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Nach dem Aus des Google Readers wird der RSS-Markt neu aufgeteilt

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Der Aufschrei war vergleichsweise groß, als Google gestern angekündigt hat, den offenbar doch beliebten Google Reader einzustellen. Doch zwischen Trauer und einem letzten Fünkchen Hoffnung gesellen sich gleich mehrere Dienste, die in die Fußstapfen des Readers treten wollen.

Was machen ab dem 1. Juli?

Auch wenn es natürlich mühselig werden kann, einen neuen RSS-Reader mit all seinen Feeds neu aufzusetzen, so werden die User vermutlich zwischen ein paar attraktiven Alternativen wählen können, wenn beim Google Reader zum 1. Juli der Stecker gezogen wird.

Zum einen wäre da natürlich Google+, was der Suchmaschinenkonzern als Alternative zum RSS-Reader positionieren will. Für Google ist die Entscheidung, den Reader einzustellen also keine finanzielle, sondern eine strategische. Ob sie aufgeht, weiß ich nicht, zumal die bisherigen Versuche, die Share-Funktionen vom Google Reader auf Google+ zu übertragen, bislang nicht sonderlich Anklang bei den Usern gefunden haben.

Dennoch, der Erfolg einer Petition, den Reader doch nicht einzustellen, verliert damit an Wahrscheinlichkeit, da Google sich eine strategische Entscheidung sicherlich reiflich überlegt hat und, wie der frühere Reader-Produktmanager Brian Shih schreibt, schon länger den Dienst einstellen wollte, um die User zu Google+ zu bringen.

Feedly und Digg kündigen neue Funktionen an

Ein weiterer Vertreter, der die Fans des Google Readers für sich begeistern möchte, ist das Browser-Plugin Feedly, dessen Entwicklungsteam sofort nach der Google-Nachricht angekündigt hat, die Google-API nachzubauen, sodass ein Umstieg nahtlos erfolgen kann. Man habe schon länger mit einem Abschalten des Readers gerechnet und daher bereits an dem Projekt gearbeitet.

Ähnliches lässt Digg verlautbaren, die die besten Funktionen des Google Readers imitieren wollen und sich noch ein paar kleine Besonderheiten für die User einfallen lassen wollen. Auch will man Usern zuhören, welche Funktionen des Google Readers am beliebtesten waren, sodass sie es auch in das Reader-Imitat schaffen. Auch die Google API will Digg nachbauen, sodass hier ebenfalls ein nahtloser Umstieg erfolgen kann.

Eigentlich wollte man einen Reader sowieso in der zweiten Jahreshälfte 2013 auf den Markt bringen, doch durch die Ankündigung von Google sei das Projekt schnurstracks zur Top-Priorität geworden. Ob und mit welchem Funktionsumfang der Digg Reader nun bis zum 1. Juli an den Start gehen kann, ist jedoch unklar, zumal sich inzwischen auch weitere Wettbewerber positionieren.

Newsblur und Flipboard reagieren schnell

Neben Feedly und Digg haben nämlich auch Newsblur und Flipboard schnell reagiert. Während Newsblur mit kurzfristig stärkerem Andrang rechnet und dafür weitere Serverkapazitäten bereitstellt, lässt Flipboard die User wissen, dass man schon jetzt einfach die RSS-Feeds vom Google Reader übertragen kann. Einziger Nachteil bei Flipboard ist, dass es nur auf iOS- und Android-Geräten funktioniert, eine Web-Version fehlt hingegen noch.

Eine übersichtliche Alternative an Diensten und deren Plattformkompatibilität haben die Kollegen von „The Next Web“ zusammengetragen, auch Whitson Gordon von Lifehacker hat sich die seiner Meinung nach besten Alternativen angeschaut.

Netvibes unterstützt Social Media-Monitoring

Ich persönlich benutze übrigens Netvibes, das bei mir zwar manchmal etwas hängt, aber grundsätzlich eine sehr übersichtliche Oberfläche bietet. Die Share-Funktion ist zwar auf Facebook, Twitter und E-Mail beschränkt, aber zum reinen Lesen ist der Dienst sehr bequem. Hinzu kommt gerade für Marketing-Menschen, dass der Dienst sich auch noch gut zum Social Media-Monitoring eignet.

Es gibt also definitiv ein Leben nach dem Google Reader – bei vielen Diensten auch mit einem nahtlosen Übergang.

Bild: Flickr / TEIA MG (CC BY 2.0)

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Über den Autor

Robert Vossen

Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.

15 Kommentare

  • Hinzu kommt noch die Frage ob nicht zumindest in Deutschland demnächst RSS-Reader mit eigener Browser-Anzeige nach dem neuen „Leistungsschutzgesetz“ von Gerichten als News-Aggregatoren eingestuft werden könnten und „illegal“ wären zumindest in der kostenlosen Variante.

  • Was ich spannend finde. Für mich war der google reader der Grund auch mal in google plus reinzuschauen. War ja nur ein Mausklick entfernt. De facto werde ich also google plus weniger benutzen.

  • Ich denke selber hosten ist auf Dauer gesehen die beste Alternative, so ist man unabhängig und sicher vor Abschaltung oder Umstellung auf Premium Modelle.

  • Mir gehts genauso wie Timo. Nutze Google+ eigentlich nur, weil es gerade „in der Nähe“ ist. Wenn mir Google jetzt nen Tritt gibt und ich woanders hin muß, werd ich Google+ nicht mehr nutzen.
    Tolle Wurst, Google.

  • Hallo zusammen,

    kann mir einer von euch die Begeisterung für RSS erklären?

    Ich habe cirka zehn Seiten die ich täglich ansurfe und mit großem Interesse verfolge und lese. Alle diese Seiten bieten auch RSS an, doch leider sind das gekürzte RSS Feeds. Somit habe ich doch davon nichts, außer das ich den Anfang eines Artikels lesen kann, aber sobald ich den kompletten Artikel lesen möchte, muss ich wieder auf die Website gehen (wegen Werbeeinnahmen usw.).

    Wozu ist RSS also noch sinnvoll? Nur für die Seiten wo RSS Feeds noch komplett dargestellt werden oder gibt es noch weitere Vorteile?

    Grüße

  • @peterstand: sehr viele rss reader bieten die Option gekürzte Artikel über das Web komplett herunterzuladen und sogar mit services wie Instapaper zu verarbeiten. Dadurch hat man perfekt formatierte Artikel auf dem phone und tablet auch wenn der RSS Feed eigentlich nur die Einleitung zeigt.

    Es gibt keinen besseren weg viele newsquellen zu verfolgen als RSS. Das ist ein integraler Bestandteil meiner Internet Nutzung.

  • @PeterStand:

    Ich habe ca. 120 Feeds in meinem RSS-Reader, da wäre es schon etwas mühsam, alle Seiten regelmäßig anzusurfen, vom Tab-Chaos dann mal ganz abgesehen.
    Es ist übersichtlicher, alle Artikel-Titel verschiedener Seiten untereinander lesen zu können, man behält den Überblick, was man schon gelesen hat und was nicht und so weiter.
    In der Praxis gehe ich dann oft eben wegen der gekürzten Feeds auch auf die Original-Webseiten, aber zum Selektieren und Filtern der vielen News ist ein RSS-Reader deutlich praktischer…

  • @PeterStand:

    Vom Sterben der RSS Feeds / Reader würden die Großen Online Nachrichten oder Tech Magazine profitieren im Gegensatz zu den Bloggern.
    Ohne Feeds würden wohl Bloggs noch weniger Angesürft, damit Bekannt bzw. überhaupt regelmäßig Gefunden werden.
    Die Großen der Brange hätten den Vorteil der Bekanntheit, daher werden sie die Maßnahme von Google wohl eher Begrüßen wenn es kaum noch Möglich ist einfach mal 120 Feeds zu Folgen.

  • Die Einstellung kam eigentlich weniger überraschend, wenn man bedenkt, dass Google FeedBurner in den Funktionen stark eingeschränkt hat, außer der Weiterleitung von Feeds!

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