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E-Learning: Programmiersprache, Fremdsprache oder beides?

Interessanter Artikel in der „New York Times“: Viele Menschen der arbeitenden Bevölkerung entscheiden sich derzeit, statt einer Fremdsprache eine Programmiersprache zu lernen. Besonders Web- und App-Entwicklung hat es ihnen angetan.

Initiativen, um ihnen zu helfen, gibt es viele – im Web: Zum Beispiel CodeAcademy, einen Programmierlernkurs von Grundauf mit spielerischem Ansatz. Code Racer versucht als Facebook-Spiel, Menschen das Programmieren beizubringen. Und dann gäb es noch Treehouse mit Programmier- und Designlernkursen für Web und iOS. Auf Udacity gibt es praktische Anwendungsbeispiele, zum Beispiel, wie man eine Suchmaschine programmiert. General Assembly geht noch einen Schritt weiter und zeigt an praktischen Beispielen, wie das Web funktioniert, auch etwa, wie man Geld für ein Startup einsammelt.

Programmierkurse an Hochschulen und Volkshochschulen seien gut besucht, schreibt die NYT weiter. Es gehe den meisten nicht darum, Entwickler zu werden. Wichtiger sei es ihnen, das Web zu verstehen und ihren Job um Programmierfähigkeiten zu erweitern. Im Medienbereich sehr gefragt ist etwa zur Zeit der Datenjournalist, der es schafft, die Fülle an Informationen für Konsumenten in ansprechende Form zu bringen. Oft muss dafür programmiert werden.

Zwar sind Entwicklerkenntnisse gefragt und wichtig, ich würde den Trend aber größer fassen: Es ist fast egal, was ich lernen will, ich kann es inzwischen im Web und auf mobilen Geräten tun. Und die Anwendungen werden immer besser und spielerischer. Sei es die komplette Mathematik, sei es das Rutherfordsche Atommodell oder der mitotische Zellzyklus. Sei es eine komplette Fremdsprache (eben doch) oder sei es die Theorie einer Sportart wie Tischtennis: das Web bietet mir Möglichkeiten, zu lernen, was ich will. Seien es Videos, seien es Apps, seien es Animationen, seien es Lernkurse. An anderer Stelle wird sogar schon darüber spekuliert, wie Startups Universitäten ersetzen können. Ganz aus der Luft gegriffen ist die Idee nicht. Wie nutzt ihr E-Learning? Programmiert ihr? Und wie lernt ihr am besten?

(Jürgen Vielmeier, Bild: CodeRacer)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

11 Kommentare

  • „Viele Menschen der arbeitenden Bevölkerung entscheiden sich derzeit, statt einer Fremdsprache eine Programmiersprache zu lernen.“

    Viele arbeitende (!) Menschen können bereits mind. eine Fremdsprache.

    Wo hingegen in Deutschland viele nichtarbeitende Menschen nichtmal Deutsch können 🙂

  • Ohne jemals eine Programmiersprache gelernt zu haben, kann man m.E. die ganze IT- und Internet-Welt nicht wirklich verstehen. Man muss ERLEBEN, wie die Aneinander-Reihung, Schachtelung und „Computierung“ von Befehlen und Befehlsketten zum erwünschten Ergebnis führt – das ist ungemein lehrreich und erhellend!

    Englisch sollten trotzdem alle lernen – ist ja nun schon DIE Weltsprache und in globalisierten Zeiten ist es schon nicht schlecht, sich zumindest potenziell verständigen zu können.

    Also sowohl als auch, nicht entweder / oder.

  • Leute, die sich tatsächlich mit der Materie auseinandersetzen wollen, werden wohl oder übel immer noch zu Fachbüchern oder Webseiten, die die Thematik tiefer behandeln, zurückgreifen müssen.
    Webseiten und Apps, die das Ganze spielerisch an den Mann bringen sollen, erweitern vllt. ein bisschen die Allgemeinbildung, aber man wird bei vielen Problemen mit diesen Informationen und Unwissen über die größeren Zusammenhänge nicht weiterkommen.
    Egal wie der Kurs aufbereitet ist, Programmierung bleibt immer noch eine Wissenschaft für sich und damit werden nur ein Haufen Leute mit „Halbwissen“ gefüttert.

  • Mir fällt es immer am leichtesten, wenn ich eine konkrete Anwendung habe. Dies ist genauso bei einer Fremdsprache, wie bei einer Programmiersprache, obwohl mir die Programmiersprachen mehr liegen. Gerade fange ich an, mich mit PHP zu beschäftigen, da ichdas für meinen Blog benötige. Dazu CSS und schon immer auch HTML. Besonders Seitenbeschreibungssprachen haben es mir angetan – LaTeX, Wiki, markup ode BBCode und eben auch Postscript und HTML.

  • @3 Gene Form
    …Egal wie der Kurs aufbereitet ist, Programmierung bleibt immer noch eine Wissenschaft für sich und damit werden nur ein Haufen Leute mit “Halbwissen” gefüttert….

    Genau das Schreckt die Leute eher ab, dabei stimmt es nicht , fast jeder kann Programmieren lernen , ob er damit auch seinen Lebensunterhalt verdienen kann ist eine andere Sache. Zumindest ist es zum Verständniss der Computer und Internetwelt allemal besser etwas programmiertechnisches “Halbwissen” zu haben als gar keine Ahnung.
    In den Anfängen ( zu Homecomputer C64 Zeiten) müsste man sogar erst eine „Progammiersprache“ halbwegs erlernen um einen Rechner überhaupt Bedienen oder damit Arbeiten zu können und sogar seine Anwendungen dazu selbst Programmieren müsste.
    Was aber eine ganze Generation nicht davon abhalten konnte sich diese Rechner zu kaufen und Basic oder Assembler sich dafür selbst Beizubringen.
    Zur „Wissenschaft“ wurde Programmieren erst später nicht ganz Uneigenützig von den Softwarefirmen erklärt um die Leute eher davon Abzuhalten sich selbst etwas zu Programmieren , denn man will ihnen ja etwas Verkaufen.

    @2 ChristineB
    Ohne jemals eine Programmiersprache gelernt zu haben, kann man m.E. die ganze IT- und Internet-Welt nicht wirklich verstehen…

    Genau so ist es !
    und daran krankt auch vieles in der heutigen IT- und Internet-Welt gegenüber den früheren Zeiten.
    Daher sind auch bunte Apps, Geräte Formen oder Icon Farben und grafische Spieleren oftmals wichtiger geworden als die Funktion.
    Würden mehr eine Programmiersprache beherschen hätten viele Apps kaum eine Change gekauft zu werden , sie wären in 5 min selbst Erstellt.

  • Der Vergleich hinkt aus meiner Sicht… 1. Amerikaner lernen ohnehin kaum Fremdsprechen, weil jeder Englisch spricht… 2. Es sind grundsätzlich zwei unterschiedliche Dinge: Da könnte man auch die These aufstellen „Weil mehr Eier zum Frühstück gegessen werden wird weniger Bier getrunken“

  • Sehr interessant und genau richtig! Das Web bietet uns nunmalso viele Möglichkeiten etwas dazuzulernen, egal in welcher Hinsicht. Finde es klasse, dass die Menschen sich von alleine aus weiterbilden wollen, gerade weil es die Möglichkeiten dazu gibt.
    Ich selbst habe mir das Programmieren im Web beigebracht.Trotzdem gibt es keinen Ersatz für die Unis denke ich, ich selbst studiere Elektrotechnik und was dort auch an Programmiersprachen gelernt wird, kann man in diesem Stil sich schwer selbst beibringen.
    Trotzdem mag ich diesen Trend, denn es wird immer mehr von den Menschen abverlangt,somit muss mitgehalten werden und nur wer das tut, wird es auch zu etwas bringen können.

  • @6 Plissee

    Zwecks Fremdsprachen sehe ich das ähnlich, zumal wohl in 10 J die Technik soweit sein wird das jeder einen Art „Bubblefish“ besitzen wird, wie heutzutage einen Taschenrechner benutzt wird statt mit der „Hand“ zu Rechnen.
    Dadurch werden Sprachhindernisse irrrelevant und die Weltsprache wird weniger Englisch oder Chinesisch sondern Mathe sein.

  • Die Frage der Sinnhaftigkeit solcher E-learning Geschichten hängt zum großen Teil davon ab, was man damit erreichen will. Es sollte sicher jedem klar sein, das ich durch einen solchen Internet Kurs kein vollständiger Programmierer werde oder ähnliches. Aber für den sogenannten „Hausgebrauch“ wird es sicher reichen und vor allem versteht man danach wahrscheinlich endlich mal die Zusammenhänge und Problematiken von Programmen besser. Kentnisse zu HTML, CSS, PHP, o.ä können zum Beispiel beim Bau einer eigenen Webseite, bzw. eines Blogs helfen.

  • Erinnert mich an eine Aussage einer Person, die ich auf einer Nachrichtenseite las: „Jedes Schulkind sollte neben den normalen Fremdsprache auch eine Programmiersprache gleichberechtigt lernen“ (oder so).

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