Sonstiges

Mit Outlook.com auf Angriffskurs zu Gmail, GMX und Co.

Wenn ich euch fragen würde, bei welchem Freemail-Anbieter ihr so registriert seid, dürften viele von euch GMX, Web.de und Gmail nennen. Zu diesem Schluss komme ich nicht einfach so, sondern nach einem Blick in mein virtuelles Adressbuch. Deutlich seltener vertreten: Adressen mit der Endung msn.com, live.com oder hotmail.com, die von Microsoft verwendet werden. Doch das soll sich ändern. Denn Microsoft will mit dem neuen Outlook.com, einem rundum verbesserten Hotmail, neu durchstarten.

Outlook.com als übersichtliche(re) Alternative zu Gmail

„Mit Hotmail war es nicht mehr möglich, die notwendigen Schritte zu machen, um mit Diensten wie Gmail mithalten zu können“, sagte Windows Live Produktmanager David Law am Dienstag im Rahmen einer exklusiven Präsentation in München. Deswegen habe man sich schon vor zwei Jahren dazu entschlossen, mit der browserbasierten Outlook-Version an den Start zu gehen. Auch, um eine Brücke zu Windows 8 und Windows Phone 8 zu bauen. „Outlook ist eine bekannte Marke. Viele Nutzer kennen sie zum Beispiel aus dem Büro“, ist Law überzeugt. Eine These, die ich teile. Lange habe ich privat das Programm Outlook Express verwendet, ehe Mozilla mit Thunderbird um die Ecke kam.

Der Anspruch von Microsoft an sich selbst ist groß: „Wir wollen die beste Kommunikationssoftware bieten – nutzbar auf allen Plattformen“, sagt Law. Die eigentlichen Vorteile vom neuen Outlook.com sind aber eigentlich nur im Browser-Fenster verfügbar. Denn eine spezielle Outlook-App für mobile Endgeräte gibt es nur für Android und die ist nicht einmal richtig intuitiv. Wer ein Gerät auf Basis von iOS oder Windows Phone verwendet, muss sich auf die vorinstallierten E-Mail-Clients verlassen und die sind – finde ich – nicht wirklich schön zu bedienen.

Also zurück zur Browser-Version: verglichen mit Gmail ist Outlook.com mit einem deutlich übersichtlicheren Menü ausgestattet. Durch eine deutlich schmalere Menüleiste sind auf einen Blick mehr E-Mails sichtbar. Aber: an der rechten Seite des Posteingangs wird auch in einer ganzen Spalte Werbung eingeblendet. Zumindest theoretisch. Denn das, was ich bei der Demo in München in dem von David Law verwendeten Account sehen konnte, wird in meinem deutschsprachigen Account derzeit (noch) durch Platzhalter ersetzt. Eines war dem Microsoft-Manager aber besonders wichtig: „Bei Outlook.com werden anders als bei Gmail die Inhalte der per E-Mail geführten Unterhaltungen nicht für personalisierte Werbeanzeigen ausgewertet. Datenschutz ist uns wichtig und deswegen ist Outlook.com letztlich das bessere Produkt.“ Als Marketing-Mann muss er das natürlich so sagen.

Aber tatsächlich gibt es einige Funktionen, mit denen sich Outlook.com von Gmail und anderen Freemailern absetzt. Spannend finde ich beispielsweise, dass Outlook.com eng mit anderen Plattformen verknüpft wurde. Und das sowohl intern als auch extern. So steht zum Beispiel eine direkte Anbindung an Microsoft Skydrive zur Verfügung. Wer große Dateien wie Videos oder ganze Fotostrecken verschicken möchte, kann diese ohne Umwege über den Postausgang in die Cloud laden – maximal 7 Gigabyte stehen kostenlos zur Verfügung. Freunde werden anschließend per E-Mail eingeladen, die Inhalte direkt in der Cloud anzuschauen oder herunterzuladen. Eine ähnliche Funktion hatte auch Gmail kürzlich neu eingeführt. Darüber hinaus ist es möglich, Verknüpfungen mit Facebook und Twitter vorzunehmen. Dann werden auch Fotos, Aktualisierungen und Tweets direkt auf der Outlook-Plattform angezeigt. Zu einem späteren Zeitpunkt wird auch Skype mit der Möglichkeit integriert, Videotelefonate zu tätigen. Law konnte aber noch nicht sagen, wann genau das der Fall sein wird. „Wohl irgendwann 2013“, so seine schwammige Auskunft.

Office-Dateien per Web App öffnen und bearbeiten

Gefallen hat mir auch die Möglichkeit, sich mit nur zwei Klicks von Newslettern abzumelden. Automatisiert nimmt Outlook.com eine Abmeldung beim Versender des Newsletters vor. Kommen doch noch E-Mails an, landen sie automatisch im Spamordner. Alternativ ist es auch möglich, alle E-Mails von einem bestimmten Absender – zum Beispiel Benachrichtigungen über Aktualisierungen bei Facebook – in einen bestimmten Ordner zu sortieren. Klasse auch: wer zum Beispiel eine Word- oder Excel-Datei empfängt, muss die Office-Komponenten nicht zwingend als Software auf dem gerade genutzten Rechner installiert haben. Stattdessen öffnet sich eine Web App, in der auch Bearbeitungen möglich sind. Grundsätzlich gilt: wer office.com nutzen möchte, muss mit dem Internet verbunden sein. Im Büro oder zu Hause ist das praktisch, unterwegs setze ich lieber weiter auf ein E-Mail-Programm.

Es gibt viele Einstellungsmöglichkeiten – und das ist alles andere als übersichtlich.

Bleibt nur eine Frage: sollte man zu Outlook.com wechseln? Ohne Zweifel hat Microsoft ein tolles Produkt geschaffen, das viele Vorteile mit sich bringt. Rund 25 Millionen Anwender sind nach Angaben von Microsoft bereits zu Outlook.com gewechselt – knapp 550.000 davon sind deutsche Nutzer. Mehr als ein Drittel der Wechselwilligen sollen ehemalige Gmail-Nutzer sein. Und um die zu halten, ist es zum Beispiel möglich, die von Googles Freemail-Dienst gewohnten Tastatur-Shortcuts auch bei Outlook.com zu nutzen. Vorausgesetzt, die entsprechende Möglichkeit in den zum Teil doch recht unübersichtlichen Einstellungen wird gefunden.

Wichtig ist übrigens ferner, dass bestehende Hotmail- oder MSN-Adressen nicht verloren gehen. Wer alternativ gerne eine E-Mail-Adresse mit der Endung @outlook.com nutzen möchte, hat die Möglichkeit, einen entsprechenden Alias einzurichten. Ein Wechsel von Gmail ist in fünf Schritten möglich. Und jetzt ihr: Outlook.com – Ja oder Nein? Ich bleibe bis auf Weiteres übrigens bei Gmail. Aus einem einfachen Grund: ich kann über Thunderbird IMAP nutzen. Eine solche Möglichkeit habe ich bei Outlook.com bisher (noch) nicht. Ganz nebenbei: wenn euch die blaue Outlook-Leiste nicht zusagen sollte, könnt ihr auch eine von elf anderen Farbtönen einstellen. Gelb gibt’s aber leider nicht. Gefällt mir nicht!


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

Hayo Lücke

Hayo Lücke hat von 2009 bis 2014 insgesamt fünf Jahre lang für BASIC thinking geschrieben und dabei über 300 Artikel beigesteuert.

22 Kommentare

  • Ich finde outlook.com gar nicht so schlecht, dafür aber die mail-app auf Windows, da nutze ich lieber Gmail im Chrome-Win8-Browser.
    Ich hab meine Outlook-Adresse, weil ich vorher eine hotmail-Adresse hatte.

    Evtl. werde ich mal outlook.com benutzen, aber dann auch nur mit meiner Gmail-Adresse, aber dann auch nur, wenn sich alles (App/Browserseite) besser/einfacher/übersichtlicher sind.

  • Als Zweit-Email-Anbieter bin ich schon bei outlook.com – wenn es schnell gehen muss wird die verwendet, weil sich die Webpräsenz von meinem anderen E-Mail-Anbieter in Stunden erst aufbaut…
    IMAP wäre aber in der Tat wichtig.

  • Die Frage ist: Warum „schenkt“ einem Micrsoft das? Der Hintergedanke damit Windows Phone oder gar Windows 8 zu pushen wird es kaum sein dann das wir nicht die erwartete Wirkung haben. Werbung wird (derzeit) keine eingeblendet aber das wird mit sehr hoher Sicherheit kommen und die soll dann aber nicht Content bezogen sein? Wie will Microsoft das gegenüber den Marketingstrategen bitte verkaufen? Mit dem „guten Namen Microsoft“ wird da auch nicht sonderlich viel zu holen sein.

    Man kennt ja die regelrechten Hetz-Werbespots von Microsoft gegen Google was die Maildienste angeht. Schlussends denke ich das Microsoft auch sehr stark in diese Schiene der Werbevermmarktung gehen muss.

    Was mir bei Outlook.com dann aber auch sehr sehr gut gefällt ist das Interfacedesign, die Alias Funktion sowie die Filterfuntionen. IMAP wäre dann jetzt noch die Kirsche oben drauf das ist richtig, vor allem eben für Mobilgeräte wie Smartphones. An einem Tablet lebt man mit dem Browser-Interface auch noch ganz gut wenn man mindestens eine 10″ Glotze vor sich hat 😛

    Schau’mer mal, dann seh’n mer mal was da noch so kommen wird.

    P.S.: Gelb? Nicht dein ernst oder.
    P.P.S. Euer neues Blig-Blau sieht dem Outlook Blau schon a bissl ähnlich, es ist blos heller *niveaulosshitstorm*

  • Entschuldigung, aber was ist denn das für ein Werbepost? Alle „tollen Vorteile“ die hier aufgezählt werden kann beispielsweise Gmail schon längst und zum Großteil sogar besser (Labels, Filter, Starred, Google Chat/Talk/Hangout), mal abgesehen von dem Mehr an Speicherplatz das Google anbietet (aktuell 10,1GB, laufend wachsend). Outlook.com ist definitiv eine Alternative und hat seine Daseinsberechtigung, mehr aber auch nicht.

  • „Bei Outlook.com werden anders als bei Gmail die Inhalte der per E-Mail geführten Unterhaltungen nicht für personalisierte Werbeanzeigen ausgewertet.“

    Das ist der Grund, warum ich mir beim Start von Outlook.com gleich eine Adresse dort gesichert hatte.

  • Der Grund für die Unbeliebtheit von Hotmail und Live ist wohl die Tatsache, dass Spammer diese Adressen gerne für ihren Tätigkeitsbereich verwenden. 😉

    Mal schauen, was das neue Outlook so bringt. Vielleicht wird es ja bahnbrechend 😉

  • Mein Dilemma:
    Googlemail: Besser, aber alle sinnige Nutzernamen sind weg.
    Outlook.com: „Seriöse Mail-Adresse“, aber kein IMAP.

    Grad die fehlende Möglichkeit Outlook.com vernünftig per Client abzurufen und die Mails zu verwalten hätte durchaus erwähnt werden sollen.
    Denn heutzutage Mails per pop3 abzurufen, wirkt auf mich mittelalterlich…

  • @smk, dann reservier dir nun deine Emailadresse bei outlook.com und benutz es, sobald es IMAP gibt (oder dann eben auch nicht).
    Das reservieren kostet nix 🙂

  • Nachtrag:
    „Durch eine deutlich schmalere Menüleiste sind auf einen Blick mehr E-Mails sichtbar.“
    Das kann ich nicht bestätigen.
    Ich sehe ohne Scollen bei Google 31, bei Outlook 26 Mails.
    Insgesamt sind auf einer Seite bei Google 50, bei Outlook 35.
    Hinzukommt, dass bei mir Google (wohl auch die größere Breite, da hier nix für eien Platzhalter verschenkt wird) zusätzlich den Anfang einer Mail anzeigt.
    Zusätzlich its Outlook.com im FF immernoch etwas „buggy“.

    *seufz* Wenn Google noch andere Domains anbieten würde und damit wieder sinnvolle Namen frei werden…

    (Jeweils ohne Vorschaubereich und kleinste Einstellung)

  • Also mal ehrlich, warum braucht ihr bitte IMAP?
    Es ist doch mit Windows 8 Mail kein Problem, auf das Outlook.com-Postfach zuzugreifen und die runtergeladenen Mails auch Offline zu lesen.

    Oder nutzt hier noch jemand etwas anderes, als die Mail-App von Windows 8?

    *scnr*

  • Ich war von Anfang an mit dabei bei outlook.com und seitdem hat sich einiges getan. Auf Benutzerwünsche wurde reagiert und vieles wird noch kommen.
    Wichtig ist erstmal, dass die gesamte Weboberfläche von outlook.com (meiner Meinung nach) deutlich übersichtlicher gestaltet ist als die von den anderen großen Anbietern.

  • Bin bei Outlook registriert.

    Ich nutze Outlook aber kaum, da man dort die Zugangsdaten nicht (im Firefox) abspeichern kann.
    Habe keine Lust, meine Daten mehrmals täglich mühsam einzutippen um zusehen, dass da keine neuen mails drin sind…

  • Mir gefällt Outlook.com besser als das verspielte Gmail, vom Datenschutz ganz zu schweigen! Warum alle diesem datensaugenden Monopolisten Google hinterher rennen ist eh fraglich, ausserdem ist es immer gut wenn Konkurrenz das Geschäft belebt.

    • Das Ding ist bei mir persönlich halt, dass ich viele Google-Dienste gerne nutze. Den Kalender zum Beispiel. Klar, den hätte ich bei Microsoft auch, ich weiß. Dennoch: wenn man einmal mit einem Unternehmen eine enge Bindung eingegangen ist, will man so schnell nicht wieder weg. Sonst müsste man ja überall alles ändern…

  • Nutze seit dem Start von Outlook.com den Dienst (parallel zu meinem alten GMX Acc.) und bin eigentlich sehr zufrieden bis dato und hab bislang eig auch nichts woran ich meckern könnte, muss aber auch gestehen das ich GMail noch nie benutzt hab 😛

  • Jetzt, wo Google sich in Gmail von Exchange ActiceSync verabschiedet und WP8 Nutzer so nicht mehr voll synchronisieren können, wird es sicherlich interessant werden.

    Zudem ist mit IMAP ja kein Push möglich (IMAP idle fehlt auch). Somit werden die „Pusher“ und „Vollsynchronisierer“ sicherlich über einen Wechsel nachdenken.

  • Also ich habe jetzt komplett von Gmail auf Outlook umgestellt.
    Ich finde die Übersichtlichkeit bei Outlook wesentlich besser und das Design ansprechender, es wirkt moderner.
    Einer der Gründe war auch die einbettung in google+ die mich ultra genervt/gestört hat und endlich habe ich auch meine Wunschadresse (Name@outlook.de) ohne Punkt, Zahl oder Nummer in der Adresse. Gmail war auch nicht, grad was den guten Spamfilter betrifft aber die schlechte Übersichtlichkeit und Google+ haben mich zu einem glücklichen Outlook anwender gemacht

  • Hallo, ich versuche seit gestern, Outlook auf dem Rechner meines Mannes wieder hinzukriegen. W7, Outlook 2007, E-Mail-Adresse ist bei gmail, es läßt sich keine Verbindung herstellen, weder über imap noch über POP, Outlook fragt 1000 mal nach dem Kennwort, man kann es immmmmmer neu eingeben. Ich habe alle Möglichkeiten durchgespielt. Weiß jemand einen Rat?

Kommentieren