HTC verkauft Beats-Anteile zurück an Dr. Dre, kämpft weiter mit Problemen

Jürgen Vielmeier

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Im hart umkämpften Mobilfunkmarkt muss man sich unterscheiden, um überhaupt noch ein Stück Land zu sehen. Der Anbieter HTC hatte das meiner Ansicht nach eigentlich ziemlich clever gemacht, indem er seine Smartphones wahlweise mit den sündhaft teuren Beats-Kopfhörern bündelte. Die mit einem Subwoofer unterstützten Kopfhörer gibt es in der Over-Ear-Variante sonst praktisch nicht unter 150 Euro zu kaufen.

Die Hip-Hop-Legenden Jimmy Iovine und Dr. Dre sollten für den Coolness-Faktor sorgen, die „Monster“-Kabel für Qualität, das Subwoofer-System für satte Bässe. HTCs eigentlich sehr solide Smartphones müssten sich dann erst recht verkaufen und den Taiwanern einen traumhaften Umsatz bescheren. Zumal man eigentlich überall junge Hipster mit den Kopfhörern herumlaufen sieht. Dachte ich. Ist aber offenbar nicht so.

Kontrolle zurück bei den Gründern

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Nach der mehrheitlichen Übernahme von Beats hat sich HTCs Aktie nur zeitweise erholt. Langfristig sank der Kurs weiter – nicht wegen, aber trotz der Anteile am begehrten Kopfhörer-Anbieter. Und nun, knapp ein Jahr nach der Transaktion, zoffte sich HTC mit den Beats-Gründern Iovine und Dre. Sie sind unzufrieden mit der Entwicklung seit der Übernahme und kaufen ihre Anteile zurück. Beats alleine haben HTCs Probleme nicht lösen können.

Dem Smartphone-Hersteller gehörten seit August vergangenen Jahres 50,1 Prozent an Beats. Nun reduziert man die Anteile auf gut 25 Prozent, erhält dafür von Iowine und Dre 150 Millionen Dollar und gibt den beiden Gründern damit die Kontrolle über das Projekt zurück. Wenn die beiden schlau sind, lizenzieren sie ihre Kopfhörer künftig auch für andere Anbieter, am besten Samsung. HTC hingegen kann seine Ressourcen jetzt wieder ganz auf seine Smartphones konzentrieren.


HTCs „One“-Serie

Zu viele Mitspieler

Die Probleme der Taiwaner aber bleiben groß: Es ist nicht die Qualität von HTCs Smartphones, es ist eher die große Masse an Android-Geräten, zwischen denen der Kunde vergleichen kann. Mit der One-Serie hat man die Zahl verfügbarer Phones erfreulicherweise schon deutlich reduziert. Und dennoch konnte man es irgendwie nicht lassen und bürdet etwa dem LTE-Phone One XL noch einen Gegenkandidaten aus eigenem Hause auf: das weniger gut ausgestattete, aber fast ebenso teure LTE-Phone Velocity 4G.

HTC versucht, sich mit der One-Serie in allen Preislagen mit der Konkurrenz zu messen. Aber die besitzt entweder finanziell den längeren Atem, wie der Riesenkonzern Samsung, oder ist einfach noch günstiger, wie die Billigkonkurrenz Huawei und ZTE. So viel macht HTC meines Erachtens eigentlich gar nicht falsch. Der Markt ist das Problem: Er ist hoffnungslos übersättigt, mit Android ist kaum Geld zu verdienen, und statt dass sich der Dschungel lichten würde, buhlen weitere Anbieter um Aufmerksamkeit. HTCs Versuch, sich mit Kopfhörern (und ausgezeichneten Kamera-Funktionen) zu unterscheiden, war aller Ehren wert. Dass es nicht funktioniert hat, liegt in der Natur der Sache, nicht unbedingt an verfehlter Unternehmenspolitik.

(Jürgen Vielmeier, Bilder: HTC)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.