HP zahlt 3,3 Milliarden für WebOS. Zeit, das System endlich zu beerdigen.

Jürgen Vielmeier

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Ihr fragt euch, warum es mit WebOS ein schönes, mobiles Betriebssystem gibt, das HP gerne verkaufen würde, aber nicht schafft? Und ihr fragt euch, warum niemand das System kaufen will oder warum HP es nicht wenigstens Open Source stellt? Nun, schaut euch die Zahlen aus dem Finanzergebnis an, die HP gestern veröffentlicht hat: 3,3 Milliarden US-Dollar hat die Abwicklung der WebOS-Sparte gekostet, die HPs alter Chef Léo Apotheker im August einmotten ließ. Sagt zumindest HP.

Und so scheint der Sündenbock da schnell gefunden. Bei näherer Betrachtung belaufen sich die Kosten für die HP-Abwicklung aber „nur“ auf 1,66 Milliarden Dollar. Darunter sind 885 Millionen Dollar Abschreibungen für die Palm-Übernahme und 775 Millionen Dollar einmalige Kosten für „Restrukturierungen“ in Zusammenhang mit der Abwicklung der Sparte. Den Rest der 3,3 Milliarden Dollar machen allerdings andere Maßnahmen aus, die HP hier WebOS in die Schuhe schiebt. So oder so: Zusätzlich zu den 1,2 Milliarden, die HP für die Übernahme von Palm und WebOS auf den Tisch gelegt hat, ein teurer Spaß.

Ein Fluch auf WebOS oder ganz einfach praxisuntauglich?

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Insgesamt setzte HP im vierten Quartal 32,1 Milliarden US-Dollar um, drei Prozent weniger als die 33,3 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Fast ein kleines Wunder, dass HP bei all dem sogar noch die Erwartungen der Analysten übertroffen hat und einen kleinen Gewinn von 0,2 Milliarden Dollar ausweist (Vorjahresquartal: 2,5 Milliarden). Die neue HP-Chefin Meg Whitman räumte ein, dass das Gerede um den Verkauf der PC-Sparte dem Unternehmen sehr geschadet habe. Im neuen Geschäftsjahr wolle man sich wieder auf die Kernkompetenzen konzentrieren: beste Hardware, Software und Services. Whitman sagte, sie rechne jedoch mit noch einem schwachen Jahr.

2,1 Milliarden Dollar Kosten für WebOS sind es im 4. Quartal gewesen, 3,3 Milliarden Dollar insgesamt. 1,2 Milliarden hat die Übernahme gekostet. WebOS oder eher der Misserfolg damit hat schon Handheld-Pionier Palm in den Ruin getrieben. Sowohl Palm als auch HP brauchten Monate, um Hardware mit dem System auf den Markt zu bringen und schrieben jeweils hohe Verluste. Entweder war es jeweils mieses Timing, entweder lastet ein Fluch auf dem System oder es ist trotz seiner hübschen Oberfläche ganz einfach nicht praxistauglich.

HP hält jedenfalls weiter an dem Plan fest, die WebOS-Software zu verkaufen. An wen denn bitte noch? An den nächsten, der erst Milliarden dafür ausgibt, dann Milliarden dafür aufbringt, um es Monate später auf den Markt zu bringen und weitere Millionen, um die Hardware schließlich zu verramschen, die niemand wird haben wollen? (Beim Alles-muss-raus-Verkauf der WebOS-Geräte TouchPad, Pre und Veer im August hat HP 142 Millionen Dollar obendrauf gelegt.) Whitman will Mitarbeitern der WebOS-Sparte in wenigen Wochen ihre Entscheidung verkünden, was aus WebOS werden soll. Ich kann es euch heute schon sagen: WebOS wird beerdigt werden. Wer immer gerade überlegt, noch ein paar Milliarden dafür auszugeben: Spendet sie lieber der Aids- oder Malaria-Forschung, Forschungsprojekten für Trinkwassergewinnung oder alternativen Energien. Da hätte die Welt wirklich mehr von.

(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.