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Tweetbot stellt öffentlichen Beta-Test ein, Twitter blendet Namen von Clients aus


Fällt künftig weg: Die Info, von welchem Client ein Tweet stammt

Alte Freunde unerwünscht: Mit der neuen API führte Twitter kürzlich höhere Auflagen für Apps von Drittentwicklern ein. Das wurde in der Fachpresse vielfach kritisiert, einige winkten jedoch ab und sagten: Alles nur halb so wild. Einer von ihnen war Entwickler Paul Haddad. Für seinen Twitter-Client Tweetbot für das iPhone berge das kaum ein Problem und mittelfristig sei alles in Ordnung.

Umso erstaunlicher also, dass ebenjener Paul Haddad gestern ankündigen musste, dass er den Alpha- und Beta-Test seiner Tweetbot-Version für den Mac einstellt. Der Grund: die Twitter-API. Jedem Client steht seit der Beschränkung vorvergangene Woche nur noch eine begrenzte Zahl von Nutzerbons zur Verfügung. Diese wolle er nicht schon im Vorfeld der finalen Version verbrauchen, denn die Nutzung jedes Software-Clients zähle einzeln, schreibt Haddad. Er habe sich in den vergangenen Tagen intensiv darüber mit Twitter unterhalten, man sei aber zu keiner Einigung gelangt. Er stellte klar, dass Tweetbot für den Mac nach wie vor erscheinen solle. Aber den Alpha- und Beta-Test führt er nun lieber im kleinen, geschlossenen Nutzerkreis fort.

Freunde, wer braucht schon Freunde?

Es bleibt also dabei: Twitter macht unumwunden deutlich, dass man die Entwickler von unternehmensfremden Clients am liebsten loswerden würde. Das zeigen die neuen Beschränkungen der API, das zeigt aber etwa auch die heute Nacht getroffene Maßnahme, die Namen der Clients in den Tweets nicht länger anzuzeigen. Bisher stand unter jedem Tweet, ob er etwa von Twitters Webversion, von Osfoora, Tweetdeck oder Echofon abgeschickt wurde. Diese Information entfällt künftig. Laut Twitter, um den Inhalt der Tweets hervorzuheben. (Ist klar.) Klingt nach einer kleinen, unscheinbaren Änderung. Wer Twitter aber eine Zeitlang genutzt hat, weiß, dass diese Information eigentlich ganz interessant und zusätzlich eine gute Werbung für die Clients war. Stellt man das ab, sorgt man dafür, dass die Namen der Apps aus dem Gedächtnis verschwinden.

Twitters neue Politik vom Paulus zum Saulus ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar. Nicht nur, weil man damit die Apps ausschließt, die das Unternehmen einst groß gemacht haben. Sondern auch, weil man sich dadurch der besseren Software entledigt. Das aktuelle Twitter für den Mac wurde seit nunmehr drei Monaten nicht aktualisiert, das von Twitter übernommene Tweetdeck reicht in der Mac-Version noch immer nicht an die sehr ordentliche Adobe-Air-Version heran. Ähnlich sieht es auf dem iPhone aus, wo der native Twitter-Client ein lahmer, überfrachteter Murks ist. Wenn Twitter schon alle Brücken zu den alten Freunden abbricht, dann sollte das Unternehmen doch wenigstens sicher stellen, dass man den Nutzern etwas Besseres bietet. Bisher sehe ich das nicht.

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

10 Kommentare

  • Eventuell das Vorgehen von Facebook kopiert. Alle mobilen Anwendungen und externe Klienten schlecht gestalten oder den Zugang verwehren, um auf die Seite direkt gehen zu müssen. Und hier kann man dann irgendwann beginnen Werbung zu setzen, die ja bei Fremdsoftware und mobilen Anwendungen unterdrückt wird.

    Ich nutze Twitter ausschließlich mit Chrome und Tweetdeck, alle andere, auch twitter.com, ist eine Zumutung.

  • Twitter hat auch seit einigen Tagen ziemliche Probleme mit der API (ob gewollt oder nicht sei mal dahin gestellt). Alle Twitterclients (außer den twittereigenen) haben Probleme mit der Streaming-API. Bei mir friert Metrotwit regelmäßig ein und lädt keine Tweets mehr nach.

  • „Twitters neue Politik vom Paulus zum Saulus ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar.“

    Eigentlich schon, denn Twitter muss Geld verdienen wollen sie nicht eines Tages Pleite gehen oder von Facebook, Google oder MS aufgekauft werden.
    Eine vermutlich beste Einnahmequelle ist wohl Werbung , der Nutzer wird aber immer versuchen Client´s zu benutzen welche diese Werbung möglichst Unterdrücken oder Ausblenden.
    Hinzu kommt was vermutlich ein Haupgrund ist das fremde Client´s wichtige Userdaten für den Datenhandel abschöpfen , denn auch „kostenlose“ Clients müssen sich von irgend etwas Finanzieren.

  • Ist die Änderung der Anzeige denn schon komplett „durch“?
    Mein altes TweetDeck 0.38.2 (die erwähnte Version für Adobe Air) zeigt nämlich weiterhin an, von welchem Client die Posts verschickt wurden.
    Ich befürchte nur, dass diese TweetDeck-Version, die ja offiziell gar nicht mehr existiert, irgendwann auch durch API-Änderungen ausgeschlossen werden wird. Die „neue“ offizielle von Twitter reicht ja bei weitem nicht an diese Usability und die Möglichkeiten des alten TweetDeck heran. 🙁

  • Ich habe auch gerade heute über dieses Thema geschrieben, ich denke, das Argument aus Kommentar #3 ist Top: es geht um das Geldverdienen mit Twitter durch Werbung.

    Aber, es war schon oft so (siehe AOL), dass man ein Unternehmen durch diese Maßnahmen ins Nirwana befördert hat.

    Wenn Twitter nicht offen für Apps bleibt, könnte es daran zugrunde gehen

  • Das mit der Werbung klingt am plausiebelsten! Irgendwie müssen die ja zu Geld kommen und wer erinnert sich schon gerne an die Leute die einen groß gemacht haben, wenn sie am Umsatz rütteln könnten?

  • Echt traurige Entwicklung im Moment, andererseits ist Twitter ein wirtschaftlich denkendes Unternehmen was machen kann was es will, dafür aber auch eventuelle Konsequenzen tragen muss.

  • #8 Veronika schrieb

    „Echt traurige Entwicklung im Moment, andererseits ist Twitter ein wirtschaftlich denkendes Unternehmen was machen kann was es will…“

    Die Frage dabei was eigentlich „Schlimmer“ ist:
    Apps von Drittentwicklern einzuschränken und sich dabei von ein paar vermeindlich lästigen „Mitessern“ zu befreien oder wie Facebook die Daten seiner User an die meistbietenden zu Verkaufen? Der zügellose Datenverkauf findet ja meist unterhalb des Aufmerksamkeits Radar statt und macht deshalb weniger Schlagzeilen.

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