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Second Screen, der heimliche Star des „Wetten Dass“-Abends

Weil ich am Samstag ohnehin krank auf dem Sofa lag, konnte ich mir das ja einmal anschauen: Das neue „Wetten dass???“ mit Markus Lanz statt Thomas Gottschalk. Was ich sah: Einen angespannten Moderator – wer will es ihm verdenken? – bunte Musikeinlagen und fünf mehr oder weniger spannende Wetten. Nebenbei verfolgte ich die Twitter-Timeline auf meinem Smartphone – und amüsierte mich königlich. Weniger über die Show, als über die Tweets. Ein paar Beispiele:

… über die Co-Moderatorin und einen Show-Act. Der eine oder andere fand, dass Cindy dem Lanz gar ein wenig die Show stahl:

Comedian Jan Böhmermann lief zu Hochform auf:

Couchgast Karl Lagerfeld wirkte in der Tat gelangweilt und gab sich als Querulant:

Über die Saalwette:

Über den umstrittenen, weil etwas vorlauten zehnjährigen Julian Zude, der das Berliner-S-Bahn-Netz auswendig kannte:

Zur „Strafe“ für die niederländischen Wettpaten Sylvie und Raffael van der Vaart, die nach der verlorenen Wette eines türkischstämmigen Kandidaten mit einem Wohnwagen durch die „Manege“ fahren mussten:

Kurz zusammengefasst:

Ich gucke nur selten mal einen „Tatort“, lese aber im Vorbeigehen die Tweets dazu und hab dann eine ungefähre Ahnung davon, wie die Folge war. Tatort-Twittern hat inzwischen Tradition. Bei dieser Wetten-dass-Folge meldete sich sogar eine Freundin bei mir, die eigentlich nicht bei Twitter ist, und schickte mir die besten Tweets aus der Timeline ihrer Freunde. Motto: Das Programm ist so lala, aber die Tweets dazu sind die eigentliche Unterhaltung. Hier hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass auch die Masse langsam auf den Twitter-Zug aufspringt.

Was dafür leider etwas schief ging, war die groß angekündigte Web-Offensive des ZDF. Das ZDF blendete keine Links zur App oder zu Hashtags im laufenden Programm ein. Videopunk Markus Hündgen findet dieses Versäumnis schade. Das ZDF bot eine eigene Web-App zur Sendung an, mit der die Zuschauer etwa über die Wettkandidaten diskutieren und auch offiziell abstimmen konnten. So funktioniert Second Screen nicht. Die Leute wollen keine eigene App dafür installieren, sie diskutieren einfach dort, wo sie ohnehin schon sind: Auf Twitter oder Facebook. Da es ohnehin nur selten TV-Ereignisse gibt, die von einem Millionenpublikum diskutiert werden, halte ich echtzeitbasierte Second-Screen-Communities auch für überflüssig. Für den Trend an sich sehe ich das Gegenteil: Wenn die Unterhaltungen darüber unterhaltsamer sind als die Sendung selbst, dann dürfte Second Screen langsam angekommen sein.


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

19 Kommentare

  • Ich bemitleide alle Menschen, die so zwanghaft tweeten müssen, dass sowas wie Wetten dass… nur noch Spass macht wenn man dauernd tweetet.
    Traurig. Und ich bin froh anders zu sein. Mit reicht es, dies mit meiner Freundin oder Freunden zu teilen, mit denen ich die Realität gerade erlebe, und es nicht auch noch online mit Fremden teilen zu müssen um Spass am Event zu haben.

  • Als ich noch die Sendung sah (Anno 1995) reichte es aus mit der Familie die Unterhaltung zu rezipieren. 2012 muss das Format so langweilig sein, dass die Zuschauer nebenbei mit einem anderen Medium kommentieren müssen. Interessant wäre zu wissen ob die „Twitterer“ im allgemeinen alleine die Sendung sahen und sich durch das Familienformat einsam fühlten und deshalb den Austausch im Netz suchten, die Sendung wirklich einfach nur langweilig war oder ADHS wirklich schon den Großteil jüngerer Bevölkerungsgruppen beherrscht.

  • @Veronika: Ich denke es wird sowas sein „und sich durch das Familienformat einsam fühlten und deshalb den Austausch im Netz suchten“.
    Denn die Sendung war unterhaltsam, wie Wetten dass… eigentlich schon immer war.

  • @Kolibri @Veronika: Ich finde darin eigentlich nichts Bemitleidenswertes. Was ist daran schlechter, dass man heute zusätzlich noch twittert, wenn man etwas sieht, egal ob man mit der Großfamilie vor der Flimmerkiste sitzt oder alleine?

  • Was mir in Deutschland einfach nicht gefällt ist die Ratio von positiven vs. negativen Mitteilungen. Es kotzt mich einfach nur an, dass gefühlt 95 Prozent der Äußerungen negativ stumpfsinniger Natur sind. Das wird eher schlimmer (seit 1995 online) als besser… Oder?

  • @Christian: Fühlt sich so an. Meiner Erfahrung nach kritisieren die Leute aber einfach nur anders. In jeder Kritik, die kein Totalverriss ist, schwingt ein wenig Sympathiebekundung mit. Alles, was nicht kritisiert wird, ist im Grunde in Ordnung gewesen. Niemand würde etwas twittern, das nicht richtig gut oder richtig schlecht war. Wenn manche Leute etwa beschreiben, dass ein Karl Lagerfeld langweilig drein geschaut hat, dann gehört das für mich zu den Erfolgsmeldungen. Lagerfeld, der irgendwie am Samstag zu den Hauptcharakteren gehörte, hat der Show Charakter verliehen.

  • Ich sehe bei „Wetten Dass!?“ durch durchaus Potential die Sendung durch Second-Screen zu pushen. Die Kommentare zu Lanz Witze sind unterhaltsamer als die Witze selbst. Solange Lanz unterirdisch gut oder schlecht ist hat die Sendung Erfolg. Ab dem Zeitpunkt ab dem die Sendung einfach nur normal ist wird sie sterben.

  • @ Stefan:
    Hihi, das T-Shirt fand ich auch sehr lustig. Fragt man sich, ob Cro die grandiose SWITCH Reloaded Wetten Dass Spezial Sendung gesehen hat – wo die „Nena“ ja auch rausgefunden hat, was sich auf „Lanz“ reimt.
    Die Sendung selbst fand ich so lala… Wetten Dass halt. Den Second Screen hab ich allerdings kaum beachtet. War mehr darauf gespannt, ob am Ende Gottschalk dem Lanz die Autotür auf den Rücken zimmert *grins*

  • Neben den Diskussionen bei Facebook, Twitter und in der App äußert sich der Second-Screen-Trend ganz stark auch in den Zugriffszahlen von Wikipedia. Ich habe mir mal die Traffic-Daten vom 3. November angeschaut. Unter den am häufigsten aufgerufenen Artikeln bei Wikipedia an diesem Samstagabend finden sich besonders viele Beiträge mit Wetten-dass-Bezug. http://bitly.com/PNW6HC

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