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89 Cent pro Jahr: WhatsApp fürs iPhone jetzt mit Abo-Modell – gilt nicht für App-Käufer

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geschrieben von Michael Müller

Es war nur eine Frage der Zeit, bis das von anderen mobilen Plattformen bekannte Geschäftsmodell auch seinen Weg auf das bisher mit einer Sonderstellung versehene iOS finden würde. Ab sofort gilt beim WhatsApp Messenger fürs iPhone das gleiche Abo-Modell, wie bei Android, BlackBerry und Windows Phone. Will heißen: die Erstinstallation der App ist gratis, nach zwölf Monaten kostenloser Nutzung fallen dann 89 Cent für jedes weitere Jahr an.

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Sonderstellung adé

Bisher genoss Whatsapp auf iPhones eine Art Sonderstatus. Nutzer des Apple-Smartphones mussten einmalig 89 Cent in die Hand nehmen und die App käuflich erwerben. Dafür dann kein Abo, keine Folgekosten. Damit unterschied sich das Vermarktungsmodell eklatant von dem anderer Plattformen. So gilt für Nutzer von Geräten mit Android, BlackBerry oder Windows Phone schon lange eine Jahresgebühr von knapp 1 Euro, um nach Ablauf der kostenfreien Einführungsphase weiterhin in den Genuss des weit verbreiteten Messengers zu kommen.

Die Sonderstellung von WhatsApp für iOS ist seit gestern hinfällig. Seitdem fahren die Macher von WhatsApp auf der Apple-Plattform die gleiche Taktik, wie bei den Mobil-Betriebssystemen von Google und Microsoft. Im App Store können all jene, die WhatsApp noch nicht käuflich erworben haben, den Messenger kostenfrei installieren. In den ersten zwölf Monaten fallen keine Kosten an, dann wird eine Jahresgebühr von 89 Cent fällig. Für all jene, die WhatsApp bis zum Stichtag am gestrigen Abend bereits erworben haben gilt die Abo-Regel nicht – wer WhatsApp gekauft hat, freut sich über ein lebenslanges Abo zum Nulltarif. So bescheinigt es jedenfalls die Kommunikation zum jetzigen Zeitpunkt.

Keine Überraschung

Die Vereinheitlichung des Geschäftsmodelles kommt nicht überraschend. Schon im März kündigte WhatsApp-Chef Jan Koum diesen Schritt gegenüber einem niederländischen Journalisten an. Man wolle Dinge einfach halten, sagte Koum damals.

Das gestrige Update auf WhatsApp 2.10.1 bringt für iPhone-Nutzer zahlreiche Neuerungen mit sich. So ist mit der neuen Version das Backup der Chats über die Apple iCloud möglich. Auch erlaubt die neueste Version den simultanen Versand von mehreren Bildern. Weiterhin auf einem wackeligen Fundament steht die Sicherheit – zwar verschlüsselt WhatsApp seit einigen Versionen die Nachrichten, um welchen Algorithmus es sich handelt, ist aber offiziell nicht bekannt.

In den Einstellungen der App findet sich unter „Account“ nun ein neuer Reiter, hinter dem sich Informationen zu „Zahlungsinformationen“ finden. Für Käufer der App zeigt sich dort unter „Service“ der Hinweis Lebenslang. Auch neu: sollte sich die mit dem WhatsApp-Account verknüpfte Telefonnummer ändern, ist eine Portierung der Einstellungen über den Punkt „Nummer ändern“ möglich. Dadurch werden Kontoinfos, Gruppen und Einstellungen migriert. Fragt sich, ob bei einer Migration auf eine neue Handynummer für App-Käufer auch das privilegierte Kostenlos-Abo wegfällt. Zu vermuten ist es.

Tipp: Alternativen ansehen

Auch wenn die Beliebtheit von WhatsApp durch die wirklich vertretbare Abo-Gebühr sicherlich nicht getrübt wird, lohnt sich ein Blick auf kostenlose Alternativen. So hat WhatsApp für Apple-Kunden den Nachteil, ohne Jailbreak exklusiv auf dem iPhone zu laufen. Auch schauen Nutzer von älteren iPhones in die Röhre, wenn die Unterstützung eingestellt wird, wie beim iPhone 3G geschehen. Zwar steht der Messenger für die wichtigsten mobilen Plattformen zur Verfügung, variiert hier jedoch stark in Qualität und Leistung: insbesondere die Portierungen für Windows Phone und BlackBerry fielen in der Vergangenheit nicht unbedingt durch positive Bewertungen auf. Auch ist WhatsApp (offiziell) nicht vom PC aus ansprechbar und wird es wohl auch in Zukunft nicht sein, sehen die Entwickler die Heimat des Tools doch ausschließlich auf mobilen Geräten.

Erwähnenswerte Alternativen zu WhatsApp sind Viber, Line Messenger, das für iOS noch nicht ganz runde Google Hangouts oder der Facebook Messenger. Auch der offizielle SMS-Nachfolger Joyn hat das Zeug dazu, in naher Zukunft für Konkurrenz zu sorgen, kämpft aktuell aber noch mit Bugs und einer sehr überschaubaren Verbreitung.


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Über den Autor

Michael Müller

Michael tritt seit 2012 in über 140 Beiträgen den Beweis an, trotz seines Allerweltnamens real existent zu sein. Seit Abschluss seines Wirtschaftsstudiums arbeitet er als Kommunikationsberater für namhafte Technologie-Firmen, kann und möchte das Schreiben aber nicht sein lassen.

15 Kommentare

  • Das Abo-Modell ist vollkommen in Ordnung. Was mich wundert: ständig wird versucht, von Whatsapp wegzukommen, so wird es in den Tech-Blogs kommuniziert. Doch reicht Whatsapp wie es ist nicht einfach für den Otto-Normal-Nutzer? Ich denke daher wird sich kaum etwas an der Popularität ändern. Einfach weil es einfach läuft und man keine Sorgen damit hat

    • Nunja, man hat so lange „keine Sorgen“ mit Software, wie es keine Skandale damit gibt. Da die Verschlüsselung ebenso undurchsichtig ist wie die Datenhaltung von WhatsApp (Kontaktdaten werden auf den WhatsApp-Servern gespeichert), muss man einfach auch auf Alternativen hinweisen. Stichwort PRISM. Zumal es WhatsApp (bisher) nicht aufs iPad und Desktops geschafft hat und eben gute Konkurrenz-Messenger existieren, die genau das bieten.

  • Threema sollte in der Liste der Alternativen nicht vergessen werden. Vor allem, da es eine bessere Verschlüsselung anbietet als WhatsApp.

  • Wer ein System wechselt, weil dieses plötzlich 0,89 Euro pro Jahr kostet, muss entweder echt arm oder sehr geizig sein.

    Sorry, sollte kein Trollen sein, waren nur meine Gedanken beim Lesen 😉

  • Für mich hat sich mySMS unter Android als eine gute Alternative erwiesen. Ich verwende sie primär als Ersatz für die SMS App aber man kann auch kostenlos Nachrichten an andere mySMS Nutzer verschicken.

    Im Gegensatz zu WhatsApp gibt es auch eine App für Tablets ohne 3G. Die ist zwar kostenpflichtig aber meiner Meinung nach ihr Geld wert.

  • Schließe mich Manuel an.
    „Threema“ sollte hier bei den Alternativen nicht fehlen. Die App. gibt es sowohl für iOS als auch für Android und wirbt mit einer echten End-zu-End Verschlüsselung.

  • ‚Threema‘ ist eine wirklich gute Alternative für WhatsApp, wenn einem die Chatinhalte und die Authentizität des Gegenübers wichtig ist. Ich habe sie auch installiert. Leider mangelt es innerhalb meiner Kontakte im Moment noch an Verbreitung. Aber das ändert sich hoffentlich durch Sensibilisierung der Leute gerade nach Veröffentlichungen wie zu PRISM…

  • Thema: Endverschlüsselung

    … ich stell mir gerade vor, wenn die jede Nachricht meines Sohnes (13) mitlesen und speichern, brauchen die 5 Serverschränke jeden Monat und 3 Psychiater für diejenigen die mit den Texten in Berührung kommen. Das hochgerechnet auf die Weltbevölkerung … hmmm … wer soll denn den Job erledigen? Schmerzbefreite Ausserirdische?

  • @Tom:
    Da liest – zumindest erstmal – kein Mensch mit, sondern nur der Computer.
    Erst wenn dein Junior zu oft „Bombenstimmung“ oder ähnliche hochgradig raubmordterrorverdächtige Worte schreibt, schaut sich dann vielleicht mal ein Mensch das an.
    Oder es kommt wahlweise in Zukunft gleich die Anti-Terrordrohne ihres Vertrauens für den finalen Rettungsschuss vorbei ;-)…

  • Ich denke auch, dass man mit den 89 Cent im Jahr sehr gut leben kann. Wenn man sich mal vor Augen führt, wie oft diese App genutzt wird ist der Preis auch mehr als berechtigt. Die Anbieter profitieren von der unglaublichen Masse an Nutzern und die Nutzer müssen dafür „kaum“ etwas zahlen. 89 Cent auf die Summe der Nachrichten so mancher Leute gerechnet, ergibt vermutlich etwas, was an die 40 Nullen hinterm Komma ausmacht, bevor mal eine 1 kommt.

  • Hallo, seit dem letzten update auf meinem Iphone 5 kann ich keine längeren Videos mehr versenden. Kann das jemand bestätigen oder sogar erklären? Ich bin total verzweifelt. Lustige Videos über Whatsapp sind bei uns in der Firma „harte Währung“ und ich kann nicht mehr mitmachen.

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