Sonstiges

Wikileaks veröffentlicht "Syria Files", will so zur Lösung des Konfliktes beitragen

Während es Wikileaks-Gründer Julian Assange in letzter Zeit nur noch im Zusammenhang mit seiner Abschiebung nach Schweden in die Schlagzeilen schaffte und dabei mitunter einen reichlich semi-paranoiden Eindruck hinterließ, steht nun erstmals seit Monaten offenbar wieder eine Enthüllung möglicherweise brisanten Materials im Vordergrund. Seit Donnerstag hat die mittlerweile fast legendäre Plattform nach eigener Aussage damit begonnen, rund 2,4 Millionen E-Mails führender syrischer Politiker, Ministerien und assoziierter Firmen zu publizieren.

Welcher Erkenntnisgewinn der Korrespondenz tatsächlich innewohnt, lässt sich aus den Vorab-Aussagen von Assange und Co nur ansatzweise ableiten. Details sollen in den kommenden zwei Monaten in Zusammenarbeit mit ausgewählten Medienpartnern, darunter die ARD, veröffentlicht werden.

Zu hoffen bleibt, dass die Sprengkraft der Wikileaks-Daten deutlich über derer der sogenannten „Assad emails“ liegt, die vom britischen Guardian im März ausführlich zitiert worden waren. Darin fanden sich zwar zahlreiche Bestätigungen für den Realitäts- und Moralverlust des inneren Machtzirkels, wirklich überrascht haben dürfte die Borniertheit und Skrupellosigkeit der syrischen Herrscher-Clique angesicht der Vorgänge im Land aber niemanden. Immerhin konnte sich die EU in der Folge aber zu einem Einreiseverbot durchringen, um die exzessiven Shopping-Trips von Präsidentengattin Asma Al-Assad zu unterbinden. Ein harter Schlag für das Regime.

Zumindest die Datenbasis der sogenannten „Syria Files“ ist wesentlich breiter: Diese beziehen sich auf den Zeitraum von August 2006 bis März 2012 und sollen eine Art Abbild des syrischen Machtgefüges liefern. Laut Wikileaks stammen die in verschiedenen Sprachen abgefassten Nachrichten von insgesamt 680 verschiedenen Absender-Domains, die einen Bezug zu Staatsapparat oder Land aufweisen. Insgesamt umfasse die Fülle der Sammlung 678.752 verschiedene E-Mail Adressen als Sender und 1.082.447 als Empfänger.

Finden lasse sich dabei nicht nur „entblößendes“ Material für Syrien selbst, sondern auch für seine Gegner, so Assange. Die E-Mails brächten einerseits Licht in die inneren Zusammenhänge der syrischen Regierung und Wirtschaft, zeigten andererseits aber die Doppel-Moral westlicher Staaten und Konzerne auf verschiedenen Ebenen. Enthalten seien sowohl persönliche E-Mail-Wechsel zwischen ranghohen Parteimitgliedern, als auch offizielle Dokumentationen finanzieller Transaktionen mit anderen Staaten.

Zum Hintergrund der neuen Whistleblower-Aktion verwies Assange darauf, dass diese ein besseres Verständnis über „Interessen, Aktionen und Gedanken“ der involvierten Gruppen liefern solle. Damit wolle Wikileaks zu einer Lösung des Konfliktes in Syrien beitragen – wie auch immer das gelingen soll. Man darf gespannt sein.

(Christian Wolf)


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

Christian Wolf

Christian Wolf wird am Telefon oft mit "Wulff" angesprochen, obwohl er niemals Bundespräsident war und rast gerne mit seinem Fahrrad durch Köln. Er hat von 2011 bis 2014 für BASIC thinking geschrieben.

11 Kommentare

  • „wirklich überrascht haben dürfte die Borniertheit und Skrupellosigkeit der syrischen Herrscher-Clique angesicht der Vorgänge im Land aber niemanden“

    Wie kommst Du auf solche Unterstellungen?

    Du glaubst wohl auch alles was unsere „Systempresse“ von sich gibt oder?

    Wenn sich in Deutschland irgendwelche Leute bewaffnen und gegen die Regierung vorgehen würden, was würde dann passieren? Richtig: Niemand würde zurücktreten oder Neuwahlen veranstalten. Man würde ebenfalls militärisch gegen die Leute vorgehen.

  • Ob das zur Lösung des Konfliktes beiträgt vermag ich nicht zu sagen, aber dass solche Aktionen in gigantischem Ausmaß nötig für eine positive Veränderung der Moral im politischen Gefüge dieser Welt sind, da bin ich mir sicher.
    Transparenz ist eine einfache Lösung für viele Arten von Problemen (gesellschaftlichen, politischen, technischen, finanziellen, …) und meiner Meinung nach grundsätzlich erstrebenswert. Das große Problem ist nur, dass viele Menschen aufgrund ihrer bisherigen Erfahrungen nicht mit Transparenz umgehen können, was dann teilweise sehr skurrile Stilblüten trägt. Aber ich denke das ist nur eine Frage der Zeit und eines Generationenwechsels.

    Und ja, ich bin trotzdem ein Verfechter der dieser Tage stark schwindenden Privatsphäre 😉

  • „Wenn sich in Deutschland irgendwelche Leute bewaffnen und gegen die Regierung vorgehen würden, was würde dann passieren? Richtig: Niemand würde zurücktreten oder Neuwahlen veranstalten. Man würde ebenfalls militärisch gegen die Leute vorgehen.“

    Richtig. Nur eine Sache der Auslegung. Bei uns wäre es nicht die Opposition, sondern sog. Linksradikale. Mal Nebenbei: Wer bewaffnet diese „Opposition“ eigentlich?

  • Interessante Datenbasis für Big Data-Experimente. Daraus sollten sich gut Graphen generieren lassen, aus denen hervorgeht, wer besonders wichtig in dem Gefüge ist, aber genauso (und das ist wohl durchaus gefährlich), wer mit der Opposition in Kontakt steht (bzw. stand).

    @jo Dir ist aber schon klar, dass hier nur eine Seite mit Panzern, Raketenwerfern und Flugzeugen gegen die Opposition und v.a. auch gegen Unbeteiligte vorgeht. Ein paar AK47 o.ä. und erbeutete Waffen stellen die Opposition da wohl kaum auf dasselbe Level.

  • @jo: Was ist denn das für ein Vergleich? Der hinkt ja so stark, der hat wahrscheinlich ein Bein verloren…..
    Dass das Assad-Regime völlig Skrupellos und moralisch weggetreten ist lässt sich glaube ich schwer anzweifeln. Mich überrascht, dass du davon überrascht bist.

  • Dachte der Iran sei zuerst dran, nun gut dann eben Syrien. alle zwei bis drei Jahre das Gleiche. Wie soll denn die Aktion helfen den Konflikt zu lösen …

  • Also seit Assange mit RT zusammenarbeitet und in die ecuadorianische Botschaft geflüchtet ist, nimmt ihn doch keiner mehr wirklich ernst. Ihm geht es nur noch um sich und dass das Assad Regime Mörder bestellt ist doch nun wahrlich keine Neuigkeit mehr…

  • @kahunablogger

    Da dich ja so gut mit dem Inventar verschiedener Gruppierungen in Syrien auskennst, kannst du mir ja gerne verraten, woher du deine Informationen hast. Aus dem Spiegel? lol.

    Wäre mir neu, dass man dort Liste führt.

  • Es gibt allein Hunderte Stunden Videomaterial aus den unterschiedlichsten Quellen. Erklär doch bitte mal ganz einfach folgendes: WOHER sollte die Opposition/Rebellen oder wie auch immer wir sie nennen wollen, Panzer und große Kriegswaffen erhalten? Maschinengewehre etc. kann man über die Grenze bringen, keine Frage, aber wer die Panzer besitzt und nutzt ist ja wohl mehr als eindeutig.

  • Jo, ich finde deinen Einwand absurd – um es mal zurückhaltend auszudrücken. Der Vergleich mit der BRD ist ja wohl völlig daneben.

    Das syrische Regime war schon unter Assads Vater ein Folter- und Unterdrückungsstaat ersten Ranges.
    Was bitte soll der Vergleich mit der Demokratie BRD an dieser Stelle?
    Agent Provocateur oder einfach nur wenig erleuchtet?

  • Erschreckt hat mich auch der Einwand von Jo. Da stimme ich mit Wp-Köln zu 100% überein.

    „…zeigten andererseits aber die Doppel-Moral westlicher Staaten und Konzerne auf verschiedenen Ebenen.“

    Ich finde es sehr wichtig das diese Doppelmoral gezeigt wird. Darüber muss vielmehr und vor allem öffentlich berichtet und diskutiert werden.

    Ein offensichtliches Beispiel hierfür ist Lybien.

    Dort wurden die Rebellen nach kurzer Zeit vonden USA und europäischen Ländern militärisch unterstützt, obwoh Ghaddafi bestimmte Grenzen nicht überschritten hat im Gegensatz zu Assad.

    Damit meine ich nicht, dass er nicht die Ernte eingefahren hat, welcher er gesät hat.

    Damit meine ich, zusätzlich zu dem Terror den Ghaddafi verbreitet hat, die systematische Ermordung von Zivilisten jeglichen Alters und Geschlechts. Auch Kinder werden inhaftiert, gefoltert, missbraucht und getötet.

    Aber kein Eingreifen vom Westen in Syrien? Warum nicht?

    Ich würde sagen, weil es zu teuer ist und sich nicht rentiert.

    Kleiner Tipp: In Lybien gibt es Öl in Syrien nicht.

    Es ist zum Weinen.

Kommentieren