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Lacht nicht: AOL will mit Alto euer E-Mail-Chaos lichten, und das könnte gelingen

Die Älteren unter euch erinnern sich vielleicht noch an AOL. Das waren die, die in den 90ern mit Internetzugängen und Milliarden von CDs gegen die Telekom antraten, und die heute noch für ihren E-Mail-Client bekannt sind. (Verfilmt mit Meg Ryan und Tom Hanks.) Die 90er sind inzwischen vorbei, niemand braucht mehr AOL (auch wenn es sich dort im Hauptquartier ganz gut leben lässt) und deswegen erfindet sich AOL derzeit neu. Nach der Trennung von Time Warner setzt man verstärkt auf Content, kaufte etwa die Online-Magazine TechCrunch und Huffington Post. Und jetzt versucht man es einmal mit einem neuen E-Mail-Client: Alto. Und der sieht in den ersten Screenshots gar nicht einmal so schlecht aus.

Das Besondere an Alto: Es ist nicht noch ein neuer Webmailer mit einer eigenen Inbox, sondern ein Service, der bereits bestehende Mailkonten von GMail, iCloud, Yahoo und – natürlich – AOL verwaltet und aufräumt. (Eigene IMAP-Konten soll man in absehbarer Zeit hinzufügen können.) Alto erkennt etwa, welche Mails Deals-Newsletter sind, wo sich Reisebuchungen verbergen, was Benachrichtigungen aus Social Networks sind oder wo sich Fotos in den Anhängen verbergen. Diese Mails legt Alto nicht nur in einem eigenen Stapel ab. Die Anhänge werden automatisch extrahiert und in ein anderes Postfach verschoben. Sprich: Alle Fotos, die einem einmal per E-Mail geschickt worden sind, werden bei Alto ohne Zutun in ein eigenes Verzeichnis gelegt. Zusätzlich sollen Nutzer über eine einfache Drag-and-Drop-Bedienung sehr einfach eigene Stapel anlegen können.

Klingt gar nicht schlecht und erinnert mich sowohl von der Herangehensweise als auch der Optik her ein wenig an Doo, das Startup, das Mail-Anhänge archivieren und Papier dadurch vermeiden will. Ein Projekt mit ähnlichem Ansatz wie Alto, wenn auch nicht ganz so hübsch, wäre OtherInbox. Alto ist noch in der geschlossenen Beta-Phase; ihr könnt euch für einen Zugang registrieren.

Ich könnte mir durchaus vorstellen, parallel zu GMail und meinem Desktop-Mailprogramm mit einer Software wie Alto zu arbeiten, eben, um Anhänge schneller zu finden und leichter zu verwalten. Wie gut das funktioniert, können natürlich erst Tests zeigen. Vielleicht sind solche Ansätze aber die eigentliche Lösung für das Problem der täglichen E-Mail-Flut. Eine neue Strukturierung statt die von manchen gewünschte Abschaffung der Mail. Ich hoffe, wir sehen noch mehr davon.

(Screenshot: Techcrunch)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

14 Kommentare

  • Hört sich sehr interessant an, werde ich auf jeden Fall testen.
    Genug Erfahrung in dem Gebiet hat AOL ja, also kann das echt was werden.

  • Cool! Vorallem werden gleich alle Anhänge, die sich in nicht erkannten Spam-Mails befinden (oder von gehakten Accounts verschickt wurden), gleich vollautomatisiert einsortiert. Klasse Sache 😉

  • Gibts so etwas Vergleichbares auch als Desktop Mail Client? Die Idee finde ich super, aber ich nutze nicht so gerne Webseiten für meine Mails.

  • also bei Outllok durch regeln zu lösen
    Oder bei Hotmail ist das standardmäßg schon eingebaut, dass Dokumente gespiegelt in einem eigenen ordner zu finden sind, sowie bilder getrennt werden.
    Klingt gut und schadet bestimmt nicht.^^

  • Nutze ich schon seit über 10 Jahren mit Eudora, der haut die Anhänge in einen eigenen Ordner. Somit kann man besonders gut Yahoo oder Google Gruppen folgen. Die Anhänge werden extra gespeichert, sind aber in der Email zu sehen. Lösche ich ausversehen die Email, ist der Anhang noch da. Lustig während die weitere Entwicklung von Eudora eingestellt wurde, feiert man hier ähnliche Produkte.
    Gmail bietet aber weiterhin den Vorteil, dass ich es mit Apps aufpimpen kann und wirklich sinnvolle Sachen damit tun kann, als mich nur an ein paar hübsche Stapel zu erfreuen.
    Wichtig ist doch, dass ich die begonne Kommunikation gezielt weiter ausbauen kann. Da halte ich doch Sachen wie http://www.streak.com und http://www.rapportive.com viel sinnvoller.

  • Ich bin mir sicher, dass die Funktionsweise über simple Regeln wie ihr es villeicht aus Outlook kennt hinaus geht. Also redet nicht gleich wieder alles schlecht, ihr arogantes alteingesessenes Internetvolk.

  • Interessanter Vorstoß vom tot geglaubten AOL: Was dem Beitrag aus meiner Sicht fehlt ist eine kritische Auseinandersetzung der damit verbundenen datenschutzrelevanten Aspekte. Denn mit dieser neuen Lösung geben Menschen (nach altbewährter AOL-Masche) noch viel mehr als bei Facebook den Zugriff auf Ihre privatesten Konversationen in die Hände des Providers. Das zeigt uns doch zwei Dinge: Erstens gibt es ein relevantes Problem in der Organisation unserer e-Mails schon im privaten Bereich, das so groß ist, dass AOL denkt, sie können sich einen derartigen Eingriff in die Privatsphäre der User erlauben. Zweitens ist die Organisation der privaten Konversationen nur die halbe Miete, denn so wie das Private und das Berufliche immer mehr verschmelzen, ist die Trennung in diese Bereiche, bzw. die Organisation beider Bereiche auch von AOL noch nicht ausreichend gelöst. Davon abgesehen glaube ich nicht, dass sie damit erfolgreich sein werden. Denn damit ist dem Daily Spam Tür und Tor geöffnet – nicht nur an den Emails klebend, sondern gleich auch noch an den Dateianhängen. Ich arbeite täglich mit dieser Problematik und weiß, dass die Trennung von privater und beruflicher Konversation überholt ist.

  • Was wollen die von AOL denn noch. Ich war bis vor wenigen Wochen Kunde, aber die meisten Funktionen im Portal funktionieren nicht mehr. Da kann keiner mehr was mit anfangen.

  • Ich nutze nun AOL schon viele Jahr. Leider lassen sich die Nachrichten nicht mehr unter XP öffnen. Bei Win7 ist das kein Proplen. Aber ich kann mir Win7 nicht auf meine Rechner machen, weil es für meine Laserdrucker keine Treiber gibt. Warum macht das AOL so.

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