig?

Jürgen Vielmeier

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Man hätte es fast überhören können: Die kostenlose Office-Suite OpenOffice.org (OOo) kämpft ums Überleben und bittet um Spenden. Grund: Der Hauptinvestor Oracle ist im Sommer aus dem Projekt ausgestiegen und hat den Code der Apache Software Foundation zur Verfügung gestellt. Das scheint die Weiterentwicklung aber nicht gerade zu fördern. Denn auf der Website Team OpenOffice.org rufen die Entwickler um Hilfe: „Die meist genutzte (kosten)freie Bürosoftware steht buchstäblich vor dem Nichts. Lassen Sie das nicht zu“, steht dort. Und weiter: „Als einzige Bürosoftware auf dem Markt ist OOo vollkommen gratis.“

Wer will, kann die Hilfsaktion mit der Botschaft „Ja, ich bin ein Software-Retter“ unterstützen. „Ob 5 Euro, 50 Euro oder 5 Millionen Euro – jeder Betrag hilft uns.“ Wer will, kann dem Projekt auch eine persönliche Botschaft zukommen lassen. Maurice Hofmann aus New York hat dies getan: „Die Frage, die sich hier stellt, ist klar: Wollt Ihr mit uns gehen?“. Ob eine Rettung der Software notwendig ist oder nicht: Die ganze Aktion entbehrt nicht einer gewissen Verzweiflung.

Verschwendete Ressourcen

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Es geht hier nicht darum, Katastrophenopfern zu helfen, auch wenn die Website vielleicht den Anschein erweckt. Es geht um eine Software, die mitnichten die einzige kostenlose Office-Suite auf dem Markt ist. Erst vor rund einem Jahr haben führende Entwickler dem Projekt den Rücken gekehrt und „The Document Foundation“ gegründet, die seitdem LibreOffice herausgibt. Diese ebenfalls kostenlose Office-Version beruhte ursprünglich auf dem gleichen Quellcode, hat sich aber laut einem Blogpost des Entwicklers Michael Meek im Vergleich zum großen Bruder deutlich verändert. 7,7 Millionen Zeilen Code würden inzwischen von der OpenOffice-Software variieren. LibreOffice sei vor allem um überflüssige Funktionen und Codezeilen entschlackt worden.

Aus Unzufriedenheit mit dem neuen Projektleiter Oracle gründeten OOo-Entwickler vor rund einem Jahr die Document Foundation. Oracle hat den langjährigen OpenOffice-Gönner Sun im Januar 2010 übernommen, seitdem selbst aber wenig Spaß daran, Projekte wie MySQL oder eben auch OOo weiter zu führen. Ein Streit um die Namensrechte an OpenOffice.org wurde nicht beigelegt und die Document Foundation spaltete sich ab, kündigte LibreOffice an und brachte die erste Version davon schließlich im Januar 2011 heraus.

Oracle soll daraufhin versucht haben, einen Keil zwischen die beiden anfangs immer noch verbundenen Projekte zu treiben, kündigte aber schon im April an, aus dem OpenOffice-Projekt auszusteigen. Verständlich, dass die verbliebenen OpenOffice-Entwickler sich jetzt allein gelassen fühlen. Die vernünftigste Lösung wäre wohl, beide Teams wieder zusammen zu legen und auf den offenbar inzwischen moderneren Code von LibreOffice zu setzen. (Das letzte große Update von OpenOffice stammt noch aus dem Januar.) Aber OpenOffice jetzt noch einmal mit Spenden zu retten, klingt wie ein unsinniger Versuch und nach verschwendeten Ressourcen. Die Zukunft ist LibreOffice.

(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.