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Kurioses am Rande des IFA-Wahnsinns: Jetzt kommt die digitale Revolution im Erotik-Bereich. Oder so ähnlich.

Vibratissimo
geschrieben von Jürgen Kroder

Obwohl die IFA gerade auf Hochtouren läuft, gibt es Unternehmen, die es trotzdem wagen, abseits des Messe-Trubels auf ihre Produkte aufmerksam zu machen. Ein schweres Unterfangen. Doch wenn eine Pressemitteilung „Weltneuheit aus Arnstadt: AMOR präsentiert mit Vibratissimo Erotik der Zukunft“ lautet, dann horcht sogar der IFA-gestresste Redakteur gerne auf und beginnt die investigative Recherche. Immerhin könnte sich hinter der Schlagzeile ein Knaller verstecken. So näherte ich mich der vermeintlichen Top-News des Jahres.

Vibratissimo

Revolution!

Nach einem ersten schnellen Lesen der Schlagzeile war mein Interesse geweckt. Doch dann kamen die Fragen auf: Wo liegt Arnstadt? Muss man das kennen? Eine peinliche Bildungslücke für jemanden, dessen Generation schon fast an der PISA-Studie scheiterte? Ist das vielleicht das geheime Redmond oder Silicon Valley Deutschlands?

Nein. Nach einer kurzen Recherche bei Google Maps und Wikipedia fand ich heraus, dass man Arnstadt wegen der ersten urkundlichen Erwähnung der Thüringer Bratwurst kennen kann, aber nicht muss. Also, weiter im Text.

In der offiziellen Pressemitteilung verspricht die AMOR Gummiwaren GmbH, dass „die digitale Revolution […] jetzt auch im Erotik-Bereich angekommen“ sei. Oha. Welche Revolution damit wohl gemeint ist? Wird Cyber Sex ala „Futurama“ und „Rasenmäher Mann“ bald Wirklichkeit? Hat Apple den Gummiwaren-Hersteller aus Thüringen aufgekauft und wirft so seine prüden Zügel ab?

Der nächste Satz lässt weiterhin Großes erhoffen: „Mit Vibratissimo haben wir eine absolute Weltneuheit entwickelt“. Revolutionär und eine Weltneuheit – und das wird nicht auf der IFA gezeigt? Vielleicht hat es doch etwas mit der bald kommenden Apple-Keynote zu tun? Ein iPhone als Sex-Spielzeug?

Ernüchterung!

Bei meinen Vermutungen lag ich richtig. Allerdings nur teilweise: iPhone und Sex-Spielzeug – das stimmt. Der Geschäftsführer von Amor klärt im nächsten Satz die große Ankündigung auf: „Erstmals wird ein Vibrator mit dem Handy gekoppelt und ist via App steuerbar. Damit revolutionieren wir die Welt der Erotik.“

Aha.

Ein Vibrator, der über Apps gesteuert wird. Gibt’s das nicht schon längst? Keine Ahnung, ich bin dafür die falsche Zielgruppe. Aber die Idee dazu hatte doch bestimmt jeder schon mal. Mehr oder weniger, oder? Das iPhone ist seit sechs Jahren auf dem Markt und heute will man uns diese banale Erfindung als Revolution verkaufen?!? Gähn!

An dieser Stelle würde man als Journalist eine weitere Recherche starten. Man würde schauen, ob es nicht schon längst derartige Geräte gibt. Aber lohnt sich das? Ich las lieber die Pressemitteilung weiter, immerhin hatte ich damit angefangen. Nach den üblichen Floskeln („klares Design“, „einfach und intuitiv bedienbar“, „Erotik von morgen“) und den PR-Ausführungen, wie toll ein App-gesteuerter Vibrator so sei, stattete ich schließlich der offiziellen Vibratissimo-Website einen Besuch ab.

Dort findet man ähnliche Marketing-Phrasen und _harte_ Fakten (5 Euro in die Kalauer-Kasse, bitte!) über das Gummispielzeug. Apropos platte Schenkelklopfer: Die Vibratissimo-Modelle gibt es gerade – O-Ton – „zum Einführungspreis“. Oha. Passend zum gegen Null tendierenden Nachrichtenwert der angeblichen Erotik-Revolution sank auch mein Niveau. Ein Thema, bei dem sich eine tiefergehende Recherche nicht lohnen würde.

Ablenkung!

Immerhin ist die kuriose Pressemitteilung eine willkommene Abwechslung zum IFA-Alltag, in dem die Technik-Hersteller im Ankündigungsdauerfeuer den (vermeintlich) echten digitalen Fortschritt zeigen. Und mir blieb ein kurzes Lächeln über so viele Zoten. Das ist ja auch was wert…

Bild: Vibratissimo / AMOR Gummiwaren GmbH


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Über den Autor

Jürgen Kroder

Jürgen bezeichnet sich als Blogger, Gamer, Tech-Nerd, Autor, Hobby-Fotograf, Medien-Junkie, Kreativer und Mensch. Er hat seine unzähligen Hobbies zum Beruf gemacht. Und seinen Beruf zum Hobby. Obwohl er in Mainz wohnt, isst er weiterhin gerne die Maultaschen aus seiner Heimat.

11 Kommentare

  • Das passt doch zum aktuellen Nutzerverhalten mit dem Smartphone. Wenn ich schon zum Großteil darüber kommuniziere, warum den Rest nicht auch?

  • Ein Feature ist doch, dass (so wie ich die Grafik oben verstehe) nicht der Anwender selbst das Teil steuert, sondern ein anderer übers Internet. Das bleibt im Text ja vollkommen unerwähnt!
    Man stelle sich jetzt Szenarien vor, in denen findige Hacker die Kontrolle übernehmen etc. usw. 😉

  • Kann es sein, dass es eine bestimmte Nutzergruppe dafür gibt? Und wenn der Autor nicht dazu gehört, wird er wohl den Nutzen nicht nachvollziehen können. Genauso kann man über Menschen lästern, die z.B. Spinnen halten. Eine völlig sinnlose Sache, wenn man nicht selbst Spaß daran hat.

    Der Kommentar mit dem Hacker ist super! :)))))

  • Es gibt für ALLES eine Nutzergruppe!
    Somit kann ich auch den Sinn von Vibratissimo nachvollziehen – egal, ob ich davon angesprochen werde oder nicht. Zur Aufgabe eines Journalisten (und dazu zählen Blogger auch) gehört es, sich in alle Dinge einzulesen, einzuarbeiten und die Fakten herausarbeiten zu können.

    Aber der Sinn des Beitrages war es nicht, klare Fakten zu liefern, sondern abseits der IFA-Dauerbeschallung mit „echten“ Innovationen und Revolutionen einen launigen Artikel über das Geschehen drumherum zu verfassen. Dafür eignete sich die kuriose Ankündigung der Vibrator-App perfekt! 🙂

  • Die Pornoindustrie produziert doch angeblich den meisten Traffic im Internet. Daher werden solche Tools sicher ihre Abnehmer finden und dass auch wohl mit der Zeit in Massen.

  • Wenn ich mich nicht täusche, dann ist die Idee schon ein alter Zapfen. Im Film „Shortbus“, der vor einiger Zeit einmal auf arte lief, gab’s den ferngesteuerten Vibrator schon. Und der Film ist von 2006. Naja, man will immer alles irgendwie als Weltneuheit veräussern.
    Da aber 100% der Kommentare hier von Männern kommt, frage ich mich, was sie mit dem Teil oben auf dem Bild so anstellen…

    Na hoffentlich ist der Gummibereich wenigstens frei von Phtalaten.

  • Ich frag mich eigentlich, wann man auch hierzulande mal so weit ist, solche Produkte ohne Wortspielchen und Zweideutigkeiten zu rezensieren…

  • Zweideutig? Der Zweck dieses Vibrator ist 100% eindeutig. Und von Rezension würde ich hier auch nicht sprechen, da meiner Meinung nach dazu Praxiserfahrung notwendig wäre, die hier damit wohl keiner hat. Warum? Es müsste wenn, dann schon eine Frau sein. Oder dann wenigstens ein Gay.

    Hättest du bloss einfach Präsentation geschrieben…

  • […] Ja, wir wollen nicht lange ums peinliche Thema herumschwafeln, sondern kommen gleich zum Punkt: „OhMiBod blueMotion“ ist ein Vibrator. Aber nicht einer der üblichen 08/15-Dildos, sondern deutlich weiter entwickelt. Man könnt ihn sehr gut als smarten Vibrator beschreiben, denn das Ding bietet allerlei Technik. Und das mehr, als manche vermeintliche „Erotik Revolution“, über die wir bereits geschrieben haben. […]

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