Social Media

Second-Screen-Quoten: Bei Fernsehsendern, Twitter und Facebook tut sich (endlich) was

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geschrieben von Tobias Gillen

Second Screen ist eines der Buzzwörter der vergangenen Jahre. Nun werden auch Quoten und Rankings von Twitter und Facebook für die Fernsehsender interessant.

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Quotenermittlung veraltet

Tag für Tag werten die Medien-Branchendienste die Fernseh-Quoten für den Vortag aus. Die Rede ist dann von dem RTL-Film, der mies abschnitt und von der Casting-Show, die wieder im Aufwind zu sein scheint. Die Quoten, meist in Textform aufbereitet, werden in mehrere Kategorien geordnet: Da wären etwa das Gesamtpublikum und die angeblich werberelevanten Zielgruppen der 14- bis 49-Jährigen sowie der 14- bis 59-Jährigen. Wirklich zeitgemäß ist das aber nicht mehr.

Denn inzwischen gibt es weitaus mehr Faktoren, die über den Erfolg eines Fernsehprogramms entscheiden als bloße Einschaltquoten. Etwa: Abrufe aus Mediatheken und Social-TV-Statistiken aus dem Second-Screen-Verhalten der Nutzer. Bei Ersterem sind die Fernsehsender längst im Aufbruch – auch der analogste TV-Stoffel hat die enormen Abrufzahlen von Online-Mediatheken inzwischen begriffen. Bei den Second-Screen-Quoten steckt vieles noch in den Kinderschuhen, allerdings tut sich hier mittlerweile ebenfalls etwas.

Twitter & das Nielsen-Rating

Zumindest in den USA wird das Nielsen-Rating künftig neben den klassischen TV-Quoten auch die Top 10 der Twitter-Charts beinhalten. Nur zwei der zehn meistgesehenen Fernsehsendungen in den USA landeten dabei in der Second-Screen-Liste, angeführt – wenig überraschend – vom „Breaking Bad“-Serienfinale mit über neun Millionen Nutzern. Spannend daran ist, dass die Folgen in den USA nicht mal in den Top 10 der meistgesehensten Sendungen landeten. Demnach wird hier bestätigt, was oben vermutet wurde: Der Erfolg einer Sendung hängt nicht nur von Gesamtpublikum und Zielgruppe ab.

Auch in Deutschland wäre ein solches Prozedere denkbar. Zwar versuchen einige Medien und Mediendienste immer wieder, wichtige Formate (etwa das „TV-Duell“ oder das Champions League-Finale) mit diversen Tools und Auswertungen auch im Social Web zu begleiten. Eine unabhängige, flächendeckende und konstante Statistik gibt es aktuell aber noch nicht.

Social Media-Aktivitäten Juli 2013

Facebook kooperiert mit TV-Sendern

Aber nicht nur Twitter, sondern auch Facebook ist – logisch, bei der Nutzerbasis – interessant für die Fernsehsender. In den USA gibt Facebook ABC, NBC, CBS und Fox allwöchentlich einen „Data Report“ aus. Daraus können die Sendergruppen schließen, welche Formate die meiste Aufmerksamkeit im Social Web bekommen haben.

Diese Möglichkeiten einer zweiten, oder besser: einer dritten Quote, könnten schon bald auch deutschen und französischen Fernsehsendern zuteil werden. Wie „Werben & Verkaufen“ berichtet, hat Facebook auf einer Fernsehmesse in Cannes „mögliche Partnerschaften“ mit dem ZDF und der ProSiebenSat.1-Gruppe in Aussicht gestellt. In Frankreich sei man sich mit TF1 und Canal+ schon über Allianzen einig. Das ZDF hat gegenüber „W&V“ derweil bereits die Absicht zu ersten Testläufen erkennen lassen. Allerdings, so der Bericht weiter, wolle man in Mainz nicht direkt mit Facebook zusammenarbeiten, sondern mit dem Tool „MassRelevance“.

Dabei wäre eine direkte Kooperation von Fernsehsendern mit Facebook doch so wichtig, um vergleichbare Werte zu bekommen. Schließlich geben Tools zwar inzwischen relativ verlässliche Werte aus, dennoch weichen diese untereinander eben doch immer ein wenig ab. Und so geht sie erst mal weiter, die Suche nach einer flächendeckenden Lösung für Social-TV- und Second-Screen-Quoten. Einen deutlichen Schritt weiter sind wir inzwischen aber.

Bild: .reid / Flickr (CC BY 2.0), Grafik: Statista


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Über den Autor

Tobias Gillen

Tobias Gillen ist seit August 2014 Chefredakteur und seit Mai 2015 Geschäftsführer von BASIC thinking. Erreichen kann man ihn immer per E-Mail oder in den Netzwerken.

5 Kommentare

  • Habe mich auch schon oft gefragt, warum die Quotenzählung nicht mal langsam revolutioniert wird – Möglichkeiten gibt es ja. Vielleicht wollen die Sender das gar nicht, weil ihr Programm dann schlechter bei den Werbekunden dasteht. So weit ich weiß, wird die Quote hauptsächlich durch die Aufnahme des laufenden Fernsehprogramms von gerade einmal 6.000 Haushalten ermittelt. Ich glaube nicht, dass das repräsentativ ist. Zusätzlich wäre es sicherlich interessant zu wissen, wieviele Menschen nun eigentlich einen Sender schauen – also keine Prozentangabe, sondern eine absolute Zahl.

  • Na da kann man ja nur hoffen, dass die TV Sender sich nicht an dem Facebook “Data Report” orientieren wenn sie Ihre Sendepläne erstellen.
    Man stelle sich vor, überall Berlin Tag und Nacht – Klone.

  • Uff. Wenn ich die Serien Top Ten der FB-Nutzer sehe wird mir klar, warum ich kein Verlangen nach einem FB-Account habe. Eine völlig andere… Welt.

  • Ich glaube kaum das diese Quoten Jagt überhaupt etwas einbringt außer das die Sendungen, Serien noch Flacher werden um noch den „Dümmsten“ damit Unterhalten zu können.
    Die Menschen sind Individuen und können nicht in 14- bis 49-Jährige Zielgruppen eingeordnet werden um daraus eine Programm Suppe kochen zu wollen, egal wie genauer man deren Sehgewohnheiten ausforscht.
    Vermutlich ist dies auch das Problem von Fernsehen zum Internet, denn dort kann sich jeder nach seinen Geschmack und Vorlieben unterhalten lassen.

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