WhoDat statt WhoIs: Domainsuche stammt nicht von Kanye West, auch wenn sie so aussieht

Jürgen Vielmeier

Rapper Kanye West bloggt in Großbuchstaben, erzählt jedem viel, der es nicht hören will, und tritt für gewöhnlich großspurig auf. Was man halt so tut, um im Showbiz berühmt zu werden. Also lag die Vermutung vieler Techblogger nahe, dass die neue Domainsuchmaschine WhoDat von ihm stammen würde. Nicht zu Unrecht, denn West hatte im Januar in einem epochalen Rant mit dutzenden Tweets von einer neuen Designfirma getönt, die er gründen wolle, die alles verändern und 22 Abteilungen haben werde. „DONDA“ sollte sie heißen. Und nun offenbarte sich eine Gruppe namens Donda Media als Initiator von WhoDat, dem „Facebook für Websites“. Die hatten allerdings mit Kanye West nichts zu tun. Oder – vielleicht doch?

Dem Auge, das WhoDat.biz besucht, wird gleich auf den ersten Blick geschmeichelt: Weiß auf Schwarz, ein Illuminaten-ähnliches Logo, Großbuchstaben nach Kanye-Manier und ein Einleitungstext wie in Stein gemeißelt: „Das Facebook für Websites“ heißt es dort. Und als Geschäftsidee: „Habt ihr euch jemals gefragt, wie das wäre, wenn ihr herausfinden könntet, wer hinter euren Lieblingswebsites steht? WhoDat macht genau das.“

Ja, habt ihr euch das jemals gefragt? Denn, falls ja, dann gibt es seit jeher zahlreiche Suchmaschinen, die die so genannte „WhoIs-Datenbank“ abfragen. Die steht im Netz zur freien Verfügung und wird auf Anfrage von Domain-Händlern oder speziellen Suchmaschinen angesteuert. Was man Donda, Kanye oder wem auch immer allerdings zu Gute halten muss: Bestehende WhoIs-Suchmaschinen wie die Standardabfrage von Internic oder WhoIs.com sind nicht gerade „shiny“ oder „fancy“ im Sinne eines Goldkettchen-Rappers, sondern optisch irgendwie in den 90ern stehen geblieben. Also höchste Zeit offenbar, das ein bisschen aufzupeppen.

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„Das soll Kanyes episches Startup sein?“

Man gibt also einen Domainnamen ins Suchfenster ein, klickt auf den Button mit der Aufschrift „WhoDat?“ („Wersdas?“). Das Logo rotiert und liefert wenig später das ungefilterte Suchergebnis – das die gleichen Daten enthält, wie jede Standard-WhoIs-Abfrage. In größerer Schrift, immerhin. Bei Gizmodo konnte man es nicht fassen: „Das soll Kanyes pompöses neues Startup sein?“

Die Autoren hegten Zweifel, forschten weiter und stießen schließlich auf die Hintermänner eines Design-Unternehmens namens OKFocus, Jonathan Vingiano und Ryder Ripps. Ripps gab schließlich zu, dass er Kanye einen Streich spielen wollte – und allen anderen ebenso, die sich nach Kanyes Rant von Anfang Januar gefragt hatten, wann Donda denn nun endlich komme. Und Autoren von Buzzfeed erhielten noch eine Antwort via Twitter von einem von Kanyes Weggefährten: „Wenn eine Seite existieren würde, dann wäre es offensichtlich, dass sie echt wäre.“

Aha? Na dann: Bis zum nächsten Fake.

(Jürgen Vielmeier, Bild: Dell (CC BY 2.0))

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.