Sonstiges

Frohe kommerzielle Weihnachten: Rabatt-Eskalation bis zur Lächerlichkeit

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geschrieben von Michael Müller

Ich mag Weihnachten. Auf dem Weihnachtsmarkt zwei Glühwein planen, dann aber vier trinken. Geschenke sorgsam auswählen, und doch bei Amazon bestellen. Ein Hoch auf die Beständigkeit, ist es doch wirklich jedes Jahr das Gleiche. Fast. In diesem Jahr ist etwas anders. Was daran liegen mag, dass die Quantität meiner abonnierten Newsletter ein neues Hoch erreicht hat. Rabatte und Aktionen wohin das Auge reicht. Und das in einer Masse, die schon fast in Lächerlichkeit abdriftet.

Verkaufen lautet die Devise!

Dass um die Weihnachtszeit hierzulande der gesamte Handel darauf ausgerichtet ist, möglichst viel Umsatz zu generieren, ist nicht neu. Schließlich spült das Geld für Geschenke einige Groschen in die Kassen der Einzelhändler – und eben umso mehr davon, wenn durch Rabatte oder massive Werbung freundlich dazu angeregt wird, genau hier oder dort zu investieren. Diese Logik gilt bei verkaufsfördernden Absichten schon seit Ewigkeiten. So weit, so gut. Etwas verstörend ist allerdings die neue Praxis, fast täglich auf neue Super-Angebote und Rabatte hinzuweisen. Teils erreicht mich alle zwei Tage eine Mail mit neuen Rabattcodes desselben Händlers. Geht es nur mir so, dass ich mich dadurch weniger zum Kauf ermutigt fühle, als eine anwachsende Abneigung gegen den Händler aufbaue?

Um ein paar Beispiele zu nennen. Seit dem 1. Dezember schickt mir Payback jeden Tag, als „Adventskalender“ getarnt eine Mail mit tagesaktuellen Empfehlungen. Lieb gemeint, nur interessieren mich die Angebote nun wirklich wenig. Vor allem: ich weiß jetzt schon, dass mich bis Weihnachten 24 Mails erreichen werden. Jeden Tag aufs Neue. Meine Arteria carotis schwillt bei dem Gedanken schon heute an. Und dabei bin ich erst seit zwei Wochen Payback-Mitglied. Wird wohl dazu führen, dass ich mich vom Newsletter abmelde. Na ob das der Sinn der Aktion ist…?

Ähnlich intensiv, aber noch ein wenig anstrengender verhält es sich mit dem Mode-Versender ASOS. Die Herrschaften aus dem Vereinigten Königreich fielen mir schon immer besonders dadurch auf, ein stark ausgeprägtes Newsletter-Marketing zu betreiben. Für mich nicht unbedingt negativ, da ich ab und an von den Rabattgutscheinen oder Sale-Offerten Gebrauch machte. Ist schließlich immer schön zu sparen. In der Weihnachtszeit hingegen flattert fast täglich eine neue Mail von ASOS ins Haus. Richtig los ging es am 29. November, Rabatt auf Mäntel, Jacken und die Hausmarke. Am 30. dann 20 Euro Rabatt beim Einkauf über 100 Euro. Am 2. Dezember spezieller Marken-Rabatt, am 3. Dezember noch speziellerer Marken-Rabatt. Tja, und gestern dann eine Gewinnspiel-Ankündigung. Puh. Leute. Lieb gemeint, aber so prall ist meine Weihnachts-Börse dann doch auch nicht gefüllt, oder?

Rabatt-Feuerwerk reduziert Konsumfreude

Womit mein persönliches Fazit der Rabatt-Eskalation auch schon erklärt wäre. Dadurch, dass sich die Vergünstigungen in derart kurzen Zyklen, teilweise sogar von Tag zu Tag verändern, vergeht mir ein wenig die Lust auch wirklich etwas zu kaufen. Denn wenn ich heute bestellte, gäbe es die Produkte womöglich morgen oder übermorgen schon sehr viel günstiger. Ich bin verunsichert. Werbung, Rabatte und Newsletter in Ehren, aber doch bitte nicht in dieser Intensität. Auch nicht zum Fest des Konsums der Liebe.

Bild: Bernd Kasper / pixelio.de


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Über den Autor

Michael Müller

Michael tritt seit 2012 in über 140 Beiträgen den Beweis an, trotz seines Allerweltnamens real existent zu sein. Seit Abschluss seines Wirtschaftsstudiums arbeitet er als Kommunikationsberater für namhafte Technologie-Firmen, kann und möchte das Schreiben aber nicht sein lassen.

11 Kommentare

  • Mal kurz eine Frage: Hast Du eine Lizens für das Bild?
    Public Domian ist es jedenfalls nicht obwohl es im Netz weit verbreitet ist.

  • Witzig wie ich genau den selben kram auch bekomme. Asos, Payback, … tatsächlich scheint kein wirklicher lifecycle dahinter zu stehen…Quantitat statt Qualität. Mich würde mal die Konversion solcher Sperrfeuer interessieren.

  • mein letztes weihnachtsfest fand unter freiem himmel statt. mit zelt und campingkocher, fernab irgendwelcher siedlungen o.ä.
    kein weihnachtsbaum, keine geschenke, einfach nur eine gemütliche gemeinschaft.

    definitiv ein erlebnis, weihnachten ohne hektik, irgendwelche zwänge und sonstiges zu feiern und stattdessen mal zur ruhe kommen.

  • Ich arbeite seit vielen Jahren in diversen Webshops und kann nur sagen, daß die CR von Newslettern extrem überbewertet wird.

    Da wird viel Hirnschmalz reingesteckt, geplant & gemeetet und dann haste ein paar €k Umsatz darüber erzielt.

    Es GIBT Ausnahmen, klar. Richtiger Zeitpunkt, richtige Zielgruppe, richtiges Produkt, richtiger Preis, lieferbar usw.

    Und wenn man jetzt überlegt, wie oft man solche Benchmarks ins eigene Leben übertragen kann („Scharfe Frau! Die sprech ich jetzt an!“) dann weiß man, wie häufig solche Treffen sind! 😉

    Und ja, nervige Frequenz wirkt nicht beim scheuen Wild. Egal, ob Online-Shopper oder Top-Frau.

  • Zweistufiger Rabatt-Wahnsinn
    Von einem Sportartikel-Shop habe ich die „Einladung“ bekommen, bis 8.12. in den Shop zu kommen, etwas zu kaufen (!) und dann erhalte ich einen Rabatt-Gutschein von 24 % (!) für das gesamte Sortiment. Echt krank, oder?

  • Der Trick mit dem Adventskalender ist mir auch aufgefallen. Alle noch so unwichtigen Shop`s bieten täglich Gutscheine oder Rabatt an. Es macht schon keinen Spaß mehr in seine E-mail-box zu schauen, da man sowie so nur noch löschen drücken kann

  • Nur mal ein Tipp am Rande, Newsletter können auch abbestellt werden…
    Deine Meinung teile ich aber voll und ganz. Bin gerade in den USA, da sieht man das gleiche aber noch in einer anderen Dimension

  • Klar, Abbestellen ist eine Alternative. Allerdings ja irgendwo nicht Sinn der Sache, schließlich hat es ja auch einen Grund, wieso man die Newsletter abonniert hat 😉

  • Welchen Grund gibt es denn, Newsletter (Werbeblättchen) zu abonnieren?
    Ich kaufe nur dann, wenn ich etwas wirklich brauche und nicht, nur weil mir ein Newsletter ein angebliches Schnäppchen verspricht, die meistens gar keine sind.
    Hinzu kommt, dass ich Preise im Netz vergleiche und nicht alles bei Anbieter X und Y kaufe, nur weil es so bequem ist. Klar, wenn ein Produkt bei einem meiner Anbieter 3€ teurer ist, spare ich mir eine Neuanmeldung woanders auch, oft ist aber deutlich mehr drin.

  • Der Preisdruck beherrscht den Markt. Auch wenn große Marken wie Gucci oder Armani ihre individuellen Preise größtenteils fix halten, so kauft die breite Masse der Leute ihre Produkte über Plattformen, wo der Preis am günstigsten ist und schauen sich in den jeweiligen Fachgeschäften nach Preisrabatten. Dabei setzen Unternehmen gern auf eine gut durchdachte Marketingstrategie. So sieht man den durchgestrichenen Preis von 30 Euro und entdeckt in dem 10 Euro teuren Produkt ein angeblich wahres Schnäppchen. Aber war das Produkt vorher wirklich 30 Euro wert oder wurde der Preis angehoben? Preisschlachten spielen im Internet eine bedeutsame Rolle. Elektroniksachen und Bücher sind günstig über Amazon erhältlich. Auch im Bereich Printmedien wird um jeden einzelnen Kunden gebuhlt. Dann entfallen die Preise für das Testabo zum Beispiel für die SZ oder es werden über diverse Arten von Zeitschriftenabonnements neue Leser geworben. Das Neon Abo von Lorenz wirbt beispielsweise bei jungen Leuten mit frischen, neuen Inhalten und lockt durch Prämien oder Geschenken, damit neue Leser generiert. Das ist eine Marketingstrategie, die aber durchaus sinnvoll und aus ökonomischer Sicht absolut lohnenswert ist.

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