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Gamer-Wahnsinn: Todesdrohungen gegen „Call of Duty“-Designer nach kleinem Tweak

Mit Communities im Netz ist das ja so ein Ding. Kann ganz toll sein, wenn man mal in einem Game überhaupt nicht weiterkommt, oder eine Bedienungsanleitung für seine Waschmaschine braucht, oder das Display an seinem ThinkPad austauschen muss. Sowas schätze ich ja sehr am Netz. Communities leben von den Menschen, die Begeisterung zeigen. Wenn dann irgendetwas am Objekt ihrer Begeisterung verändert wird, kann das teilweise echt extrem Züge annehmen und viel zu weit gehen.

Screenshot - https://twitter.com/search/realtime?q=%40DavidVonderhaar&src=typd

Das hat jetzt David Vonderhaar, leitender Designer für „Call of Duty: Black Ops II“ feststellen müssen. Als drei Waffen des Spiels aus Gründen einer besseren Ausgewogenheit leicht verändert wurden, sorgte das für Ausraster in der Community – von Verwünschungen bis hin zu Todesdrohungen.

Minimale Änderungen, Bruchteile von Sekunden

Laut den Patch Notes wurden ein Sturmgewehr und zwei Scharfschützen-Gewehre leicht angepasst – Feuerrate gesenkt, Nachladezeit erhöht, alles im Rahmen von Sekundenbruchteilen. Nicht weiter dramatisch, sollte man meinen? Falsch. Denn innerhalb kürzester Zeit wurde Vonderhaars Twitter-Account mit Beschimpfungen, Hassmails und sogar Todesdrohungen überflutet. Und mit der Zeit ist die Entrüstung nicht kleiner geworden, die Flut an Tweets geht ungebremst weiter:

Besonders schön finde ich dabei seinen „Keep calm …“-Avatar. Doch es geht noch extremer. Ein Beispiel ist dieser „freundliche“ Herr – der sich allerdings über seine Prioritäten klarwerden sollte:

Zwischen den überwiegend aggressiven Tweets gibt es auch den ein oder anderen, der den Patch sogar begrüßt:

Keine Ansichtssache, sondern verschobene Perspektiven

Und das alles wegen etwas, was bei Spielen wie Call of Duty regelmäßig passiert – ein Patch verbessert die ein Waffe, reduziert den Schaden einer anderen, macht eine dritte präziser. Ein Spiel auszubalancieren ist eine komplizierte Sache, und es wird immer jemanden geben, dem der Patch nicht gefällt.

Klar, Spieler hängen an ihren Games, aber solche Reaktionen? Sind jedenfalls nicht gerade ein Werbefeldzug gegen Klischees über nerdige Keller-Gamer ohne soziale Kompetenzen. Ich musste jedenfalls sofort an dieses inzwischen legendäre Video denken:

Und genau das ist sicherlich einer der bittersten Nebeneffekte der Sache: Weil einige Spieler offensichtlich völlig den Bezug zur Realität verloren haben, wird eine ganze Gemeinschaft mit Vorurteilen eingedeckt. Jeder wegen dieser absoluten Nichtigkeit abgesetzte Hass-Tweet trägt zum schlechten Image von Gamern in Gesellschaft und Medien bei. Denn wer in derartiger Art und Weise auf minimale Änderungen an seinem Lieblingsspiel reagiert, muss doch eine wandelnde Zeitbombe sein. Oder?

Bild: Screenshot


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Über den Autor

Thorsten Nötges

Thorsten Noetges ist Nerd, Gamer,und seit 1995 im Internet zu Hause. Er hat von 2013 bis 2014 über 100 Artikel auf BASIC thinking veröffentlicht.

7 Kommentare

  • Die meisten Flamer und Hater sind Hardcore CoD Freaks, selbst bei Call of Duty: Modern Warfare 2 „heulen“ die noch rum, wenn irgendwas mal nicht geht.

    Ist aber immer so, werden keine Updates gemacht – sind alle unzufrieden und wenn dann doch mal ein Update kommt, geht erst recht die Heulerei los.

    Vielleicht ändert sich ja was bei Call of Duty: Ghosts – aber vermutlich nicht 🙂

  • Wo ist denn da die News? Solche Ausbrüche gibt es, seit es Onlinespiele gibt. Wenn ich da an Ende der 90er zurückdenke, was in den Counter Strike Foren los war…

  • „muss doch eine wandelnde Zeitbombe sein“

    auch wenn man einen sarkastischen Unterton und die Hoffnung des Autors auf eine streitige und langanhaltende Diskussion hier im Blog aus diesen sechs Satzbausteinen extrapolieren könnte, wenn man schlussendlich ernst dieses Fragment betrachtet, sehe ich diese subcutane Stigmatisierung kritisch.
    Eine begründete Tradition und eine angestrebte Gewöhnung an ein Produkt trägt in sich den Sinn die Kunden anzulocken und via Mundpropaganda steigernd die Kaufkraft zu generieren. Die Transformation („[…]minimale Änderungen[…]“) wird in einem nachfolgenden Produkt kulminiert. Es ist immer wieder schwer die Kunden an ein neues Produkt zu gewöhnen und im bestehenden Produkt die akzeptierende Laune des Kunden bis zur nächsten Veröffentlichung beizubehalten.
    Und hier fächert sich das angesprochene auf Marginalien fokussierende Unbehagen (ich darf auch sarkastisch sein) auf. Die Veränderung einer Geschmacksnote hat einen gewohnheitsinvasiven Bruch zur Folge und die Reaktionen, aber auch die reaktionsauslösende „Gegenstände“ können vielfältig sein. Und die Reaktionsamplituden sind genauso fluktuierend – von heiter bis tödlich. Allerdings muss man den Aspekt der im Internet leicht zugänglichen anonymen (a)sozialen Darbietung seiner Aufgeregtheit nicht außer Acht lassen, welcher solche Extremen geradezu fördert.

  • Die Hasstweets sind impulsgesteuerte, völlig unkontrollierte Ausbrüche pubertärer Mangelerscheinungen.

    Etwa so als würde ein 14-Jähriger im Streit zu seiner Mutter „Ich hasse dich“ sagen, und es in diesem Moment auch so meinen. Doch daraus erwächst über die verletzenden Worte hinaus keine weitere Konsequenz.

    Deshalb ist die Schlussfolgerung des Verfassers völlig überzogen:

    „Denn wer in derartiger Art und Weise auf minimale Änderungen an seinem Lieblingsspiel reagiert, muss doch eine wandelnde Zeitbombe sein. Oder?“

    Jeden Tag fallen zwischen Jugendlichen und jugendlich gebliebenen und ihren Bezugspersonen Worte wie „Ich wünschte, du wärst tot.“ Egal, aus welchem Zusammenhang erwachsen, unabhängig davon, ob die beteiligten Personen Gamer sind oder nicht.

    All diese Menschen bezeichnet dieser Artikel quasi als „eine wandelnde Zeitbombe“. Oder?

    Entweder hat der Verfasser es darauf abgezielt, eine rege Diskussion in den Kommentaren auszulösen, also berechnend provoziert (was natürlich armselig wäre), oder der Verfassser hat tatsächliche Ängste, die sich aus tausendfach irgendwo wiederholten Teenieschmerzensschreien speisen (was schade wäre, man müsste Mitleid mit ihm haben und vllt. psychologische Hilfe anbieten, die ihm beim Überwinden der irrationalen Ängtse hülfe).

    Ich hoffe für den Verfasser sehr, dass es reines Kalkül war. Und ärgere mich dabei ein wenig, dass ich mich habe provozieren lassen, einen Kommentar unter einen eher schlecht reflektierten Artikel zu setzen.

  • Das besagte Video ist übrigends gestellt und vom gleichen Jungen, der auch das „Ich bin ein echter Gangster“-Video gemacht hat.

  • Hi,

    ein bissle tiefer graben, auch wenn du sofort daran denken musstest. Hier noch zwei kurze Infos zum Video:
    1. komplett gestellt und er hat noch Hits produziert (Ich will ein Gangster sein, usw.)
    2. Das gestellte Vid ist praktisch das erfolgreichste Tube überhaupt über die Deutschen und die BRD. Da freut man sich doch gleich, wenn man als ein Volk von bekloppten Kellerkindern bekannt wird 😉

    beste Grüße

  • Meine sniper (dsr-50) wurde zwar gepacht, ich suchte das spiel übelst: aber ich schick doch niemanden morddrohungen, nur weil meine fav. Waffe gepatcht wurde. Ich glaub das die leute die die drohungen geschrieben haben echt kein reallife mehr!!!!

    Das is doch krank ey -.-

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