Freie Fahrt für Internet-Werbung, die Nächste: Online-Vermarkterkreis plant umfassende Anti-Adblocker-Kampagne mit Zugriffssperre

Tobias Gillen

Nach der gefloppten Anti-AdBlock-Kampagne der Verlage und anderen Ideen zur Verhinderung von AdBlockern plant der Online-Vermarkterkreis (OVK) im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) offenbar ein neues Programm zur Verhinderung von AdBlockern: Zugriff auf freie Online-Inhalte soll dann nur noch bekommen, wer beim Surfen keinen Werbefilter einsetzt.

adblocker

Der unausgesprochene Deal

Die Idee: Nutzer erst informieren, dass sie einen „unausgesprochenen Deal“ eingegangen seien (kostenlose Artikel gegen Werbeaufmerksamkeit) und anschließend eine Sperre hochfahren. So hat es Matthias Wahl vom OVK laut Horizont.net auf der Marketing-Messe Dmexco in Köln erklärt. Aktuell entwickle man dabei eine technische Möglichkeit, um AdBlocker (besser) zu identifizieren.

Die finale Stufe des mehrstufigen Verfahren sei eine „konzertierte Aktion über alle Onlinemedien hinweg“, bei der die Nutzer von AdBlockern ausgeschlossen werden. Was zunächst vermessen klingt, könnte durchaus umsetzbar sein. Der OVK ist schließlich nicht irgendwer: Dieser gilt als das zentrale Gremium der deutschen Online-Vermarkter, in dem sich 19 führende Vertreter ihrer Branche zusammengeschlossen haben. Und deren Ziel ist es natürlich, der Online-Werbung kontinuierlich mehr Bedeutung zu verschaffen. Fakt ist auch: AdBlocker sind für den Online-Journalismus ein rotes Tuch. Sie kosten, das merkte auch BVDW-Präsident Matthias Ehrlich an, „furchtbar viel Geld“. Geld, das die Verlage beim Aufbau ihrer Onlineportale dringend nötig hätten. Und natürlich finanziert sich auch BASIC thinking nicht zuletzt über Werbeeinnahmen.

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Erträglichere Werbeformen sind der bessere Weg

Die Nutzer aber generell auszuschließen, ihnen also den Zugang zu Nachrichten und Informationen zu verweigern – das dürfte schief gehen und ist kaum praktikabel. Schließlich beläuft sich der geschätzte Anteil von AdBlock-Nutzern auf knapp 30 Prozent. Diese sind teils für den Verlag auch noch Kunden in anderen Bereichen – etwa Print- oder Online-Abonnenten. Nutzer mit einer solch strikten Kampagne rigide zu verscheuchen, ist daher wohl schon allein deshalb nicht die beste Idee – und erinnert irgendwie an das unselige „Hart aber gerecht“. Davon abgesehen dürften die Entwickler von Adblockern kaum dabei zusehen, wie ihren Tools die Zähne ausgeschlagen werden. Ein „Rüstungswettlauf“ wäre also die erwartbare Folge – Ergebnis offen.

Besser wäre es daher, doch endlich mehr auf die Wünsche der Kunden zu hören. Golem.de etwa hat aus der Anti-AdBlock-Kampagne im Sommer viele Schlüsse gezogen und versucht seither, auf erträglichere Werbeformen zu setzen. Das würde auch anderen Nachrichtenportalen gut stehen, die ihren Werbekunden weiterhin viel Freiheit zur blinkenden, schwirrenden oder fliegenden Selbstpräsentation lassen. Aus den eigenen Fehlern lernen wäre da schon mal ein guter Anfang.

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Bild: Screenshot

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Tobias Gillen ist Geschäftsführer der BASIC thinking GmbH und damit verantwortlich für BASIC thinking und BASIC thinking International. Seit 2017 leitet er zudem die Medienmarke FINANZENTDECKER.de.