Facebooks Börsengang: Operation misslungen, Patient wohlauf

Jürgen Vielmeier


Heute Nachmittag stieg der Kurs der Facebook-Aktie zeitweise um 5 Prozent. Es ist die erste gute Nachricht seit dem Börsengang am vergangenen Freitag. Aktuell steht der Kurs fast ein Drittel unter dem bisherigen Höchststand von 45 US-Dollar. Ein Nachspiel wird der Wertverlust jetzt haben: Die ersten Anleger sehen sich von Facebooks vermeintlicher Schwäche getäuscht und verklagen das Unternehmen mitsamt den beteiligten Banken wie Morgan Stanley.

Der Grund für den Kursverlust haben natürlich auch schon viele ausgemacht: Facebook sei rein werbefinanziert und brauche dringend eine neue Geschäftsidee, schreibt etwa Michael Wolff für Technology Review. Sonst werde es das ganze Web mit runter reißen. Alles Humbug, sagen andere. Dem Unternehmen gehe es gut.

Auch ohne Börsengang profitabel

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Interessant, was Nicholas Carlson da schreibt: Den Zahlen nach sei bei Facebook doch eigentlich alles in Ordnung. Der Umsatz, vor wie nach dem Börsengang: 4 Milliarden Dollar, Gewinn ebenfalls 1 Milliarde Dollar. Profitabel war man bereits und wäre es auch noch lange Zeit geblieben. Einziger Unterschied: Facebook hat jetzt ein paar hübsche Geldreserven auf dem Konto – die man nicht einmal nötig gehabt hätte. Die Bewertung für ein Internetunternehmen: trotz allem sehr hoch. Es könnte die eine oder andere Milliarde weniger werden, alles in allem war der Börsengang für Facebook aber auf jeden Fall ein Bonus.

Das dürfte die Aktionäre keinesfalls besänftigen, die zu früh bei einem Kurs über 43 Dollar zugeschlagen haben. Aktuell sind es nur noch gut 32 Dollar. Und jetzt? Geht es vor Gericht. Es ist noch zu klären, in wie weit Facebook selbst an dem Sinkflug des Kurses Schuld haben könnte. Eine Blase aber sieht anders aus. Ein Fiasko auch. Dem Unternehmen geht es gut, der Aktie nicht. Zu einem Kauf des Papiers würden Fachleute Interessenten derzeit guten Gewissens wohl nicht raten können. Panik muss bei Facebook und dem Rest der börsennotierten Internetunternehmen deswegen aber noch niemand haben.

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(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.