Yahoos Quartalsbericht – gute oder schlechte Neuigkeiten?

Robert Vossen

yahoo

Yahoo hat seine Quartalszahlen vorgestellt, doch eine eindeutige Bewertung ist nicht leicht. Tragen die ersten Amtshandlungen von Marissa Mayer schon Früchte oder ist der Konzern weiter abgerutscht? Ein klares „Sowohl als auch“.

Umsatz und Profit gesteigert, Aktie lässt nach

Zunächst zu den nackten Zahlen: Der Umsatz lag mit 1,14 Milliarden Dollar leicht über den Erwartungen der Analysten, der Profit konnte um 36 Prozent gesteigert werden, wodurch der Gewinn pro Aktie die Prognosen der Analysten deutlich überstieg. Das hört sich ja eigentlich wunderbar an – dennoch sackte die Aktie im nachbörslichen Handel um knapp 5 Prozent ab.

Der Hauptgrund: Die Quartalsergebnisse sehen vor allem wegen der Performance des chinesischen eCommerce-Giganten Alibaba, der zu einem Viertel Yahoo gehört, so schön aus. Der Umsatz aus Yahoos Display Ads, der etwa 40 Prozent der Umsätze ausmacht, ist im Gegenzug um 11 Prozent gesunken. Auch die Umsätze aus der Suchmaschinenwerbung fielen um 10 Prozent.

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Werbeagenturen vermissen Yahoos Vision

Der Verlust lässt sich vor allem damit erklären, dass die großen Werbe- und Mediaagenturen sich nicht sicher sind, wohin Yahoo steuert und welche Vision hinter der Strategie der kleinen Schritte steckt. Mir gefällt zwar gut, was Mayer in den letzten Monaten so alles angefasst hat, aber in der Tat lässt sich das große Bild noch nicht richtig erkennen.

Die Chefin selbst sprach bei der Vorstellung der Ergebnisse von einer „Sprintserie“, die Yahoo hinlegen müsse. Der erste Sprint gelte dabei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Yahoo wieder für Talente und Fachkräfte attraktiv zu machen. Bei Google dürfte Mayer ja gelernt haben, wie das funktioniert.

Anzahl der Bewerbungen verdreifacht

Und in der Tat: Die Anzahl der Bewerbungen habe sich im letzten Quartal verdreifacht, die Zahl der Bewerbungsgespräche wurde verdoppelt, 14 Prozent der Neuanstellungen seien frühere Yahoo-Mitarbeiter. Für die Bilanz sind solche Zahlen unwichtig, doch langfristig stellt Mayer damit die richtigen Weichen.

Auch intern gibt es Verbesserungen: Zwar müssen die Mitarbeiter wieder ins Büro, dafür ist das Mittagessen jetzt aber umsonst. Darüber hinaus habe man 560 „Mitarbeiter-Initiativen“ angeschoben, um das Arbeitsklima zu verbessern.

Insbesondere in der IT-Welt sind die Mitarbeiter die wichtigsten Ressourcen eines Unternehmens – sie entwickeln neue Technologien beziehungsweise Produkte und melden Patente an. Sich hierauf zu konzentrieren zeugt von Weitsicht.

Mayer will für mobile Hochkonjunktur vorbereitet sein

Einer der nächsten Sprints solle im mobilen Bereich erfolgen: Schon jetzt habe man 300 Millionen mobile User – im Januar waren es noch 200 Millionen. Und auch wenn es noch dauern werde, mit mobiler Werbung genauso viel zu verdienen wie im stationären Bereich, will Mayer dafür aufgestellt sein, wenn auf dem Handy die Kasse klingelt. Auch hier zeigt Mayer Weitsicht.

Kurzfristig pfui, langfristig hui?

Es scheint, als müsse Yahoo noch ein Weilchen das Tal der sinkenden Werbeumsätze durchschreiten, bis man die Ergebnisse ihrer Arbeit auch finanziell sehen kann, wobei angesichts der Konkurrenz von Google und Facebook unklar ist, ob die Talsohle schon erreicht ist.

Aber neben der PR-wirksamen Akquisition von Summly habe man laut Mayer für die nächsten Monate schon Einiges in der Pipeline. Und auch wenn es noch nicht der ganz große Durchbruch ist, so hat Summly nun im Dienst von Yahoo als Erstes schon einmal den Quartalsbericht von 2.000 auf 160 Wörter eingedampft.

Die jüngsten Zahlen lassen also den Schluss zu, dass Yahoo nach wie vor schwächelt, aber von Mayer für die Zukunft immer besser aufgestellt wird. Hoffentlich hält sie das auch lange genug durch.

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Bild: Flickr / Giorgio Montersino (CC BY-SA 2.0)

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Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.